Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden
Präsentiert von

Seniorengeschichten: Ein Dank an die Pflegekräfte

Ausländische Pflegekräfte sind für die Krankenhäuser unverzichtbar. Foto: Oliver Dietze/dpa

Nach monatelanger Krankheit bin ich überzeugt: Ohne ausländische Kräfte wäre das FEK aufgeschmissen

Erstaunlich, es ist kaum zu glauben, ich lebe noch! Eine Odyssee über fünf Monate im hiesigen Krankenhaus führte über eine geplante Rückenoperation zu einem langen Krankenhausaufenthalt, der mehrfach zu lebensbedrohenden Situationen führte. Mit anderen Worten, ich bin mindestens dreimal noch gerade eben von der Schippe gesprungen und habe damit eine ersthafte Erkrankung knapp überlebt. Feststellen kann ich nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus, dass mein Rücken ausgeheilt und schmerzfrei ist. Außerdem wurden meine undichten Herzklappen mit einem Clip verschlossen, was zu einem erheblichen körperlichen Wasser und damit auch Gewichtsverlust führte.

Holger Hammerich (81)
Holger Hammerich (81)

Trotz meiner ständigen Ungeduld und meiner erheblichen Pflegebedürftigkeit habe ich mit Hilfe der Ärzte und Pflegekräfte mir meinen Lebenswillen, der mir zeitweilig abhandengekommen war, erhalten können. Ja, und dann musste ich feststellen, ohne die zusätzlichen Pflegekräfte mit nicht deutscher Herkunft oder Abstammung wäre unser Krankenhaus nur bedingt einsatzbereit! Als Laie schätze ich mal, dass ein doch nicht unerheblicher Teil der Behandlungen müsste. Wie unsinnig entsprechende ausfallen Forderungen nach Ausweisung sind, lässt sich daran erkennen. Wir sind Menschen, lasst uns unsere liberale Einstellung nicht nur zu unserem Wohlergehen erhalten.


Das Stadtkind lernt Platt

Ich lernte Platt mit neun Jahren, als ich wegen der zunehmenden Bombenabwürfe in Neumünster zu meiner Omi „evakuiert“ wurde, einem kleinen Ort mit 4000 Einwohnern. Dort betrieb sie das Geschäft „Gold- und Silberwaren“. Nebenan stand ein Bauernhof. Das Wichtigste für mich aber waren die beiden Jungs zum Spielen. Natürlich vergnügten wir uns mit Kippel-Kappel, Messersteck oder Springtau. Aber die Sprache! Die anderen Kinder schnackten bloẞ Platt. Und ihre hämischen Bemerkungen über mich habe ich heute noch im Ohr:„De doofe Stadtdeern! De kann jo nicht mol richtich Platt snacken.“ Rasch lernte ich es, natürlich immer bestrebt, meinen Sprachschatz zu erweitern.

Unternehmen aus der Region
Elke Burghard (89)
Elke Burghard (89)

So fragte ich einmal den drei Jahre älteren Hans: „Du, vertell mi doch mol den Ünnerschied von Ossen und Bullen.“ Er lachte mich aus; aber dann erklärte er es mir: „Tscha, dat is so: De een is kastreert und de annere nich.“ Ich fragte weiter: „Und wat schall dat heten?“ Er feixte und antwortete: „Muss mol diene Oma frogen!“ Fix krabbelte ich unter unseren Zaun durch nach drüben, wo Oma im Laden mit einer Kundin stand. Voller Stolz auf mein gutes Platt rief ich schon in der Tür: „Oma, Hans hätt seggt, ich schall di frogen, wat dat bedüden deit: De Oss ist kastreert und de Bull nich. Du weest dat.“ Statt einer Antwort brüllte meine sonst so überaus liebe Omi: „Sowas fragt ein anständiges Kind nicht! Mach, dass Du rauskommst!“


Von der Schlange im Hotelzimmer und eigenartigem Stöhnen

Auf meinem beruflichen Reisen habe ich viel Kurioses erlebt

Erinnerungen an Hotelaufenthalte verbindet man gedanklich vielleicht mit Urlaub oder, wie ich, beruflicher Tätigkeit. Der Ausstattungskomfort der Zimmer hatte sich in den 31 Jahren erfreulicherweise kontinuierlich verbessert. Spartanische „Leidenskammern“ mit einem Waschbecken an der Wand und Toilette über den Flur, blieben mir erspart. Wobei das Waschbecken scherzhaft auch als „Vertreter-Klo“ bezeichnet wurde. Man vermutete, dass nächtlich so manchem Gast mit „schwacher Blase“ der Weg zur Gemeinschafts-Toilette, bei der die „Brille“ angeblich nie kalt wurde, zu lang erschien. Daran durfte man bei der „Morgen-Toilette“ möglichst nicht denken.

