Nicht nur Vereine leiden unter Nachwuchsmangel, auch bei den Freiwilligen Feuerwehren (FF) macht sich eine zunehmende Ehrenamtsmüdigkeit breit. Damit es in der Zukunft immer genug Freiwillige gibt, die unser aller Leben beschützen, haben die Wehren pfiffige Ideen entwickelt, die Lust auf das erfüllende Ehrenamt machen.
So sorgte die FF Viöl auch zuletzt mit riesigen Werbebannern und provokanten Sprüchen wie„FRAUEN SIND ZU SCHWACH in der Feuerwehr vertreten“ oder „Wir fahren gerade aus, aber QUEER zu unseren Einsätzen“ für Aufsehen. Aktuell begeistert sie ihre Fan-Gemeinde auf Facebook mit witzigen Videoclips, in denen die Viöler Einsatzkräfte ganz selbstverständlich ihr Gesicht zeigen. So werden auf beiden Seiten - Berührungsängste abgebaut. Das hilft bei einer persönlichen Begegnung im Einsatz ebenso wie im Privatleben, denn: Man kennt sich ja irgendwie schon!

Mitmach-Aktionen sind der Renner
Auch die FF Bredstedt lässt sich bei ihren Aktivitäten gerne via Social Media über die Schulter schauen. So ist auf YouTube ein Video der legendären „Feuerwehr-Game Show“ zu sehen, in der Kameraden der Wehren aus Bredstedt, Breklum, Almdorf und Struckum im Stil von „Wetten Dass..?“ gegeneinander antreten
„Die beste Werbung ist der direkte Kontakt zum Bürger“, findet Christoph Denẞ. Er ist der Pressewart der FF Bredstedt, die sich gerne mit Mitmach-Aktionen ins Gespräch bringt. Spannend wird es zum Beispiel, wenn die Zuschauer bei Veranstaltungen selbst versuchen können, einen Brand zu löschen. Das eigenhändige Befreien einer eingeklemmten Person (Übungspuppe) aus einem Unfall-Pkw kann für sie ein ebenso nachhaltiges Erlebnis sein, wie die mit Hilfe einer Wärmebildkamera erfolgreiche Suche nach einem in einer verqualmten Wohnung (Rauchzelt) vermissten Kind.
Das Edeka-Stickeralbum, das die FF Bredstedt 2022 gemeinsam mit Nachbarwehren aufgelegt hat, erwies sich als echter Renner. Die 250 Sticker, die für das Album gesammelt und getauscht werden konnten, zeigten die Gesichter der örtlichen Feuerwehrleute. Nicht selten stellte sich dabei heraus, dass der Nachbar, der wortkarge Schulfreund von damals oder die morgens stets so gut gelaunte Bäckereiverkäuferin allesamt aktive Feuerwehrmitglieder sind Menschen, die sich beherzt für das Leben anderer einsetzen.
Beste Quelle: die Jugendwehr
Trotz aller Bemühungen macht sich Christoph Denẞ nichts vor: „Der Dienst in der Feuerwehr ist mitsamt der dafür notwendigen Aus- und Fortbildung immens zeitraubend.“ Zumal das unplanbare Einsatzgeschehen nicht zur heutigen „Work-Life-Balance“-Mentalität passt. Deshalb wünscht er sich von der Politik Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung. „Bürger, die sich derart engagieren, müssen Vorteile durch ihr Engagement erhalten, etwa durch mehr Rentenpunkte, mehr Urlaub im Beruf oder kleine finanzielle Entschädigungen pro Einsatz... So etwas würde die Attraktivität des Feuerwehrdienstes deutlich steigern und die Nachwuchsgewinnung vereinfachen“, davon ist er überzeugt.
Die beste Nachwuchsquelle ist für ihn aber immer noch die Jugendfeuerwehr (JF), in der in Bredstedt aktuell 30 Kids zwischen zehn und 18 Jahren spielerisch an spätere Aufgaben herangeführt werden. Nachwuchssorgen kennt man dort nicht - es gibt eine lange Warteliste. ssl