Endlich eine eigene Wohnung.“ Diesen Satz sagt oder denkt - wohl jeder Mensch mindestens einmal im Laufe seines Lebens als Wunsch oder als Ausdruck der Freude. Während es den meisten Menschen wie eine Selbstverständlichkeit erscheint mit Beginn des Erwachsenenalters eine eigene Wohnung zu beziehen, so bleibt dies für Menschen mit Beeinträchtigung zu oft ein unerfüllter Traum.
„Wir möchten Menschen mit Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung ermöglichen und zugleich einen Beitrag zu mehr Inklusion leisten“, sagt Tatjana Christiansen, Vorstand der „Stiftung Haus am Mühlenteich“. Für diesen Zweck hat die Stiftung am Messeplatz, unweit des Husumer NCC, das Inklusionshaus „Christian“ erbaut. Das Haus umfasst acht Wohnungen, von denen vier Wohnungen regulär vermietet werden, während in den anderen vier Wohnungen Menschen mit Beeinträchtigung leben, die eine niedrige Sozialmiete zahlen. Hilfreich war ein Zuschuss der Aktion Mensch, die eine wichtiger Förderpartner für das Haus am Mühlenteich ist. Anfang September zogen die Bewohner in das „Haus Christian“ ein. Endlich ist nach der langen Planungs- und Bauzeit Leben im Haus. An den Haustüren hängen Namensschilder, die Nachbarn begegnen sich im Alltag und die Terrassen sind teilweise schon mit farbenfrohem Blumenschmuck versehen. Nach dem Einzug Anfang September hat man sich hier schon gut eingelebt. Vier Wohnungen werden von Beschäftigten des WerkHUS bewohnt, dessen Standorte in der Siemensstraße und Dieselstraße nur rund einen Kilometer entfernt gelegen sind. Die Nähe zu ihrem Arbeitsplatz, an dem sie werktags tätig sind und auch verpflegt werden, ermöglicht den Bewohnern des „Haus Christian“ ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung, ohne weite Fahrten zurücklegen zu müssen.

Die vier Wohnungen im Erdgeschoss sind gemäß DIN 18040-2 barrierefrei zugänglich und somit auch für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ohne fremde Hilfe bewohnbar. Alle Räume inklusive des Bades und der Dusche sind vollständig ebenerdig und frei von blockierenden Erhebungen. Innerhalb der Wohnungen gibt es keine Treppen und die Türen umfassen eine Breite von mehr als einen Meter, damit diese problemlos mit breiten Fortbewegungsmitteln passiert werden können. Auch die Fenster sind in den barrierefreien Wohnungen niedriger als üblich. Die vier Erdgeschosswohnungen verfügen über eine Terrasse, während die vier Wohnungen im ersten Obergeschoss einen Balkon haben. Hinzu kommen PKW-Stellplätze, ein Außenabstellraum für Fahrräder und ein Plattformlift (kommt in den nächsten Wochen) ins obere Stockwerk.
„Das Durchschnittsalter beträgt 30 bis 35 Jahre“, berichtet Ivonne Christiansen, Mitglied des Stiftungsrates. „Hier wohnt ein bunter Mix aus Menschen, die sich alle gut miteinander verstehen“, sagt Ivonne Christiansen, Mitglied des Stiftungsrats. Neben einigen jungen Leuten wohnt auch Rentnerin Petra Jessen seit etwa zwei Wochen hier. „Ich bin froh, diese Wohnung gefunden zu haben. Hier fühle ich mich sehr wohl und möchte auch nicht mehr weg“, sagt Jessen. Ob ein Nachbar eine Beeinträchtigung habe oder nicht, spiele hier keine Rolle. Und wenn es doch einmal vorkommen sollte, dass jemand Unterstützung benötigt, dann findet man hier sofort eine helfende Hand und viel Verständnis. „Der Bauunternehmer war sehr kompetent“, berichtet Tatjana Christiansen. Die Zimmerei Oje & Leißner in Oldersbek habe auf viele Details geachtet und Hinweise dazu gegeben, wie man eine Wohnung so barrierefrei und behindertengerecht wie möglich gestalten könne. Dank dieses Wissens konnten noch mehr Aspekte in die Planungen einfließen, als anfangs angedacht waren. Energetisch ist das Haus auf dem Stand eines Effizienzhauses gemäß KfW 40. Damit ist das Haus so gut gedämmt, dass nur selten geheizt werden muss und somit nur sehr niedrige Heizkosten anfallen. Es ist eine Tradition der „Stiftung Haus am Mühlenteich“, dass sie ihre Häuser nach einem der 24 Bewohnern ihres Wohnheims in Bredstedt, dem eigentlichen „Haus am Mühlenteich,“ benennen.
Im Jahr 2012 gründete sich die „Haus am Mühlenteich Stiftung“, die neben dem Wohnheim in Bredstedt noch weitere Häuser betreibt. Nach dem „Haus Thomas“, dem„Haus Jane“ ist nun mit dem„Haus Christian“ in Husum ein weiteres dazu gekommen, bei dem der Schwerpunkt auf der Inklusion liegt, also dem Zusammenleben von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. geg