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Erntedankfest in Waldenau: Begegnungen im Dorf für alle

Prunkvoll geschmückte Themenwagen sind Teil des Festumzugs in Waldenau. Archivfoto: Bastian Fröhlig

Volker Brammer und Jürgen Hilbers erwarten zum Umzug über 50 Gruppen, historische Fahrzeuge, Kutschen sowie Themenwagen mit hunderten Helfern.

Wenn am Erntedanksonntag, 4. Oktober, der Festzug durch Waldenau zieht, kommt er nicht besonders schnell voran. Mal wartet vor einem Vorgarten eine „Tankstelle“ mit Kuchen, Schnittchen oder Getränken, mal bleibt jemand für einen Schnack stehen. Dann ruft der Zugführer: „Der Zug stoppt schon wieder!“ Vier Kilometer können so drei bis vier Stunden dauern. Volker Brammer lacht. Für ihn ist genau das „das pure Leben“.

Brammer weiß, wovon er spricht. Der Vorsitzende des Bürgervereins Waldenau-Datum ist hier geboren und aufgewachsen. Schon Großeltern, Eltern, Onkel und Tante feierten Erntedank. Seit 1985 ist er aktiv dabei, ab 1986 organisierte er 21 Jahre die damalige Bacchus-Gruppe, ab 2008 das Erntedankfest. Wenn am ersten Oktober-Wochenende zum 79. Mal gefeiert wird, kennt Brammer jeden Handgriff. Welche Dekoration auf welchen Tisch gehört? Wo muss was stehen? Er braucht keine Liste. „Die Checkliste hat er im Kopf“, bestätigt der Ehrenvorsitzende des veranstaltenden Bürgervereins Waldenau-Datum, Jürgen Hilbers, schmunzelnd.

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50 Gruppen und 250 helfende Hände

Dabei ist das Fest längst eine logistische Großaufgabe. Mehr als 50 Gruppen werden erwartet, darunter liebevoll geschmückte Themenwagen, historische Fahrzeuge und Kutschen. Mehr als 250 helfende Hände sorgen dafür, dass alles funktioniert. Manche nehmen sich sogar Urlaub. Allein beim Zeltaufbau packen 35 bis 40 Menschen mit an. Für Brammer ist dieses gewaltige Ehrenamt trotzdem „ein schönes Hobby“.

Auch das Fest hat sich verändert. Als Brammer jung war, lebten rund 3200 Menschen in Waldenau, heute sind es etwa 5500. Aus einem auf einzelne Plätze verteilten Fest wurde eine Veranstaltung, bei der Familien und Generationen zusammenkommen. Brammer verlegte vieles an den Jappopweg – auch damit diejenigen, die tagelang vorbereiten und aufbauen, selbst mitfeiern können.

Wie besonders diese Tradition ist, hat Hilbers mit dem Blick eines Zugezogenen erlebt. Der gebürtige Münsteraner sah den Waldenauer Erntedank 1985 zum ersten Mal.

„Man merkte sofort: Das ist Bestandteil des Lebens.“ Heute erlebt er Menschen vom Kleinkind bis weit über 80 Jahre, die dazugehören. Aus dem Dorffest ist längst ein Ereignis geworden, das weit über Pinneberg hinaus bekannt ist.

Vorsitzender Volker Brammer (links) und Ehrenvorsitzender Jürgen Hilbers prägen das Waldenauer Erntedankfest seit Jahrzehnten mit viel Herzblut. Foto: Natascha Thölen
Vorsitzender Volker Brammer (links) und Ehrenvorsitzender Jürgen Hilbers prägen das Waldenauer Erntedankfest seit Jahrzehnten mit viel Herzblut. Foto: Natascha Thölen

Das Dorf wird Teil des Festumzugs

Und trotzdem liegt das Herz des Erntedanks mitten in den Wohnstraßen. Dort stellen Anwohner Bänke und Tische in ihre Vorgärten, laden 15 oder 20 Freunde ein und warten auf den Festzug. Ehemalige Waldenauer kommen extra für das Wochenende zurück. Anders als bei den rheinländischen Karnevalsumzügen, sagen Brammer und Hilbers, ziehe hier nicht einfach ein Zug am Publikum vorbei. Hier kommen Menschen ins Gespräch. Der Umzug wird Teil des Dorfes und das Dorf Teil des Umzugs.

