Herr Geist, das neue Ausbildungsjahr hat ja gerade angefangen. Wie ist die aktuelle Lage im Kreis Pinneberg?
Wir beobachten seit einigen Jahren eine interessante Entwicklung. Die Zahl der Ausbildungsstellen im Kreis Pinneberg nimmt leider ab. Zum Beispiel gab es im Vergleich zum Vorjahr etwa 60 bis 70 Stellen weniger, sodass wir aktuell 1.477 Ausbildungsplätze haben. Diese Entwicklung ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen. Einerseits haben wir die wirtschaftliche Lage, die sich auf die Ausbildungsbereitschaft auswirkt. Andererseits gibt es Betriebe, die potenzielle Auszubildende bereits über Praktika rekrutieren und deshalb keine Stellen mehr melden. Positiv ist jedoch, dass die Zahl der Bewerber steigt - wir haben nun 1.430 Bewerber, 70. mehr als im Vorjahr.
Ist es denn dennoch weiterhin so, dass es mehr Ausbildungsstellen als Bewerber gibt?
Ja, auf jeden Fall. Derzeit haben wir mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Ein Grund könnte die zunehmende Attraktivität der Ausbildung im Vergleich zum Studium sein. Für viele junge Menschen ist Sicherheit im Beruf ein großes Thema. Dazu kommt, dass wir verstärkt mit Schulen, Jugendberufsagenturen und Berufsberatungen zusammenarbeiten. Dadurch können wir junge Menschen besser erreichen und aufklären.
Können Sie uns mehr über die Initiativen zur Förderung von Ausbildungen erzählen?
Wir sind stark an Schulen präsent und auch auf Berufsmessen in der Region aktiv. Ein Projekt ist beispielsweise der Einsatz von VR-Brillen, um Berufe auf kurzem Weg erlebbar zu machen. Zudem arbeiten wir an der Digitalisierung unserer Angebote im Berufsinformationszentrum, um mehr Praxisnähe und Erlebnischarakter zu bieten.
Welche Bereiche sind im Kreis besonders gut aufgestellt, und wo gibt es noch Nachholbedarf?
Der Kreis Pinneberg profitiert von seiner Nähe zu Hamburg. Daher sind wir besonders stark im kaufmännischen und dienstleistungsorientierten Bereich. Auch schulische Berufe wie Pflege und Erziehung haben eine hohe Nachfrage. Allerdings haben wir im Bereich der Lebensmittelherstellung weniger Bewerber für die vorhandenen Ausbildungsplätze.
Wie integriert sich der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund in den Ausbildungsmarkt?
Ein Viertel der Bewerber hat einen Migrationshintergrund, und wir sehen eine gute Integration in den Ausbildungsmarkt. Wir bieten für alle gleiche Möglichkeiten. Unterstützung gibt es aber bei Bedarf, zum Beispiel durch spezielle Nachhilfeprogramme.
Was würden Sie sagen, können Unternehmen tun, um als Ausbildungsbetrieb attraktiver zu werden?
Unternehmen sollten als langfristige Strategie Fachkräfte durch Ausbildung sichern. Es ist wichtig, bei Berufsmessen sichtbar zu sein und Praktika anzubieten, um erste Kontakte zu knüpfen. Zudem sollten sie verstärkt auf Social Media setzen und Bewerbungsprozesse niederschwellig gestalten, um mehr junge Menschen anzusprechen.
Wie hat sich die Gewichtung von Schulnoten bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz verändert?
Schulnoten sind nicht mehr ganz so entscheidend wie früher. Betriebe legen mehr Wert auf die Persönlichkeit des Bewerbers. Natürlich gibt es noch bestimmte Anforderungen, aber wichtiger sind mittlerweile Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit.
Welche Fähigkeiten sollten denn junge Menschen heutzutage besonders mitbringen?
Wie gesagt, Fähigkeiten wie Teamarbeit, Kommunikationsstärke aber auch Kundenorientierung und Eigeninitiative sind entscheidend. Diese Soft Skills werden immer wichtiger, besonders vor dem Hintergrund technologischer Entwicklungen, die grundlegende Aufgaben zunehmend automatisieren können.



Wie sehen Sie die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Ausbildung heute und in der Zukunft?
Die Auswirkungen von KI auf die Ausbildung sind noch neu und in Entwicklung. Vor allem in Bereichen wie in der Verwaltung sehen wir bereits Veränderungen, wo Kl einfache Aufgaben übernehmen kann. Diese Entwicklungen werden auch die Ausbildungsinhalte und -methoden beeinflussen. Unternehmen müssen deshalb agil bleiben und Anpassungen vornehmen.


Haben Sie einen persönlichen Rat für junge Menschen, die sich gerade noch orientieren?
Ich würde jungen Menschen raten, früh mit der Berufsorientierung zu beginnen und die zahlreichen Angebote - wie die Berufsberatung - anzunehmen. Wichtig ist, offen für verschiedene Berufe und Möglichkeiten zu bleiben und sich nicht frühzeitig festzulegen.
// Interview: Julia Voigt