Mit diesem Text nehmen wir unsere Leser mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Wir begeben uns auf eine literarische Spurensuche nach Kuriositäten und Wissenswertem: In „Die nordfriesischen Inseln“ berichtet Christian Jensen in seinem im Jahre 1927 erschienenen Buch, wie auf Amrum in der Mitte des 19. Jahrhunderts Hochzeit gefeiert wurde.
„Am Vorabend der Hochzeit kamen die jungen Leute aus der Nachbarschaft, um vor dem Hochzeitshause die Stangen aufzurichten, an denen am Hochzeitstage die Fahnen flatterten. Am Vormittag der Hochzeit kam erneut das junge Volk zu einem Imbiss mit Brot, allerlei Aufschnitt und Tee. Am späteren Vormittag kamen dann die geladenen Hochzeitsgäste. Die Frauen in Tracht und während die jüngeren Männer schon Frack trugen, trugen die älteren Männer blauen Rock auf rotem Samt. In einem Zuge ging es dann zur Kirche, wobei das Brautpaar voranschritt. Die Braut trug Perlen am Halse und ein Kopftuch. Während der Trauung am Altar stand sie zur Linken des Bräutigams, an seiner Rechten führte er sie dann heim. Dort wartete bereits der Ehrenplatz unter dem Spiegel. Auf dem Tisch stand dampfender Pudding, zu dem die Brautjungfern Schinken stellen. Die Unterhaltung war bei Scherz und bei Ernst lebhaft.“

Was sich eingangs noch so recht zivilisiert anhört, nahm in vorangegangenen Jahrhunderten aber im späteren Verlauf ganz andere Formen an. Geheiratet wurde vornehmlich dann, wenn die Männer von der Seefahrt zurückkehrten, also im Herbst und Winter. Auf den Hochzeiten ging es oft deftig zu: Wenn die Stimmung mit Bier und „Swetskilk“ eine Mischung aus Branntwein und Sirup kräftig angeheizt worden war, erhitzten sich dabei auch die Gemüter: Aus nichtigem Anlass gerieten die Gäste in Streit, der gerne auch mal in eine handfeste Prügelei ausartete. Ein Chronist notierte :„Wenn Hochzeit gehalten wurde, so fragten die nicht Mitgewesenen am andern Tage, ob sie viel Vergnügen gehabt und ob sie sich brav geschlagen hätten. Wäre letzteres nicht der Fall gewesen, dann hies es, was haben die Gäste alsdann wenig Vergnügen gehabt.“
Text und Fotos: Frank Deppe