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„Wir sind mit dem Ort gewachsen“, sagt Brammer. Für ihn gehört dazu, etwas weiterzugeben: Seine Familie habe sich über Generationen eingebracht, heute tut er es selbst. Gleichzeitig steht der Generationenwechsel vor der Tür. Neue Veranstaltungen sind entstanden, junge Familien bringen sich ein und beim Fest laufen erstmals die fünfbis zehnjährigen „Mini-Melker“ mit.

Dass dahinter viel Teamarbeit steckt, ist beiden wichSportvereine, tig. Kirche, Schule, Kita und viele weitere Helfer tragen das Fest gemeinsam. Trotz der Nähe zu Hamburg habe sich Waldenau diese Gemeinschaft bewahrt, sagt Hilbers. Und wenn nach all den Vorbereitungen die ersten Wagen rollen? Dann ist für Brammer der Stress vergessen. Im kommenden Jahr wartet schon die nächste Zahl: 80 Jahre Erntedankfest Waldenau. Und dafür, da sind sich die Organisatoren sicher, soll noch einmal eine Schippe draufgelegt werden.

Natascha Thölen


Überblick

Programm und mehr

Samstag, 3. Oktober 2026
Ab 20 Uhr: Tanz in das Erntedankfest (ab 18 Jahren) mit DJ Mandrake im Festzelt, Jappopweg 53. Eintritt: 15 Euro.

Sonntag, 4. Oktober
10 bis 11 Uhr: Festgottesdienst mit Posaunenchor und Kindergottesdienst in der Kreuzkirche, Schenefelder Landstraße 74.

11 Uhr: Eröffnung des Festplatzes am Jappopweg mit Familienprogramm.
Etwa 12.15 Uhr: Übergabe der Erntekrone vor der Kreuzkirche an den Festumzug.
Etwa 13 Uhr: Start des Erntedank-Festumzugs.
Etwa 14 Uhr: Live-Musik rund um das Festzelt mit den fränkischen Straßenmusikanten „Hie un Hah“.
16 Uhr: Ankunft des Festumzugs auf dem Festplatz.
Ab 18 Uhr: Tanz unter der Erntekrone im Festzelt mit DJ Mandrake (Eintritt frei).

Straßensperrung wegen des Festumzugs: Der Jappopweg ist am Sonntag, 4. Oktober, ab 8 Uhr für den gesamten Autoverkehr (auch für Anlieger) gesperrt. Parkmöglichkeiten sind ausgeschildert.


Liebe Leser und Leserinnen!

Spüren Sie es auch? Der nahende Oktober hüllt unsere Region so langsam in warme Goldtöne, und somit ist es auch Zeit, dass über Waldenau wieder dieser ganz besondere Zauber liegt, den man schwer beschreiben, aber umso deutlicher fühlen kann. Das Erntedankfest in dem Pinneberger Ortsteil steht an – ein Fest, das weit über die Grenzen des Kreisgebiets bekannt ist und seit Jahrzehnten Groß und Klein verzaubert.

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Wenn am 4. Oktober der Festzug durch Waldenau zieht, ist Eile ein Fremdwort. Und genau das ist das Geheimnis. Es geht um Begegnungen, in der Kirche, am Straßenrand, auf dem Festplatz oder auf der Tanzfläche. Und dafür ist das ganze Dorf involviert. Vom Kleinkind bis zum Senioren packen alle an.

Doch Erntedank ist weit mehr als bunte Themenwagen und geselliges Treiben. Wie Pastorin Friederike Harbordt im Interview betont, ist das Fest auch eine Einladung, Bilanz zu ziehen. In Zeiten von Konsumüberfluss und Hektik setze Erntedank einen wohltuenden Impuls für Achtsamkeit, Demut und Wertschätzung gegenüber der Natur und unseren Mitmenschen.

Herzlichst, Kai Lehn


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