"Mach sofort das Fernsehen an! Es ist etwas Schreckliches passiert! Tschernobyl!“, hörte ich die aufgeregte Stimme meiner Freundin. Wir lebten damals in Kasachstan, ich war dort Ärztin. Tschernobyl? Noch nie gehört. Aber bald wird schon die ganze Welt über Tschernobyl reden. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986, als bei einem planmäßigen Test der Reaktorkern explodierte, wodurch es zu einer erheblichen Freisetzung von radioaktiven Stoffen in die Umwelt kam.
Aber damals im Fernsehen wurde uns von einem Störfall erzählt und dass alles unter Kontrolle sei. Es wurde wie immer gelogen. Es war viel versäumt worden, keiner war auf so eine Tragödie vorbereitet.
Die sowjetische Regierung versuchte irgendwann, alles wieder gut zu machen, und so wurden die Ämter und Behörden um bestmögliche Versorgung für evakuierte Menschen aus Tschernobyl angewiesen. Ich kann natürlich nur über unser Krankenhaus erzählen, wo ich damals gearbeitet habe. Es war eine kleine Versammlung, der Chefarzt sagte: „Kollegen, ab heute werden wir auch Patienten aus Tschernobyl bekommen. Die Versorgung diesen Patienten hat Priorität.“ Unser Chefarzt, der äußerst geizig war, sprach sogar, ständig seufzend und mit rotem Gesicht, von kostspieligen Untersuchungen und Medikamenten. Uns wurden zusätzliche Mittel und Gelder versprochen. Und obwohl meistens alles nur leere Versprechungen waren, haben wir tatsächlich hart um diese Menschen gekämpft.
Meine erste Patientin aus Tschernobyl war eine junge Lehrerin, die Krebs hatte. Ich benutzte alle meine persönlichen Beziehungen zu Kollegen aus anderen Krankenhäusern, um vollständige Untersuchungen und eine moderne Therapie zu sichern. Die Frau war stark, sie jammerte nicht, obwohl sie ihren Mann, Haus, Arbeit, Heimat und Gesundheit verloren hatte. Ihr wurde später erzählt, dass ihr Mann, ein Hubschrauberpilot, und sei Kameraden pausenlos ne Sand auf das kaputte Dach vom Reaktor transportiert hatten. Der einzige Schutz vor der tödlichen Strahlung war eine eiserne Plane unter den Füßen. Keiner hat überlebt, und alle zusammen sind wegen der Strahlung in Bleisärgen sehr tief unter der Erde begraben.

Nach dem Unfall wurden ganze Dörfer in Gruben versenkt und zugeschüttet. Diese 30-Kilometer-Zone um Tschernobyl ist für tausende Jahre nicht mehr zu bewohnen. Insgesamt 150.000 Quadratkilometer in der Ukraine, Belarus und Russland verseucht wurden. Aber die Katastrophe wäre unendlich gewaltiger und schrecklicher gewesen, wenn nicht tausenden Helden in selbstgebauten Schutzanzügen in Schichten auf dem Dach die Tonnen radioaktiven Materials beseitigt hätten. Die Bergarbeiter gruben einen Tunnel unter dem Reaktor, um die Kontaminierung des Grundwassers mit Uran und Plutonium zu verhindern. Das war eine Hölle. Die Menschen haben gesehen, was bei solchen Katastrophen mit uns passiert.
9/11: Schock in Wien

Die Fahrradtour mit einem befreundeten Ehepaar führte im September 2001 von Passau nach Wien. Die Reise war sehr gut organisiert. Dann aber, so ziemlich zum Abschluss unserer Tour, als wir schon in Wien waren, genau am 11. September 2001 um 15 Uhr, passierte das Unfassbare!
Es war ein Dienstag, das weiß ich noch ganz genau. Wir waren einen Kaffee trinken in einem Stehcafé in der Innenstadt in Wien. Und dann passierte das Szenario von New York. Zwei Flugzeuge rasten in den Nord- und Südturm des World Trade Centers. Es stürzten beide Türme in sich zusammen und begruben tausende Menschen. Die Menschen in Wien schrien, weinten, liefen unkontrolliert herum und meinten, der Dritte Weltkrieg wäre ausgebrochen. Wir versuchten, so gut es in diesem Chaos möglich war, in unser Hotel zu kommen, um dort am Fernseher die Tragödie anzusehen. Es war gespenstisch. So richtig realisiert haben auch wir es erst viel später. Die Wucht der Brutalität hat uns nicht losgelassen. Ich habe für mich begriffen, dass nichts selbstverständlich ist, und jeder Tag sollte bewusst und dankbar gelebt werden. Gelingt nicht immer, aber es ist einen Versuch wert.
Mondlandung im Bus
Ich war zehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit meinen Eltern, Schwester und Bruder zum Zelten war. Bereits die Anreise mit einem gemieteten VW-Bus nach Lindhöft an der Eckernförder Bucht war aufregend. Überall verteilte sich der Sand, insbesondere in den Schlafsäcken. Meine Mutter kochte täglich, unvergesslich blieben dicke Saubohnen mit jungen Kartoffeln und Rindfleisch aus Bundeswehrkonserven. Mein Bruder knüpfte die ersten zarten Bande mit einem Mädchen aus dem Nachbarzelt. Die Tage vergingen mit Planschen und Schwimmenlernen in der Ostsee, Tauchen durch die gegrätschten Beine der Eltern. Es gab jede Menge Seesterne, Steine, Donnerkeile, Flintsteine mit Loch.

