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Jörg Köpping: Plötzlich Reeder

Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene Wasserstraße der Welt. Die Durchfahrt erspart den Kapitänen den 460 Kilometer langen Umweg über das Skagerrak. Aus Sicht des Reeders Jörg Köpping ist sich der Bund als Betreiber des Kanals seiner Verantwortung bewusst. Die Wasserstraße, so der Unternehmer, werde vorbildlich instand gehalten. FOTO: IMAGO

Der Reeder Jörg Köpping hat schon als Kind Seeluft geschnuppert und bis heute von seinem Beruf begeistert: Nach seiner Diplomarbeit wurde er Kapitän auf dem Nord-Ostsee-Kanal.

Jörg Köpping ist Reeder, seine Schiffe sind weltweit unterwegs. Von Schülp wird die Flotte gesteuert. Auch mit 68 Jahren ist seine Freude am Beruf ungebrochen. 

Schon als Kind hat Jörg Köpping Seeluft geschnuppert. Dabei ist er nicht in einer der großen Hafenstädte aufgewachsen und auch nicht an Nordoder Ostsee, sondern im Binnenland von Schleswig-Holstein, in Osterrönfeld. Und da führt der Nord-Ostsee-Kanal vorbei, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Mehr große, weite Welt kann es im Landesinnern kaum geben. 

FOTO: GERO TRITTMAACK
FOTO: GERO TRITTMAACK

Und Jörg Köpping nahm schon bald die Spur auf: Bei der Reederei Speck auf der anderen Seite des Kanals in Hörsten lernte er das Handwerk, wurde nach einem Studium der Nautik mit einer Diplomarbeit über die Bedeutung des Nord-Ostsee-Kanals Kapitän. Als der Reeder ein älteres Schiff verkaufen wollte, sah er seine Chance gekommen und bat bei der Sparkasse Mittelholstein um einen Kredit. Die Bereitstellung des Geldes aber dauerte zu lange. Das Schiff ging an einen anderen Bewerber. Dann ein Anruf von der Sparkasse: Das Geld war angekommen. „Ich habe dann erzählt, dass das Schiff schon weg ist. Und mein Berater sagte einfach: „Dann kauf doch ein anderes.“ Das habe ich dann getan. Jörg Köpping kaufte mit nicht einmal 30 Jahren ein gebrauchtes Frachtschiff, nannte es „Rendsburg“ und war 1984 plötzlich selbst Reeder. 

Es waren gute Zeiten für Geschäfte in der See-Schifffahrt. Die Frachtraten waren stabil, es konnte eine Menge Geld verdient werden. Und es ging sogar noch steil bergauf – bis die Blase 2002 mit der Pleite der Lehman-Brothers platzte, die Banken kein Geld mehr in die Schifffahrt stecken konnten und es zu einer weltweiten Krise kam. Die führte so weit, dass Reeder sogar neue Schiffe verschrotteten, weil sie die Kosten für den Betrieb nicht mehr aufbringen konnten. 

Jörg Köpping kam glimpflich davon. „Ich habe zwar meine zwischenzeitlich eingerichtete Dependance in Hongkong aufgeben müssen, aber ich habe die Krise geschäftlich überlebt“, sagt Köpping trocken. Vielleicht auch, weil er seine Geschäfte vornehmlich in der so genannten Bereederung machte und auch noch macht. Diese Tätigkeit, im Englischen „Ship-Management“ genannt, besteht unter anderem im technischen Unterhalt des Schiffes. Der Ship-Manager kümmert sich mit seinem Team um die gesamte technische Betreuung des Schiffes. Neben Wartung und Instandhaltung sind vorgeschriebene Überprüfungen und viele gesetzliche Vorschriften zu beachten. Mit der Finanzierung dieser Schiffe und der Fracht hat der Manager nichts mehr zu tun. 

Zurzeit managt die Reederei aus Schülp nach Angaben von Jörg Köpping elf Schiffe, eines davon, die „Vohburg“, ein 140-Meter Containerfrachter, ist sein eigenes. Aber das mit dem Eigentum ist so eine Sache, wie er mit einem Schmunzeln erklärt: „Wenn ein Reeder von einem eigenen Schiff spricht, kann es auch sein, dass ihm 10 Prozent gehören. Und die restlichen 90 Prozent einer Kapitalgesellschaft.“ Wie es sich bei der „Vohburg“ verhält, lässt er offen. 

Mit inzwischen 68 Jahren tritt Jörg Köpping inzwischen ein wenig kürzer. „Ich arbeite täglich noch sechs bis sieben Stunden, habe aber ein gutes Team von Spezialisten, das alles im Griff hat“, erklärt der Reeder. Und wenn er wieder einmal Lust hat, an Bord zu gehen, fliegt er seine Spezialisten mit einem eigenen Flugzeug vom Flugplatz Schachtholm (der auch ihm gehört) nach Spanien und betrachtet den Arbeitseinsatz als Kurzurlaub. 

Jörg Köppings Verhältnis zum Nord-Ostsee-Kanal ist ungebrochen positiv. Hier ist er aufgewachsen, hier arbeitet und hier lebt er. „Der Kanal ist für die Schifffahrt wichtiger denn je“, sagt er. „Die Schiffe sparen Zeit und Brennstoff – und können auch dann noch in die Ostsee kommen, wenn am Skagerrak Sturm herrscht.“ Und durch die engere Anbindung des Baltikums, auch nach Finnland und Schweden, wird der Kanal seiner Ansicht nach noch weiter an Bedeutung gewinnen. 

Aus seiner Sicht wird der Kanal vorbildlich in Stand gehalten und ist uneingeschränkt für die Schifffahrt tauglich. Und Köpping ist auch überzeugt, dass sich der finanziell aufwändige Betrieb des Kanals lohnt. „Betriebswirtschaftlich mag das nicht der Fall sein, die Erlöse liegen weit unter den Ausgaben. Volkswirtschaftlich sieht das schon ganz anders aus, wenn man bedenkt, wie viele Menschen der Kanal anzieht und wie viele Betriebe sich hier seinetwegen angesiedelt haben, dann lohnt sich die ganze Sache durchaus.“ Jörg Köpping ist ein Fan des Kanals: „Ich bin überzeugt, dass es ihn immer geben muss und wird.“ Gero Trittmaack

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