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Mattis Brodersen: Auf dem Weg nach Berlin

Fotos: bigbasspic (3); Grafiken: adobestock.com (2)

Singer-Songwriter von der Insel Föhr, Popmusik mit Einflüssen aus der Country- und Folkszene, neues Album im renommierten Musikstudio in Berlin

„Moin, mein Name ist Mattis Brodersen und ich darf hier heute ein bisschen Musik für Euch machen.“ So oder so ähnlich stellt Mattis Brodersen sich meistens vor, nachdem er zunächst einmal ein Stück für seine Zuhörer gespielt hat. Effekthascherei scheint nicht sein Ding zu sein. Mattis Brodersen setzt auf den leisen, besonnenen Ton, um eine Verbindung zu den Zuhörern aufzubauen.

Mattis Brodersen macht den nächsten Karriereschritt
Mattis Brodersen macht den nächsten Karriereschritt

Und immer rede er aus dem Moment heraus, bereite seine Ansagen nicht vor, denn er wisse nicht, was ihn erwarte, erzählt Mattis Brodersen. Nur eine Sache sage er immer, wenn er sich zu Beginn eines Konzerts vorstellt: „Ich bin Singer-Songwriter von der Insel Föhr.“

Die Herkunft ist dem 30-jährigen Mattis Brodersen – wie auch anderen Insulanern in seinem Alter – wichtig. Geboren wurde er auf Föhr in eine Friesisch sprechende Familie. „Feringer“ ist er also. So heißen die Föhrer auf Friesisch. Der Ort seiner Herkunft ist Teil der Biografie von Mattis Brodersen und damit unabänderlich. Ob dieser Ort auch Heimat, also der Ort, an dem er sich sicher, geborgen und verstanden fühlt, lotet Mattis Brodersen in seiner Musik aus. Heimat oder auch die Zeit fernab der Heimat gehört zu den Themen, die immer wieder in seinen Songs auftauchen.

Mattis Brodersen beschreibt seine Musik als Popmusik, aber mit Einflüssen aus der Country- und Folkszene. Er habe viel den 1997 verstorbenen amerikanischen Country- und Folksänger John Denver gehört. Aktuell gefallen ihm die beiden im Folk-Pop angesiedelten Singer-Songwriter Ed Sheeran und Noah Kahan. „Das ist so ein bisschen die Richtung, die ich für mich sehe in der Musik und wo musikalisch auf jeden Fall Ähnlichkeit da ist.“

Im Frühjahr 2026 wird Mattis Brodersen weiter an dieser Musikrichtung feilen. In Berlin wird er in einem renommierten Musikstudio, in dem schon viele große Musiker aufgenommen haben, ein neues Album aufnehmen. Ein Produzent, der an der Ostsee wohnt, hat ihn im NDR-Fernsehen gesehen und ihn in die Hauptstadt vermittelt. Die Kosten hierfür muss Mattis Brodersen allein tragen. Zielstrebig wie er ist, hat er über 12.000 Euro mit einer Crowdfunding-Aktion im Internet zusammengetragen.

„Ich bin Singer-Songwriter von der Insel Föhr.“
Mattis Brodersen

Der Karriereschritt von Föhr nach Berlin ist möglich geworden durch Fleiß und viel Eigeninitiative. Sein erstes Album hat er komplett allein produziert. Aufgenommen hat er „Part One“ in seinem „Home-Studio“, das er selbst eingerichtet hat. Im Januar 2025 hat er das Album im Internet veröffentlicht. Hier hat ihn ein Musiklabel entdeckt und unterstützt Mattis Brodersen seitdem.

Der Ursprung für so viel musikalische Leidenschaft findet sich in Mattis Brodersens Herkunft. In seiner Familie wird seit jeher viel Musik gemacht. Schon sein Großvater mütterlicherseits sei als Alleinunterhalter unterwegs gewesen, erzählt er. Wie viele Feringer im ländlichen Teil von Föhr gehören seine Eltern nicht nur einem Chor an. Ob Kirchenchor, Männergesangsverein, Musikfreunde Föhr-West oder die Kapelle der Feuerwehr, überall ist auch Mattis dabei. Der Grundstein hierfür wird in der Musikschule gelegt – von der musikalischen Früherziehung und Posaunenunterricht kommend, greift er als Teenager zur Gitarre.

Eine Karriere als Musiker plant er nach dem Schulabschluss zunächst nicht. Er bleibt der väterlichen Wurzel bei der Berufswahl treu. In vierter Generation macht er eine Ausbildung zum Maler. Doch nach Gesellen- und anschließender Meisterprüfung stellt Mattis Brodersen 2018 seine Heimat in Frage. Er will weg. Australien ist sein Ziel.

