Wenn Matthias Schlechter im Foyer des Pinneberger Rathauses am Klavier sitzt und improvisiert, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass das SummerJazz-Festival vor der Tür steht. So lud Ralph Kricke, Vorsitzender des Fördervereins, kürzlich ein, um über das Programm für die 29. Auflage des Events zu berichten. Zu den Sponsoren gehören unter anderem das Pinneberger Tageblatt und die Sparkasse Südholstein.
325 Bewerber für SummerJazz
Das diesjährige SummerJazz-Festival steht unter dem Motto „150 Jahre Stadt Pinneberg“. Vom 7. bis zum 10. August werden auf vier Bühnen auf dem Drosteiplatz, dem Lindenplatz, an der Bahnhofstraße und am Rübekamp - an vier Tagen insgesamt 35 Konzerte veranstaltet, Open Air und mit freiem Eintritt für die Besucher.„Zahlreiche Künstler und Ensembles folgen dem Aufruf, das Jubiläum der Stadt, das Symbol der Rose oder geschichtliche Bezüge in ihre Auftritte kreativ zu integrieren. Was dabei herauskommt, bleibt - ganz im Sinne des Festivals eine freudige Überraschung“, sagt Kricke. 325 Bewerber habe es gegeben, aber nur ein Bruchteil davon erhielt eine Zusage.

Besonders stolz sei der Förderverein, dass in diesem Jahr das BundesJazz Orchester (BuJazzO) auf dem Festival spielt. Mit ihrem Programm „Irgendwo auf der Welt...“, das sich mit der Verfolgung von Musikschaffenden in der NS-Zeit beschäftigt, seien sie eine ideale Ergänzung zum diesjährigen Festivalprogramm.
„Das BuJazzO ist die Nationalmannschaft des Jazz. Viele Solostars der Szene begannen ihre Karriere in diesem hochkarätigen Ensemble“, sagt Kricke, der nicht weiß, wie er dies nächstes Jahr noch toppen kann.
Die britische Band Matt Bianco, die in den 1980er-Jahren viele Erfolge verbuchen konnte, hätte Kricke dieses Jahr gern eingeladen. „Sie haben ein neues Album herausgebracht. Aber die Band ist zu teuer.“ Und auch Gitte sei im Gespräch gewesen, doch die trete nicht auf Stadtfesten auf. Kricke habe ihren Manager nicht davon überzeugen können, dass das SummerJazz-Festival eben kein Stadtfest ist.
Doch auch darüber hinaus präsentiert das Festival ein abwechslungsreiches Programm: Die Kabinet Mirage Band kombiniert Jazz mit Zirkus-Performance, Sixty-Five Cadillac, ein elfköpfiges Ensemble mit Musikern aus fünf Nationen, bringt energiegeladenen Soul, Ina Karian et Parisla nuit entführen mit französischsprachiger Weltmusik, und Goldmeister begeistern mit einer einzigartigen Mischung aus Hip-Hop-Hits im Stil der 1920er-Jahre. Sie haben das SummerJazz-Publikum schon einmal begeistert.

In diesem Jahr heißt das Motto 150 Jahre Stadt Pinneberg“. Passend zu dem feierlichen Anlass hat der Festival-Pin diesmal die Form einer Fanfare, die mit einer Rose geschmückt ist. Die Rose spielte eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte.
Ein fester Bestandteil des Festivals ist die beliebte Blues & Boogie Night, moderiert vom Boogie-Pianisten Matthias Schlechter. Mit dabei sind langjährige Weggefährten wie Schroeter, Breitfelder und Röttger - und als besondere Gäste die von Axel Zwingenberger geförderten Boogie Woogie Twins, zwei junge Talente am Piano. Sie kommen aus Hamburg/Harburg. Und auch Ralph Kricke wird auf der Bühne stehen und spielen.
Der große Abschlussabend, die Festival Night, steht ganz im Zeichen des Stadtjubiläums: Unter dem Motto „50 Jahre Stadt Pinneberg“ treffen Musiker des BundesJazz-Orchesters auf das Oli Poppe Trio, die Pinneberger Sängerin Klara Schwabe, die Jugend-Jazz-Preisträgerin Marla Stier und viele weitere Künstler aus dem SummerJazz-Umfeld.
Zirkusdarbietungen am Sonntag
Als besonderes Highlight für die ganze Familie empfiehlt Kricke am Sonntagnachmittag die Kabinet Mirage Band, die neben erstklassiger Musik auch Zirkusdarbietungen präsentiert.
DJ legt Vinyl-Platten in der Chill-Out-Zone auf
Eine neue Attraktion ist die Chill-Out-Zone vor dem Rathaus. Dort legt der DJ Julian Mzuzu Romeike, Musikliebhaber und Schallplattensammler, aber auch Musiker und Produzent, Jazz-Vinyl-Platten auf. Auch das Landtagsmobil Schleswig-Holsteins wird dort vertreten sein und lädt zum Austausch ein. „Landtagsabgeordnete erklären, wie Demokratie funktioniert“, sagt Kricke. Zudem ist der Kreis-Kultur-Kiosk vor Ort.
Ein wichtiger Beitrag zur Festivalfinanzierung ist der jährlich gestaltete Pin. Entworfen wurde er erneut vom Grafiker Christian Koch. Er kostet 13 Euro. Der Preis habe auch wegen des Sicherheitskonzepts erhöht werden müssen, betont Kricke.
Bürgermeister dankt freiwilligen Helfern
Dafür würden die Bands immer hochwertiger, sagt Bürgermeister Thomas Voerste (parteilos): „Es ist ein großartiges Fest, weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins bekannt.“ Hinter all dem stehe das unermüdliche Engagement des Fördervereins und zahlreicher Freiwilliger, die das Festival erst möglich machen würden. Ihnen dankte Voerste ebenfalls.
René Erdbrügger