Ganz besonders gut kann ich mich an eine vermeintlich schlafende Schlange hinter der Tür meines Nachttischs in einem Hotel in Flughafennähe erinnern. Ein herbeigerufener Hotelmitarbeiter versuchte, sie mit einem Stock zu wecken, stellte dabei aber fest, dass es sich nur um eine täuschend ähnliche Imitation handelte. Einem Brautpaar auf Hochzeitsreise hatte man in der vorherigen Nacht wohl einen Streich spielen wollen.

Schaum-Orgie durch Seife im Whirlpool

Von einer slapstickartigen Szene berichtete ein Zimmernachbar auf dem Hotelflur. Sein Bad wurde gerade trockengelegt. Unsere Bäder waren mit einem Whirlpool ausgestattet. Er hatte der Dusche die Seifenflasche entnommen, den Inhalt in den Pool gegossen und Wasser eingelassen. Tief entspannt, das warme Wasser bis zum Hals, wurde neugierig der „Sprudelknopf“ gedrückt, worauf sich sehr schnell blubbernd Schaum bis weit über seinen Kopf auftürmte. Nur mit Glück konnte er den Knopf zum Abschalten ertasten.

Anderes erzählte mir ein Kollege. Er hatte sich nach einer Feier, nicht ganz nüchtern, in sein Hotelbett gelegt, ohne ein „schokoladiges Betthupferl“ zu bemerken. Am Morgen wunderte er sich über „eigenartige“ braune Flecke am Schlafanzug, auf der Bettdecke und dem Laken. Von einem Problem ganz anderer Art berichtete ein anderer Kollege. Bereits schläfrig hatte er über die Fernbedienung vermeintlich den Fernseher abgeschaltet. Wurde aber wenig später durch ein eigenartiges Stöhnen geweckt. Er hatte versehentlich einen Erotikfilm im Pay-TV aktiviert und sollte dann bei Abreise dafür zahlen.

Wolfgang Rink (76)
Wolfgang Rink (76)

Nichts ist unmöglich. Davon konnte sich ein weiterer Kollege überzeugen. Er hatte sich zur Durchführung von Seminaren in einem Hotel für längere Zeit eingemietet. Seine Ehefrau besuchte ihn übers Wochenende. Gemeinsam übernachteten sie in seinem Doppelzimmer, als weit nach Mitternacht beide aus dem Tiefschlaf aufschreckten. Der Hotelier höchstpersönlich stand plötzlich mitten im Zimmer. Angetrunken und leicht wankend. Er hatte mit seinem Generalschlüssel die Türen verwechselt. Er wollte ins Bett, und seine Hose war bereits unten.


Als ich den ersten Karpfen fing

Wenn der Angeltag auch Fangtag wird

Mit elf Jahren hat Hermann Kramer seinen ersten Karpfen gefangen. Foto: privat
Mit elf Jahren hat Hermann Kramer seinen ersten Karpfen gefangen. Foto: privat

Es ist das Jahr 1958. Ich bin elf Jahre. Es ist wieder Angeltag und wenn ich Glück habe, auch Fangtag. In den frühen Morgenstunden treffen sich die Petrijünger, jung und alt, am Burgbergsee in Wildeshausen (Kreis Oldenburg Land). In aller Ruhe werden die Ruten vorbereitet und der Köder schwungvoll ausgeworfen.

Hermann Kramer (77)
Hermann Kramer (77)

Und dann warten wir geduldig auf die - ach so großen - – Karpfen. Es dauert und dauert, und dann endlich wackelt die Pose und zieht langsam von dannen. Ein kurzer Anschlag und schon zappelt mein erster Karpfen an der Angel. Mein Nachbar hält den Kescher, und ich ziehe den Fisch ins Netz. Mit Hilfe eines Angelkameraden befreie ich den Karpfen von seinen Haken und töte ihn fachgerecht, ohne ihn zu quälen. Stolz trage ich den Karpfen nach Haus, und meine Mutter bereiet ihn köstlich in der Pfanne zu. Schließlich genießen wir ihn mit der ganzen Familie mit Kartoffeln und Buttersoẞe.


Meine Favoriten:
Alle Orte: