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Rendsburg: Möbel und Taschen aus Abfall

Auch einen Tresen, dessen Basis ein altes Fahrrad bildet, hat Tim Wösthoff im Angebot. FOTOS: LEPTIN

Upcycling, wenn ausgediente Gegenstände einen neuen Lebenszyklus erhalten, z.B. hat Maraike Ostwald aus Maraike Ostwald einen Bücherständer gemacht.

Was haben kaputte Hosen, alte Schiffsleitern und ausrangiertes Besteck gemeinsam? Unternehmen und Vereine aus dem Raum Rendsburg nutzen Materialien, die sonst weggeworfen würden, um neue Produkte daraus zu machen. 

Upcycling nennt sich dieser Vorgang, wenn ausgediente Gegenstände einen neuen Lebenszyklus („cycling“) bekommen und dabei noch aufgewertet werden („up“). 

W.I.R. FÜR RENDSBURG

Der Verein W.I.R. für Rendsburg betreibt auf dem Oktogon-Gelände eine Kleiderkammer. Flüchtlinge und andere Bedürftige können sich hier gegen einen kleinen Obolus mit Kleidung, Schuhen und Hausrat eindecken. Der Vorrat in den Containern besteht ausschließlich aus Spenden. „Manchmal kommt es auch vor, dass Sachen abgegeben werden, die kaputt sind“, berichtet Regina Meyn aus dem Vorstand des Vereins. Wegwerfen wollen sie und ihre Mitstreiter diese aber nicht. Stattdessen entstehen daraus bei W.I.R. für Rendsburg neue Produkte. Besonders häufig werden Taschen und Rucksäcke aus alten Hosen gemacht. Falls ein Reißverschluss fehlt, wird dieser von einer ausrangierten Jacke genommen. Ein Gürtel wird zum Tragegurt. 

Die Näharbeit übernimmt Katja Ledwinka, die ebenfalls im Vereinsvorstand ist. Nähen hat sie sich per Online-Video beigebracht. Im Internet findet sie auch immer neue Inspirationen für Upcycling-Projekte. In einem Container auf dem Oktogon-Gelände ist eine Auswahl zu sehen: eine kleine Tasche aus einem Schwimmflügel, ein sogenannter Hängeorganizer aus einer Latzhose, Jeanstaschen aus anderen Stoffresten, eine Stiftemappe aus alter Bettwäsche. Verkauft werden die Upcycling-Produkte im Onlineshop von W.I.R. für Rendsburg sowie im Unverpacktladen Abfüllbar in Rendsburg.

AWR

Etwa zehn Partnerwerkstätten hat Unikada in Indien und Indonesien. Dort wird viel altes Holz aufgearbeitet. FOTO: WÖSTHOFF
Etwa zehn Partnerwerkstätten hat Unikada in Indien und Indonesien. Dort wird viel altes Holz aufgearbeitet. FOTO: WÖSTHOFF

Die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) betreibt in Büdelsdorf die Kaufbar. Jannis Riegmann, stellvertretender Leiter des Teams Wiederverwertung, erklärt, dass hier nur Gegenstände verkauft werden, die auf Recyclinghöfen abgegeben wurden. „Ziel ist es, Abfall zu vermeiden und Sachen wiederzuverwenden.“ In den meisten Fällen werden die Sachen in der Kaufbar repariert beziehungsweise wiederaufbereitet. Hierbei handelt es sich noch nicht um Upcycling, erklärt Riegmann. Davon könne man erst sprechen, wenn Abfall kreativ umgestaltet wird und nach der Bearbeitung einen höheren Wert hat als das ursprüngliche Ausgangsprodukt. Riegmann betont, dass auch solche Projekte bei der AWR umgesetzt werden. Meist kümmern sich die FÖJler darum. Zu ihnen gehört Maraike Ostwald. Sie hat beispielsweise aus Schallplatten Bücherständer gemacht. Eine ihre Vorgängerinnen hat eine ausrangierte Tür in einen Werkzeugständer für den Garten verwandelt. Die an der Tür befestigten Werkzeughalter sind alte Löffel und Gabeln, die die FÖJlerin für ihren Zweck verbogen hat. Auf ihren Social-Media-Kanälen gibt die AWR gelegentlich auch Upcycling-Tipps zum Nachmachen. Hier erfährt man zum Beispiel, wie man aus alten Büchern Deko und aus alten Zeitungen Biotüten macht. 

UNIKADA

Das Möbelgeschäft Unikada in Büdelsdorf hat eine große Auswahl an Upcycling-Produkten. Das Unternehmen arbeitet mit etwa zehn Kooperationswerkstätten in Indien und Indonesien zusammen, die alte Sachen, die normalerweise weggeworfen würden, neu aufbereiten. Einmal im Jahr fliegt Unikada-Chef Tim Wösthoff selbst nach Asien, um vor Ort neue Produktideen zu besprechen. So sind viele Möbel aus Holz gefertigt, das nach Hausabrissen übrig bleibt. Es entstehen auch ungewöhnliche Stücke: Strickleitern von Frachtschiffen werden zu Wandregalen umgearbeitet. Aus Steigbügeln von Pferdesätteln werden Kerzenhalter. Ein ausrangiertes Tuk Tuk, ein in Indien viel genutztes Fahrzeug mit drei Rädern, hat Wösthoff zu einer Bar umbauen lassen. Von einem anderen Fahrzeugtyp, einem Hindustan Ambassador, hat er die Front genommen und in einen Schreibtisch eingebaut. Und wie kommen die Upcycling-Produkte bei den Kunden an? In den ersten Jahren lief der Verkauf schleppend, berichtet er. Doch dann sei die Nachfrage deutlich gestiegen – „mittlerweile habe ich das Gefühl, es ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Wösthoff. „Die Leute versuchen, ihren Beitrag zu leisten, nachhaltiger zu leben.“ Er betont, dass auch das Schwesterunternehmen, Inside Living, zum Teil auf Upcycling setzt. Filialleiter Dragan Grbavac kauft in Kroatien und Bosnien-Herzegowina beispielsweise regelmäßig Tischplatten, die aus Balken von alten Schuppen und Häusern gemacht wurden. Unikada ist kürzlich innerhalb von Büdelsdorf umgezogen: vom einstigen Plaza-Gebäude ins ehemalige Loop-Fitnessstudio am Hotel Heidehof. Aljoscha Leptin

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