Digitale Verwaltung auf Knopfdruck, ein Login für alles – was in Estland Realität ist, weckt in Deutschland Visionen. Sieben Mitarbeitende der VR Bank in Holstein reisten nach Tallinn, um die digitale Zukunft hautnah zu erleben.

„Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit einem einzigen Login alle Ihre Bankgeschäfte, Behördengänge und Telefonverträge erledigen. Einfach, sicher, schnell.“ Was in Estland längst Alltag ist, bleibt in Deutschland noch Zukunftsmusik.
Aber ein Startsignal ist gesetzt: Im November 2024 begaben sich sieben Mitarbeitende unterschiedlichster Abteilungen der VR Bank in Holstein auf eine „Learning Journey Estland“, eine Studienreise in das nordeuropäische Land. Ihr Ziel: Impulse für die digitale Zukunft der Bank holen und den Service für ihre Kundinnen und Kunden weiterentwickeln.
Estland gilt als Europas digitales Vorzeigeland. 99 Prozent der öffentlichen Dienste stehen den Bürgerinnen und Bürgern hier online zur Verfügung – Alltag und Gesellschaft im beruflichen Umfeld sind nahezu komplett digitalisiert.
Das Team der VR Bank wollte erfahren, wie das Land diese digitale Revolution gemeistert hat und welche Lösungen sich auf die deutsche Bankenwelt übertragen lassen. Und so begann die dreitägige Reise nach Tallinn, organisiert und begleitet von Tanja Speck von der Firma Teleskop Effekt aus Mittweida sowie Thomas Schneider von Taylored Cooperation.
Das baltische Land habe den entscheidenden Vorteil, dass alle digitalen Dienste über eine einzige Plattform laufen, erklärt Hans Josef Hemmerlein, Projektmanager bei der VR Bank und Initiator der „Learning Journey“. Ein Login, ein und der Zugriff Passwort auf sämtliche Dienste.
Bereits seit Beginn der 1990er Jahre hat Estland seine Innovation und das Vertrauen der Bevölkerung in digitale Prozesse konsequent gefördert und ausgebaut. „Da stecken wir in Deutschland und in Schleswig-Holstein noch immer in dem einen oder anderen Kinderschuh“, räumt Hemmerlein ein.

Doch Estland setzt nicht nur auf Technik. Auch die persönliche Vernetzung spielt eine zentrale Rolle, um alle Potenziale, Strategien und Innovationen für die Gesellschaft nutzbar zu machen. „Davon durften auch wir profitieren“, betont Stefan Lang, Leiter der Vermögensberatung Privatkunden. „Wir trafen viele interessante Persönlichkeiten aus Politik, Behörden und dem Finanzsektor, die uns wertvolle Impulse, Ideen und Best Practices mitgaben.“
Klaus-Hinrich Vater, estnischer Honorarkonsul und Kieler IT-Unternehmer, unterstreicht die Bedeutung der Digitalisierung für die Zukunft: „Estland ist führend in der Digitalisierung, weil es früh auf eine umfassende digitale Verwaltung, auf digitale Bildung, sichere Identifikationssysteme eine innovationsfreundliche und Politik gesetzt hat. Mit der „e-Residency“, einer digitalen Identität, digitalen Behördendiensten und modernster, hochsicherer IT-Infrastruktur wurde ein Umfeld geschaffen, das Effizienz, Unternehmertum und wirtschaftliches Wachstum fördert.“

Für die VR Bank war die Reise eine Quelle der Inspiration. „Wir haben auch schon vorher digitale Wege beschritten, und jetzt wissen wir, es geht noch viel, viel mehr“, erklärt Carolin Armster, Regionalleiterin für Elmshorn.
Die VR Bank in Holstein möchte sich als Pilotpartner für die sogenannte „x-Road“ positionieren. Diese sichere Datenplattform bündelt künftig verwaltungsrelevante Informationen und ermöglicht den geschützten Austausch zwischen Behörden, Banken und weiteren Institutionen. Ziel ist ein schneller und einfacher Zugang zu digitalen Services – ganz ohne Wartezeiten für Bürgerinnen und Bürger. Die Reise nach Tallinn war also erst der Anfang: Schon jetzt ist eine weitere Delegation geplant, um frische Impulse für die Bank der Zukunft zu sammeln.
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