Eine unternehmerische Investition im Ausland kann für Firmen ein faszinierendes und zugleich vielversprechendes Abenteuer sein. Es eröffnet neue Horizonte, ermöglicht den Zugang zu unerschlossenen Märkten und birgt Chancen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Damit verbunden können Unternehmen eigene Geschäftsideen in einem neuen Umfeld umsetzen.
Zahlreiche Firmen in Nordfriesland haben bereits diesen aussichtsreichen Weg eingeschlagen und vermarkten ihre Produkte europaweit und darüber hinaus. Dabei zeigt es sich, dass das bekannte Gütesiegel Made in Germany immer noch einen hohen Stellenwert hat. Erstmals wurde dieses Qualitätssiegel 1887 eingeführt, um so die Produkte vor billigen Plagiaten zu schützen. Diese zukunftsorientierte Kapitalanlage im Ausland hat aber noch einen weiteren nützlichen Effekt. In Anlehnung an das Gütesiegel kann hier auch von Made in Nordfriesland gesprochen werden. Deutschlands nördlichster Kreis wird dank der zielgerichte Investitionsentscheitendungen vieler Firmen in alle Welt getragen und bekannt.
Betrachtet man die Biographie der Firmen, so begann alles in Nordfriesland. Dazu gehört das Unternehmen Dirkshof in Reußenköge.
Vom Ein-Man-Betrieb zum großen Unternehmen
Im Sönke-Nissen-Koog gründete Dirk Ketelsen den Dirkshof. Aus dem „Ein-Mann-Pionierbetrieb“ erwuchs ein Unternehmen mit mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das auch international tätig ist. „Wir gehören zu den Wegbereitern der Bürgerwindparks“, so der Inhaber und Geschäftsführer Dirk Ketelsen.

Begonnen hatte alles mit dem Windenergie-Projekt in den Reußenkögen. „Von Anfang an war es uns ein Herzensanliegen, ein neues Bewusstsein für die Schonung der Ressourcen zu schaffen und den Kontext zwischen Energie und Natur zu verstehen.“ Dank permanenter Weiterentwicklung der Nutzenoptimierung der Windenergie, gehört das Unternehmen heute zu den anerkanntesten Dienstleistern in der Windbranche.
Inzwischen gibt es auch einige internationale Projekte, in denen das nordfriesische Unternehmen seine Kompetenzen im Bereich Windenergie im europäischen Ausland eingesetzt hat. „Anfänglich waren wir überwiegend in Frankreich tätig“, so Ketelsen. In exponierter Lage wurden mehrere Windparks durch den Dirkshof realisiert. Vor einigen Jahren führte der Weg in die Türkei.
Gut 50 Kilometer nordwestlich von Istanbul installierte der Dirkshof am Schwarzen Meer die erste der folgenden 43 Nordex N133 Turbinen mit je 4,8 Megawatt (MW) Nennleistung und ebnete dem dort ansässigen Betreiber damit den Weg, diesen Windpark zu komplettieren. Im jüngsten internationalen Projekt errichtete der Dirkshof in Estland 15 Anlagen mit insgesamt 68 MW. Seit Februar 2024 sind die Anlagen am Netz.
Auf dieses Projekt ist der Firmeninhaber besonders stolz, da so im hohen Norden Estlands die Energieversorgung ein weiteres Stück auf unabhängige Füße gestellt wurde. Die Stromversorgung aus Russland wird bis Ende des Jahres 2024 eingestellt. Weitere ausländische Projekte sind bereits in der Planung. „Jahrzehnte langes Know How aus den Reußenkögen wird so über die Grenzen hinaus transportiert“, so Dirk Ketelsen.
Weiter hat das Unternehmen durch die nationalen Repowerings ein beachtliches Altanlagengeschäft aufgebaut. Von hier werden die noch gut erhaltenen abgebauten Anlagen in alle Welt verfrachtet, teils per Schiff oder auf der Straße. So hat eine Altanlage aus den Reußenkögen ein zweites Leben als Floating Projekt an der spanischen Küste vor Bilbao bekommen.


