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Ein Leben voller Neugier und Tatendrang

Dieter Kassenbeck in seiner „,Kommandozentrale“. Foto: Wolfgang Barth

Der 85-jährige Sylter Dieter Kassenbeck sucht Gesprächspartner, mit denen er über aktuellen Themen debattieren kann

Für diesen Mann muss die Redewendung „gestandenes Mannsbild“ erfunden worden sein. Wie ein Baum steht Dieter Kassenbeck in der Tür seines Hauses auf Sylt. Physische und geistige Präsenz strahlt der 85-Jährige aus. Einer, der zu sich und seinen Themen steht. Und einer, der zugleich hellwach und blitzgescheit neugierig ist. „Ich liebe es, zu diskutieren und mich auszutauschen. Die aktuellen Themen in Deutschland machten das einfach. Politisch, wirtschaftlich, sobald es um Bildungsthemen geht. Oder wenn ich nur an den VW-Vorstand, an Streiks, Vorstandsgehälter denke.“

Unternehmen aus der Region

Sein Esstisch im Wohnzimmer seines Hauses in Westerland sieht aus wie eine Kommandozentrale. Sein Rechner- steht da, das Telefon, das Faxgerät im Rücken und der Fernseher mit den Nachrichtensendern im Blick. Die Wände geschmückt mit maritimen Ansichten von Sylt. Zwischendrin ein marokkanisches Schwert.

sches Schwe Der gebürtige Niedersachse stammt aus Braunschweig, beruflich aus dem Bausektor. Und das von der Pike auf. Maurer hat er zunächst gelernt. Dann Bauingenieurwesen in Münster studiert. Später als Bauunternehmer Brücken gebaut und saniert.

Der Begriff Ruhestand passt nicht auf Kassenbeck

Seit zwölf Jahren lebt der Witwer komplett auf Sylt. Dennoch ist er jeden Monat für ein paar Tage in Braunschweig. Dort unterstützt er seine Tochter bei Papierkram. Wie er dorthin kommt? Mit dem Auto natürlich, sagt er dann so bestimmt, als ob er am Verstand seines Gegenübers zweifeln würde. Oder er fährt Lkw für seinen Sohn.

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Auch sonst ist Kassenbeck Sinnbild eines Mannes, für den der Begriff Ruhestand einfach nicht passen mag. Als der frühere Bundesarbeitsminister Franz Müntefering von der Rente mit 65 gesprochen habe, habe Kassenbeck ihm erst einmal ein Foto geschickt, das ihn dabei zeigt, wie er seiner Tochter in Rheine eine Garage baut. Da war er 70 Jahre alt. 

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Ein Lieblingsplatz auf Sylt? „Eine Villa in Braderup in den 70ern“, sinniert er. Schön ruhig sei es damals dort gewesen. Abgeschieden, nicht so touristisch. Kampen dagegen sei damals schon arrogant gewesen, findet er. Als was er sich selbst sieht? Als Braunschweiger? Lange überlegen muss er da nicht.„Als wir hier während Corona bei Ankunft 1 auf der Insel häufig überprüft wurden, hatte ich vorne im Auto ein Schild mit dem Hinweis: Ich bin Sylter. Das sagt doch wohl alles.“

Sein Lebensthema: Gerechtigkeit

Was er sich von einer Begegnung im Advent erwartet? „Einfach einen wachen Austausch. Ich bin neugierig, kann einfach nicht genug bekommen von den Ansichten anderer Menschen.“ Mann, Frau, Alter. Alles egal. Natürlich müsse sein Gegenüber auch damit klarkommen, dass er kein Blatt vor den Mund nehmen würde. Er selbst sei politisch sowohl als "Rote Socke“ als auch als "Braune Wildsau“ bezeichnet worden. Auch parteipolitisch habe er sich schon im gesamten Spektrum bewegt. Für ihn immer im Fokus sein Lebensthema: Gerechtigkeit. „Wenn ich im Stadtrat in Braunschweig oder im Ausschuss für die Handwerkskammer mitgemischt habe, dann war mir ganz wichtig, dass alle die gleichen Aufwandsentschädigungen erhalten. Also der Geselle genau so viel wie wir Unternehmer.“ 


Dieter Kassenbeck kennenlernen

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