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Mystischer Silberschatz der Wikinger

Das Morsum-Kliff ist die geologische und archäologische Schatzkammer der Insel. Seit der Ur- und Frühgeschichte liest sich die Historie dieses besonderen Fleckens Sylts wie ein Krimi, erst recht seit dem Fund eines geheimnisvollen Silberschatzes.

Fotos: Wiebke Stitz, Sylt Museum
Fotos: Wiebke Stitz, Sylt Museum

Monumental, magisch, wie gemalt! Was für eine Landschaft, was für mystische Geschichten und kulturelle Schätze verleihen dem Morsum-Kliff seine faszinierende Aura. Hier, ganz im Osten der Insel, kurz vor dem Syltdamm, trifft man das ganze Jahr über weit weniger Menschen als vor dem berühmten Roten Kliff zwischen Kampen und Wenningstedt. Dabei gibt es auf der Insel keinen zweiten Ort, der so viel über die natürlichen und archäologischen Schätze Sylts, über Götter und Geheimnisse erzählen kann. 

Zehn Millionen Jahre Erdgeschichte können an diesem 1.800 Meter langen und bis zu 21 Meter hohen Kliff in schimmernden Farben bestaunt werden. Vielen ist diese Steilküste als weißes Kliff bekannt, treffender wäre aber buntes Kliff. Denn vor dem hellen, fast weißen Quarzsand ist der gelbbraune Limonitsandstein und davor der schwarzgraue Glimmerfeinsand zu bestaunen. Außergewöhnlich am Morsum-Kliff ist auch die Falttechnik, mit der die Gletscher der Eiszeit dieses Stück Sylt geformt haben. Die Gesteinsschichten lagern nämlich nicht übereinander, sondern nebeneinander. Fast wie in einer Savanne fühlt sich der Spaziergänger in einer weiteren geologischen Kostbarkeit an, der Feinsandsenke „Klein-Afrika“, in der im Sommer für Sylter Verhältnisse auch erstaunlich hohe Temperaturen entstehen können.. Nulla ex quam, tristique at facilisis a, sollicitudin ut lorem. Vivamus sit amet ex risus erat curae.

Doch damit nicht genug, zu diesen Kostbarkeiten der Natur- und Erdgeschichte kommt auch noch ein geheimnisvoller Silberschatz. Zunächst war es nur ein Armring aus Silberdraht, den ein Morsumer Bauer 1960 beim Pflügen seines Ackers am Morsum-Kliff fand. Sofort kaufte das Landesmuseum Schloss Gottorf diesen wertvollen Fund, ordnete ihn in die Zeit der Wikinger (793 bis 1066 nach Christi) ein. Schon damals kam das Gerücht auf, der Landwirt habe noch ein zweites wertvolles Schmuckstück gefunden. Dieses muss er lange sehr gut versteckt haben, denn erst im Jahr 2015 öffnete sich durch dieses Fundstück die Tür zur spannenden Geschichte rund um einen sagenumwobenen Silberschatz. Und das kam so: Als Dank für seinen jahrelangen Einsatz schenkte der besagte Morsumer Bauer den Fund, den er bis dahin in einer Zigarrenkiste unter seinem Bett versteckt hatte, seinem Hausarzt. 

Unternehmen aus der Region

Der Mediziner zeigte ihn seinem Freund Dr. Martin Segschneider, der zu diesem Zeitpunkt beim Archäologischen Landesamt Schleswig-Holsteins tätig war. Dieser musste daraufhin erstmal einen Schnaps trinken. Denn der Prähistoriker erkannte sofort die historische Sensation, ordnete den Metallring als Ringfibel ein. Die aufwendig, mit drei Knöpfen und tierartigen Wesen verzierte Gewandspange aus Silber und Gold diente einst zum Schließen des Mantels. Der Name wird vom lateinischen Begriff „Fibula“ abgeleitet, was übersetzt Spange heißt. „Es ist das Tollste, was ich jemals gesehen habe“, sagt der Experte über das mehr als 1.000 Jahre alte Schmuckstück, das er früher auch bei seinen Führungen auf dem Morsum-Kliff präsentierte, bis die Fibel ihren Platz im Sylt Museum der Sölring Foriining in Keitum fand. Die Führungen mit dem Prähistoriker, der die Sylter Ur- und Frühgeschichte spannender als jeden Krimi darzustellen vermag, finden aber weiter statt.

Der Wikinger-Mythos liegt voll im Trend.

Doch mit der Ringfibel fängt die Schatzsuche erst richtig an. Denn nun ist klar, der zunächst gefundene Silberreif war kein Einzelstück. Und tatsächlich ergeben archäologische Ausgrabungen, für die auch Metalldetektoren genutzt werden, dass das Feld am Morsum-Kliff als Erdtresor gedient hat. Das Gebiet um das heutige Morsum war im 9. Jahrhundert eines der ersten Siedlungsgebiete der Friesen auf Sylt, in unruhigen und gefährlichen Zeiten, in denen räuberische Nordmänner an der Nordseeküste auf Beutesuche gingen. Es machte also Sinn, Wertvolles im Erdreich zu verstecken. So wurden in dem Gebiet, in dem der Silberarmreif und die Ringfibel gefunden wurden, im Jahr 2017 weitere 80 Schmuckstücke, Münzen und ganze Barren aus Silber ausgegraben, der Silberschatz war sogar Thema in der Tagesschau.

Auf der Insel kann die Ringfibel im Keitumer Sylt Museum bestaunt werden, auf besondere, interaktive Weise in eigens dafür konzipierten Räumen. Viel Geld haben die Sylter, vor allem der Rotaryclub aufgebracht, um Geschichte auf spannende Weise erlebbar zu machen und „ihre“ Ringfibel auf Sylt zu behalten.

Der Fund des kostbaren Silberschatzes von Morsum regt wie von selbst die Fantasie an: Welche hochgestellte Persönlichkeit hat einst die wertvolle Ringfibel getragen? Wer hat das Silber vor mehr als 1.000 Jahren vergraben? Und warum nie wieder ausgegraben? War der Schatz vielleicht eine Opfergabe an die Götter? Oder kam der Verstecker auf gewaltsame Weise ums Leben? Einige dieser Fragen werden im Sylt Museum beantwortet. Doch das Morsum-Kliff wird auch in Zukunft ein Ort der natürlichen und archäologischen Schätze, der Götter und Geheimnisse bleiben. Anja Werner


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