Treppensteigen statt Aufzugfahren, der tägliche Spaziergang oder ein regelmäßiges Bewegungsprogramm: Schon kleine Veränderungen im Alltag können positive Auswirkungen auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel haben. Wissenschaftliche Studien belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.
„Was nicht gebraucht wird, verkümmert. Letztlich nicht nur die Muskeln, sondern auch das Herz- und Gefäßsystem“, erklärt Andreas Fründ, Physiotherapeut und langjähriger Leiter der Arbeitsgemeinschaft Herz-Kreislauf von Physio Deutschland. „Wir haben uns angewöhnt, im Alltag Bewegung zu sparen. Dabei können oft schon einfache Entscheidungen wie Treppe statt Fahrstuhl oder Fahrrad statt Auto einen Unterschied machen.“ Besonders tückisch sei, dass wichtige Risikofaktoren häufig lange unbemerkt bleiben. „Schwierig sind die stummen oder falsch interpretierten Signale“, sagt Andreas Fründ. „Bluthochdruck oder ein nicht optimal eingestellter Typ-2-Diabetes werden oft unterschätzt, obwohl sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen können.“
Fachgesellschaften empfehlen für Erwachsene mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche in moderater Intensität. Dabei kommt es nicht auf sportliche Höchstleistungen an, sondern auf Regelmäßigkeit. Besonders wirksam ist die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Geeignet sind beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen, ergänzt durch einfache Übungen zur Kräftigung großer Muskelgruppen. „Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation empfiehlt fünfmal pro Woche 30 bis 45 Minuten moderaten Sport. Ich nenne das 'laufen ohne zu schnaufen‘“, erklärt Andreas Fründ. „Was dabei manchmal vergessen wird, ist das Krafttraining. Auch das sollte nicht vernachlässigt werden.“
Physiotherapeuten unterstützen Menschen dabei, einen individuell passenden Weg zu mehr Bewegung zu finden. Ihr Ziel ist es, Menschen zu befähigen, dauerhaft körperlich aktiv zu sein - unabhängig davon, ob sie präventiv etwas für ihre Gesundheit tun möchten oder bereits Risikofaktoren mitbringen. „Die Physiotherapie unterstützt Menschen hin zur Aktivität. Wir sind die Bewegungsspezialisten. Wir erarbeiten Wege weg von der Therapie auf der Behandlungsbank hin zur Aktivierung“, betont Andreas Fründ. „Gerade Menschen, die lange keinen Sport getrieben haben, profitieren von einer professionellen Begleitung und einem schrittweisen Einstieg.“
Anlässlich des Welt-Physiotherapie-Tags ruft Physio Deutschland dazu auf, Bewegung als festen Bestandteil des Alltags zu verstehen. Denn Herzgesundheit beginnt nicht erst in der Rehabilitation, sondern mit regelmäßiger Aktivität im täglichen Leben. msl