Nissen Elektrobau begann 1914 in Nordfriesland
Auch der Wertegang des Unternehmens Adolf Nissen Elektrobau GmbH & Co. KG. begann 1914 ebenfalls in Nordfriesland, in Tönning. Heute zählt es mit seinen gut 280 Mitarbeitenden und drei firmeneigenen Fertigungshallen am Hauptsitz zu den größten Betrieben in Nordfriesland. Das unternehmerische Engagement hat dazu geführt, dass die Tönninger Firma weltweit zu den führenden Herstellern von Lösungen für die mobile Verkehrssicherheit zählt.
Bereits in den 1950er Jahren erkannte der Firmengründer die Chancen, die der aufkommende Massenverkehr mit sich brachte. Wo auch immer Straßen repariert, saniert oder erweitert werden, sorgen die Produkte von Nissen dafür, dass der Verkehr sicher und effizient an Gefahrenstellen vorbeigeleitet wird. Alle, die sich im Straßenverkehr bewegen, kennen sie die einfachen Warnleuchten, Leitbaken Absturzsicherungen und - über mobile Vorwarn- und Absperrsysteme bis hin zu komplexen LED-Verkehrslenkungssystemen. Nahezu alles wird in Nordfriesland, gefertigt und national durch ein eigenes Vertriebsnetz vertrieben.
Diese einzigartige Geschäftsidee setzte sich sehr schnell in Deutschland durch. Das Unternehmen erkannte aber auch die bisher unerschlossenen Märkte weltweit und nutzte diese Chance. Heute betreibt das Tönninger Werk Tochterfirmen in Großbritannien, Polen, Spanien, Österreich und der Schweiz sowie Vertriebspartner in vielen anderen Ländern rund um den Globus.

ftcap ist einer der größten Arbeitgeber Husums
Individuell handgefertigte Kondensatoren der ftcap GmbH gehen ebenfalls aus Nordfriesland in die ganze Welt. Versteckt im Industriegebiet befindet sich die ftcap GmbH, einer der größten Husums. Arbeitgeber Über180 Mitarbeiter sorgen hier täglich dafür, dass Kondensatoren - made in Husum- in die ganze Welt gelangen. Dabei gehört ftcap GmbH zu den letzten Hersteller, die ihre Produkte ausschließlich in Deutschland entwickeln und fertigen. Die Kondensatoren, die in ihrer Größe zwischen einem Fingernagel und einer Wasserflasche variieren, finden in verschiedensten Branchen Verwendung.
Kondensatoren verstecken sich in vielen alltäglichen Produkten
So zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien, der Medizintechnik und der Flugtechnik sowie im Automobilbereich und auf dem Gebiet der Bahnanwendungen. Kondensatoren verstecken sich aber auch als Bauteil in vielen alltäglichen Produkten und sorgen hier für eine stabile Stromversorgung durch Vermeidung von Spannungsschwankungen.
Die ftcap GmbH besteht seit mehr als 75 Jahren. In dieser Zeit wuchs das ehemals kleine Familienunternehmen zu einem mittelständischen Betrieb heran, der 2018 von der französischen Mersen-Gruppe übernommen wurde, einem international tätigen Konzern, spezialisiert auf die Entwicklung hochwertiger Materialien für die Hightech-Industrie. Nicht selten begrüßt das Husumer Unternehmen daher weltweit beschäftigte Kollegen.


Ausbildung von Nachwuchskräften im Fokus
Auch Kunden und Lieferanten aus verschiedenen Ländern kommen für internationale Projekte an die Nordsee. Auf diesem Weg erreichen die Kondensatoren Made in Nordfriesland den gesamten Globus. 2025 steht für die ftcap GmbH vor allem die Ausbildung von Nachwuchskräften im Fokus. Insbesondere sollen Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet werden.
Der Ausbau des Unternehmens hat für den französischen Mutterkonzern Mersen eine hohe Priorität. Hier-für wurden in den letzten Jahren die Nachbargrundstücke erworben, um die Produktionskapazität auszuweiten. Denn auch in Zukunft spielen Kondensatoren eine immer wichtigere Rolle. Es wird kein Elektrofahrzeug, keine Windturbine und keine Solaranlage geben ohne Kondensatoren. hjm