Es ist 6.30 Uhr morgens. Noch ist es in der riesigen Lagerhalle mit den meterhohen Paletten und Regalen ruhig und das Telefon still. Für Gruppenleiter Leon Meyer die beste Zeit am Tag. „Da schaffe ich einfach am meisten“, sagt er. 2018 hat er die Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Flensburger Brauerei begonnen, heute hat er eine Führungsposition in der Logistik des Traditionsbetriebes. Mir macht das hier “richtig viel Spaß, kein Tag ist wie der andere und jeden Tag gibt es eine neue Herausforderung. Langweilig wird es nicht“, sagt der 26-Jährige.
Sonntagabend wird in der Brauerei mit der Produktion begonnen, gearbeitet wird im Lager im Drei-Schicht-System. Gut 40 Kolleginnen und Kollegen hat Leon Meyer in der Logistik. Pro Lehrjahr werden im Durchschnitt zwei junge Menschen im Unternehmen zur „Fachkraft für Lagerlogistik“ ausgebildet. Drei Jahre dauert die Ausbildung, unter bestimmten Bedingungen kann auch verkürzt werden.
Was Logistikleute in spe mitbringen sollten? „Man kann sich mit einem mittleren Schulabschluss bei uns bewerben“, so Leon Meyer„Viel wichtiger als die Noten ist uns allerdings, dass der Azubi ins Team passt.“ Wer kommunikativ, hilfsbereit und Teamspieler ist, hat schon einmal gute Karten. Auch eine Affinität für Technik macht sich gut. Körperlich fit sind alle Mitarbeitenden im Lager, denn hin und wieder muss trotz aller Gerätschaften eine Kiste oder ein Fass noch von Hand angehoben werden. „Das meiste übernimmt bei uns jedoch der Gabelstapler“, sagt der Gruppenleiter. Auch Kopfarbeit ist in der Lagerlogistik gefragt. Wie sind die Produktionslinien am Vortag gelaufen? Gab es Störungen im Betrieb? Was steht heute an? Alles will durchdacht, geplant und organisiert sein. Nach der Abfüllung, Etikettierung und einer langen Qualitätskontrolle kommen die fertigen Flaschen im Lager an.


Wo welche Kiste stehen muss, wird über ein digitales Lagerverwaltungssystem angezeigt. „Das ist vor allem wichtig, um zu wissen, wie alt die Ware ist und auch müssen wir später beispielsweise zurückverfolgen können, welche Palette an welchen Kunden gegangen ist.“ Vor allem die Sortierung der Flaschen ist in der Flensburger Brauerei aufwendig. „Wir haben zig verschiedene Glasfarben, wie Braun, Weiß, Grün und Blau, das ist für die Logistik eine große Herausforderung. Dazu kommen dann noch Einwegglasflaschen für den Export, die sehen wieder etwas anders aus. Außerdem lässt sich unser Marketing immer wieder etwas Spannendes einfallen“, sagt Leon Meyer. Die Sommerzeit ist die Hochzeit in der Flensburger Brauerei, die neben dem Handel auch Gastronomiebetriebe beliefert. Rund 60 LKWs sind dann rund um die Uhr für die Brauerei auf Deutschlands Straßen unterwegs.
Auch Azubis anderer Abteilungen machen in der Logistik einen Zwischenstopp, um einen Rundumblick zu bekommen. Gerade packt Yannick (23) ordentlich mit an. Er wird im Unternehmen zum Industriekaufmann ausgebildet. „Das Lager ist ein ganz schöner Kontrast für mich, aber ich finde es hier echt cool.“ Seit gut einem Monat ist er jetzt dabei und organisiert viel.„Ich telefoniere den ganzen Tag mit den Speditionen und kümmere mich darum, dass alles pünktlich beim Kunden ankommt.“ Das heißt für ihn auch jede Menge Mails schreiben und Daten erfassen. „Man bekommt hier als Azubi schon eigene Projekte und Verantwortung,“ freut er sich.
// Julia Voigt
Lagerlogistik in Kürze
Fachkräfte für Lagerlogistik nehmen Waren aller Art an und prüfen anhand der Begleitpapiere deren Menge und Beschaffenheit. Sie organisieren die Entladung der Güter, sortieren diese und lagern sie sachgerecht an vorher bereits eingeplanten Plätzen. Im Warenausgang planen sie Auslieferungstouren und ermitteln die günstigste Versandart. Sie stellen Lieferungen zusammen, verpacken die Ware und erstellen Begleitpapiere wie Lieferscheine oder Zollerklärungen. Außerdem beladen sie Lkw, Container oder Eisenbahnwaggons, bedienen Gabelstapler und sichern die Fracht. Darüber hinaus optimieren Fachkräfte für Lagerlogistik den innerbetrieblichen Informations- und Materialfluss von der Beschaffung bis zum Absatz. Sie erkunden Warenbezugsquellen, erarbeiten Angebotsvergleiche, bestellen Waren und veranlassen deren Bezahlung. Fachkraft für Lagerlogistik ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handel.