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Steffen Hoyer aus Elmshorn : „Es gibt keine Sackgassen“

Ist erst einmal das Abschlusszeugnis in der Tasche, stehen jungen Menschen viele Wege offen. Foto: stock.adobe.com/Pixel-Shot

Berufsberater erklärt, wie Jugendliche früh Orientierung finden, typische Fehler bei Bewerbungen vermeiden und warum Ausbildung keine Sackgasse ist – mit Tipps zu Fristen, Praktika und Beratung

Wie geht es für mich nach dem Schulabschluss weiter? Welcher Beruf passt zu mir? Fragen, die sich gar nicht so einfach beantworten lassen. Hilfe bekommen junge Menschen aus dem Kreis Pinneberg bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Wie diese funktioniert? Unsere Redakteurin Julia Voigt hat mit Berufsberater Steffen Hoyer (Foto kl) gesprochen.

Foto: Voigt
Foto: Voigt

Herr Hoyer, wie sieht Berufsberatung an Schulen im Kreis konkret aus?
Wir sind seit 2019 noch häufiger an den Schulen vor Ort und bieten frühzeitig die Berufsberatung an. An Gemeinschaftsschulen nehmen wir ab Klasse 8 erste Kontakte auf, Gymnasien meistens ab Klasse Wir lernen die Jugendlichen im Klassenverband kennen, arbeiten in kleineren Gruppen und führen Einzelgespräche. Wir begleiten Unterricht, führen auch selbst Unterrichtseinheiten durch und bieten Veranstaltungen zur Berufsorientierung an. Unser Ziel ist, nach und nach jede einzelnen Schüler einmal persönlich zu sprechen, damit dieser ganz eigene Themen anbringen kann.

Warum fangen Sie schon in Klasse 8 an – ist das nicht sehr früh?
Wir möchten das Thema früh „anbohren“. Viele setzen stark auf möglichst hohe Schulabschlüsse – das ist auch verständlich. Gleichzeitig denken wir, dass für viele der Weg in eine Ausbildung ein guter Weg sein kann. Dafür wollen wir sensibilisieren und frühzeitig die Perspektiven aufzeigen.

Wie funktioniert das Angebot an den Schulen, braucht man Termine oder kann man einfach vorbeikommen?
Es ist ja ein freiwilliges, niedrigschwelliges Angebot. Alle Berufsberaterinnen und Berufsberater haben feste Zeiten an den Schulen, sind gut erreichbar und ansprechbar. Schülerinnen und Schüler können einfach kommen, dann schauen wir, wann ein Beratungstermin ist, für kurze Gespräche ist häufig auch sofort Zeit. Gespräche können nach Absprache auch während der Schulzeit stattfinden, dabei achten wir natürlich darauf, dass Unterricht und Prüfungsphasen nicht unnötig beeinträchtigt werden.

Unternehmen aus der Region

Welche Fragen tauchen bei Jugendlichen immer wieder auf?
Ganz häufig die Sorge, eine Ausbildung sei eine Sackgasse – und dass man sich jetzt für etwas entscheiden müsse, das man „bis 70“ nicht mehr ändern kann. Dabei gibt es diese geradlinigen Lebensläufe immer weniger, Berufe wandeln sich stark, und das Bildungssystem ist heute so durchlässig, dass in beide Richtungen vieles möglich ist: Gelernte können später auch studieren, Abiturienten können bewusst eine Ausbildung machen und den betrieblichen Weg wählen. Wir versuchen zu zeigen: Es gibt keine Sackgassen.

Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps für Jugendliche, die noch gar keine Idee haben, wie es nach der Schule weitergeht?
Erstens: Praktika ernst nehmen – vorbereiten und idealerweise nachbereiten, damit man wirklich etwas daraus mitnimmt. Zweitens: offenbleiben und nicht nur Modeberufen hinterherlaufen – lieber schauen, was zur eigenen passt. Drittens: Angebote nutzen – ansprechbar sein, nachfragen, Beratung wahrnehmen, Lehrkräfte und Berufsberatung aktiv ansprechen. Und als Tool kann unser Online-Test “Check-U“ helfen.

Was sind typische Fehler bei der Ausbildungs- oder Arbeitsplatzsuche?
Ein Klassiker sind verpasste Fristen, besonders im öffentlichen Dienst oder bei großen Unternehmen, wo Auswahlverfahren länger dauern. Außerdem unterschätzen viele den Aufwand für Bewerbungsunterlagen: Gute Unterlagen entstehen nicht „mal eben an einem Tag“. Wir bieten Unterstützung an und schauen Bewerbungen gern gemeinsam durch – inhaltlich wie auch beim Layout, etwa über einen Bewerbungsmappencheck in unserem BIZ (Berufsinformationszentrum).

Welche Berufe sind bei Jugendlichen besonders beliebt und welche eher nicht? Häufig genannt werden Immobilienkauffrau/-mann und überraschend oft auch Automobilkauffrau/-mann. Auch der Kfz-Mechatroniker/-in taucht immer wieder auf – oft aber ohne klares Bild davon, was der Beruf genau umfasst und welche Alternativen es in mechanischen oder elektronischen Berufen gibt. Schwerer zu besetzen sind leider viele Handwerksberufe, außerdem Pflege und auch Landwirtschaft. In der Gastronomie spielt oft das Thema Arbeitsbedingungen eine Rolle. Im Einzelhandel ist das Interesse zwar hoch, aber im Lebensmittelbereich wird es häufig schwieriger.

Sie arbeiten auch im Netzwerk der Jugendberufsagentur, was bedeutet das konkret? Wir sind Teil dieses Netzwerks und nutzen es, wenn Jugendliche nicht nur berufliche, sondern auch soziale Herausforderungen haben – etwa familiäre Probleme oder andere Belastungen. Dazu gehören Kooperationen mit Jugendamt, Jobcenter, Kreis und beruflichen Schulen, um passende Unterstützung zu organisieren.

Gibt es etwas, das Ihnen besonders wichtig ist?
Jugendliche Der Übergang von der Schule zum Beruf sollte in den Familien regelmäßig Thema sein: am Küchentisch, beim Abendbrot. Jugendliche brauchen dabei Unterstützung. Und: Scheitern kündigt sich oft an. Wenn man im Gespräch bleibt, kann man früher gegensteuern und Nachhilfe organisieren, Alternativen planen oder rechtzeitig zu uns in die Berufsberatung kommen.
Interview: Julia Voigt


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