„Also 2023 habe ich als Maler aufgehört und mache seitdem Vollzeit Musik.“
Mattis Brodersen

Dort lernt er tauchen, reist weiter nach Thailand und wird Tauchlehrer. Immer mit dabei eine Gitarre, die er sich in Australien gekauft hatte und mit der er jetzt in thailändischen Kneipen Musik macht. Das erste Mal bekommt der Musiker Geld dafür, dass er vor Publikum spielt. Das beflügelt ihn und er stellt sich die Frage, wieso er das, was er in den Bars und Kneipen Thailands macht, nicht auf Föhr macht. Zeit, diese Frage für sich zu beantworten, hat Mattis Brodersen nicht. Die Welt geht Anfang 2020 aufgrund der Corona-Pandemie in den Lockdown. Er kehrt zurück nach Föhr.

Zurück in der Heimat beginnt der Föhrer mehr und mehr die Musik zu seinem Beruf zu machen. 2021 meldet er ein Gewerbe an, macht Musik in Kneipen, auf Hochzeiten und Privat-Veranstaltungen aller Art. Er spielt Cover-Songs, die jeder kennt und mitsingen kann.

„Friesisch ist cool, friesisch ist nicht old-school. Friesisch kann auch Hip-Hop.“
Robert Kleih

Der Gedanke wächst heran, Songs selbst zu schreiben. Mattis Brodersen möchte eigene Musik veröffentlichen, muss dafür aber lernen, wie Musik aufgenommen und produziert wird. „Das habe ich mir alles autodidaktisch über Videos und Kurse, die man online findet, beigebracht“, schildert der Künstler seinen Werdegang. All das läuft parallel zu seinem Ursprung. Er arbeitet im familiären Malerbetrieb. Der Lebensunterhalt muss verdient werden. Damit ist nach zwei Jahren Schluss. Als Musiker wagt er den nächsten Schritt. „Also 2023 habe ich als Maler aufgehört und mache seitdem Vollzeit Musik.“ Seit drei Jahren nun finanziert er mit Musik seinen Lebensunterhalt.

Ein junger Mann, der umtriebig seine musikalische Karriere vorantreibt und dabei seine Verbundenheit mit seiner Heimatinsel offen zum Ausdruck bringt, wird auf Föhr natürlich wahrgenommen. So auch von den Verantwortlichen der Ferring-Stiftung. Die in Alkersum ansässige Stiftung hat zur Aufgabe, die friesische Kultur und Sprache zu fördern und zu erforschen. Ein Album des Feringer Singer-Songwriters in seiner Muttersprache Friesisch zu finanzieren, passt gut in das Programm der Stiftung. Nach eineinhalb Jahren Arbeit an dem Album veröffentlicht Mattis Brodersen das Album „Fering“ im November 2025.

12 Lieder auf Friesisch sind auf dem Album. Eigene Songs und fremde Lieder verbinden moderne und traditionelle Klänge. „Friesisch ist cool, friesisch ist nicht old-school. Friesisch kann auch Hip-Hop“, beschreibt der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Robert Kleih die Gründe für die finanzielle Förderung des Albums, das auch als CD erhältlich ist. Friesisch, das auf Föhr noch von etwa 3000 und auf Amrum von etwa 500 Menschen gesprochen wird, gilt als stark gefährdet. „Wir wollen es bekannt machen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Das kann mit „Fering“ gelingen. Mattis Brodersen hat von der Band Die Ärzte die Genehmigung bekommen, den Song „Junge“ auf friesisch „Sune“ zu covern. Der punk-rockige Song ist auch auf Friesisch stimmungsgeladen, eingängig und tanzbar.

Unternehmen aus der Region

Mattis Brodersen wird auch 2026 wieder am Sandwall in Wyk und anderen Orten auf Föhr und Amrum Musik machen. Ein Auftritt in der NDR Talk Show steht im Juli auf dem Programm.

Mehr zu Mattis Brodersen
https://artist-mattis.netlify.app
Instagram mattis.brodersen_music

Mehr zu friesischer Identität und Sprache
https://ferring-stiftung.de Instagram ferring_stiftung

Die CD „Fering“ kann online bei der Ferring-Stiftung oder in zahlreichen Supermärkten auf Föhr gekauft werden.

Text: Sabine Giesbert-Wilke

Mattis Brodersen in concert:

13. Mai 2026: Beachparty bei Pitschi's am Südstrand in Wyk
1. bis 11. Juni 2026: „Musik am Meer“ im Pavillon am Sandwall (3-mal täglich um 11, 15 und 20 Uhr)
21. Juli 2026: Dünen-Campingplatz in Wittdün auf Amrum


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