Noch genau ein Jahr bis Juli 2025 hat die Projekt-Koordinatorin „Zukunft Eiderstedt“ Dr. Ilja-Kristin Seewald Zeit, sich für mehr bezahlbares Wohnen und die Stärkung der regionalen Wirtschaft einzusetzen. Eine große Aufgabe für die gelernte 55-jährige Politikwissenschaftlerin und Kommunikationsfachfrau, die aus Hessen kommt.
Die Stelle beim Amt Eiderstedt wurde im „Projekthaus Eiderstedt“ angedacht und wird von der AktivRegion Südliches Nordfriesland aus EU-Mitteln für zwei Jahre gefördert. Die Ziele sind hoch gesteckt. So soll mit Hilfe einer Studie untersucht werden, ob alternative Wohnformen in Eiderstedt helfen könnten, bezahlbares Wohnen sowie neue Wohnformen zu entwickeln. „Darüber hinaus soll eine digitale Gründungs- und Nachfolgeplattform entwickelt werden, um Gründungsinteressierte nach Eiderstedt zu holen“, sagt Seewald.
Das Projekthaus Eiderstedt wurde im Rahmen eines bundesweiten Projektes unterstützt vom Fraunhofer Institut ins Leben gerufen, um auch mal ländliche Regionen als Zukunftsregionen zu entwickeln. Die Lenkungsgruppe mit Vertretern aus vielen Arbeitsgruppen tagt im Mars-Skipper Hof in Kotzenbüll, einer Bildungsstätte in einem denkmalgeschützten Haubarg.
Seewalds Schwerpunkt liegt auf Wirtschaft und Wohnen.„Arbeitskräfte nach Eiderstedt zu bringen, ist eine große Herausforderung für alle“, ist der 55-Jährigen bewusst. Zum Personalmangel kommt hinzu, dass bezahlbare Wohnungen für Arbeitskräfte fehlen, besonders kleinere Wohnungen. „In Eiderstedt gibt es viele große Hofstellen und einige Haubarge, da wäre es schön, hier neues Leben in alte Höfe zu bringen! Es könnten Wohngemeinschaften entstehen und sogar Mehrgenerationenwohnen“, so Seewald.
Ihr zweiter Arbeitsschwerpunkt liegt darin, Kontakte zur regionalen Wirtschaft aufzubauen und zu stärken. „Langfristiges Ziel ist, eine Regionalmarke für Eiderstedt zu entwickeln“, sagt Dr. Ilja-Kristin Seewald. Nann Kühl (35), Erbe des Landladens Kühl, sagt: „Wir sind dabei, uns Produzenten in Eiderstedt mehr zu vernetzen und die regionalen Produkte bekannter zu machen“: neben seinen Erdbeeren beispielsweise auch Himbeeren vom Himbeerhof Jürgens, die Friesische Schafskäserei in Tetenbüll und einige mehr.
Obwohl in den letzten Monaten deutschlandweit so viele Insolvenzen angemeldet waren wie noch nie, möchte die Projekt-Koordinatorin zudem die Gründungskultur fördern. Die IHK Flensburg wie auch die Fachhochschule (FH) Westküste und die FH-Kiel sind involviert, um vor allem junge Leute herzuholen. Das klingt nach Optimismus, und den braucht man wohl mit Blick auf die Zukunft. ari