Wir besuchten einen Bekannten, der auf einem verwilderten Grundstück einem umgebauten in Bus wohnte. Und dort wurden wir dann am 20. Juli 1969 Zeugen der ersten Mondlandung durch Apollo 11. Das Fernsehbild flimmerte stark, die Mücken quälten uns, das Interesse der Kinder am epochalen Ereignis war nur kurz, die Sommertage im Freien boten uns mehr Abwechslung. An die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin wurde ich in den vielen Dokumentationen erinnert.
Kennedy: In der Kneipe hörten wir's
Attentate, Maueröffnung: Ich weiß noch genau, wo ich war
In meinem Leben habe ich schon so viele Dinge erlebt, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben, private und weltbewegende. „Weißt du noch“, so beginnen die Erinnerungen oder auch „Wo warst du, als das und das passierte?“
1962: Mein Mann und ich kamen aus dem Kino und wollten noch fröhlich den Abend in unserer Stammkneipe ausklingen lassen, als wir hörten „Kennedy wurde erschossen“. Diese Nachricht war so unfassbar und hat uns und alle anderen bis ins Mark erschüttert. Damals fuhr der Präsident noch im offenen Auto stehend und winkend durch die Stadt, tausende fröhliche Menschen standen an den Straßenrändern. Der Attentäter nutzte die Gelegenheit aus.
1972: schockte mich früh morgens aus dem Radio die Nachricht, dass in München ein Attentat auf die Sportler der israelischen Mannschaft stattgefunden hat. Ich wollte diese Nachricht loswerden und meine Mutter anrufen.Zu der Zeit hatte noch nicht jeder ein Telefon, also musste ich 200 Meter weit zur nächsten Telefonzelle laufen, um sie informieren zu können.
1989: Ich sehe im TV die legendäre Pressekonferenz, in der der SED-Funktionär Günter Schabowski irrtümlich die Reisefreiheit für die DDR-Bürger verkündet. Reporter und Politiker sind verunsichert, stimmt das tatsächlich, was er da gesagt hat? Reporter stehen an den verschiedenen Grenzübergängen und warten, was passiert. Es ist schon fast Mitternacht, ich muss um 7 Uhr zur Arbeit - egal. Fasziniert sehe ich, wie sich immer mehr Bürger auf den Weg von Ost nach West machen, die Posten haben keine Funktion mehr. Es ist unglaublich.
2001: Ich sitze in der Mittagszeit in unserem Kiosk auf dem Minigolfplatz. Zu dieser Zeit ist wenig Betrieb, und so läuft zur Unterhaltung der Fernseher. Ein kleines, eigentlich schon ausrangiertes Schwarz-Weiss-Gerät steht auf dem Fussboden, mal ist das Bild da - mal nicht. Ich höre eine aufgeregte und sehe, wie ein Flugzeug in einen der Twin-Towers in New York fliegt, wie der entsetzte Reporter versucht, dieses Ereignis mit einer technischen Panne zu erklären. Nicht nur das Bild wird ständig gestört, nein auch der Ton ist schwer zu verstehen. Mein erster Gedanke war:„Wieso bringt man mittags so einen Katastrophenfilm?“ Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die ganze Tragik dieses Ereignisses verstanden hatte. Reporterstimme

Dies sind nur wenige der Ereignisse, die ich immer in meinem Gedächtnis haben werde, es fehlen noch viele andere wie zum Beispiel die Mondlandung, die Tschernobyl-Katastrophe, der Tsunami. Ich finde, es reicht.
Musik für Frieden und Freiheit
Gänsehaut beim Einheitssingen auf dem Großflecken
Denke ich an das Fest für Frieden und Freiheit am 3. Oktober 2024 auf dem Großflecken, erfasst mich spontan wieder das Gefühl eines großartigen, erhebenden und beglückenden Gemeinschaftserlebnisses. In vielen Orten Deutschlands trafen sich um 19 Uhr Menschen aller Generationen zum gemeinsamen Singen. In Neumünster wurde schon Wochen vorher in den Chören für diesen Auftritt geprobt. Ich hatte meinen Platz vor der Bühne hinter den Musikern, dicht neben meiner Chorfreundin. Eine knisternde Spannung, freudiges Lampenfieber - die Chorleiter gaben den Auftakt – und mit unglaublicher Energie und Dynamik ertönte der vielstimmige Chor! Er sang von Frieden, Freiheit, Mut, Zuversicht und Erfüllung. Die Musiker spielten dazu wunderbar magische Momente! Die musikalische Sprache drückte die Sehnsüchte der Menschen in einer unruhigen, ungewissen Zeit aus, laut oder leise, friedlich, fröhlich, - fröhlich, hoffnungsvoll und mit starken Texten wurde jedes Lied mitgesungen, wie zum Beispiel: Alt wie ein Baum möchte ich werden, mit Wurzeln, die nie ein Sturm bezwingt.

Die Vergangenheit wurde in den Redebeiträgen präsent. Wie die deutsche Wiedervereinigung durch die friedliche Revolution in der DDR der Jahre 1989 und 1990 fast wie ein Wunder in der Geschichte gelang, dass es mutigen Bürgern der DDR zu verdanken war, die sich gewaltfrei gegen eine Diktatur aufgelehnt und eine unverhoffte Wiedervereinigung möglich gemacht hatten. Eine Offenbarung, die so in Freudentaumel und Tränen ihren Weg in die Herzen der lange voneinander getrennten Menschen fand. Der Großflecken wurde zu einem Ort der Hoffnung und Dankbarkeit. Ich werde dieses noch nachklingende Erlebnis sorgsam in meiner Erinnerung bewahren.