Trotz norddeutschen Schietwetters ist es den Besuchern der Sternwarte Tornesch am Donnerstagabend gelungen, spektakuläre Blicke auf die Mondoberfläche zu erhaschen. Über eine brandneue Astro-Kamera könnte es den Hobbyastronomen des Vereins bald gelingen, noch mehr Details sichtbar zu machen.

Am frühen Abend ist es noch sternenklar, doch wenig später macht der norddeutsche Himmel seinem Ruf alle Ehre: Wolken ziehen auf. Das Teleskop auf dem Dach der Klaus-Groth-Schule (KGST) hat Annette Sieggrön vom Verein Regionale Volks- und Schulsternwarte Tornesch trotzdem aus gerichtet.
Und immer können Besucher der Astronacht durch Lücken in der Wolkendecke für einen kurzen Moment den stark vergrößerten Mond bewundern. Miriam Mohr aus Barmstedt schwärmt: „Gigantisch, das habe ich noch nie live mit eigenen Augen gesehen – das ist schon eine ganz andere Liga!“ Dass es in Tornesch eine öffentlich zugängliche Sternwarte gibt, findet sie „großartig“. Ihre Tochter Janne (15) reagiert etwas verhaltener. Zwar habe auch sie den Mond auf diese Weise nun erstmals mit bloßen Augen gesehen - „aber man kann es ja auch googeln“.
Besucherin
Die zwölfjährige Emma aus Tornesch findet den besonderen Blick auf den Mond „unglaublich - er ist groß und schön, das ist so cool!“ Ihrem Vater Lasse Lütjohann hat auch der vorherige Vortrag der Sternenfreunde gut gefallen. „Wir sind dabei durch die Sterne gesurft“, erzählt er. Beeindruckt habe ihn der Fakt, dass der Schulterstern des Orion ein roter Riese sei und quasi stündlich damit gerechnet werde, dass er in einer Supernova endet.
Anke Sand aus dem Kreis Pinneberg freut sich darüber, dass es eine Sternwarte quasi direkt vor der Haustür gibt.„Sonst sind wir immer bis nach Geesthacht gefahren“, berichtet sie. Beim Blick ins All berühre sie vor allem die Relativität der Zeit, erklärt sie: „Ich finde es spannend, dass man selbst so ein kurzes Leben hat im Vergleich zu kosmischen Dimensionen.“
Besucherin
Dass der Himmel über Tornesch gerade nicht durchsichtig ist, ist laut dem Vereinsvorsitzenden Bodo Hübner keine Seltenheit. „Wir sind hier in Norddeutschland“, konstatiert er. Pro Jahr gebe es 30 bis 40 Nächte, in denen man „einigermaßen“ beobachten könne - „gut“ gehe es bloß in 20 Nächten. Am besten seien die Bedingungen „bei Neumond und knalligem Himmel“ - und das sei sehr selten der Fall.
Solche Nächte mit dem Tornescher Teleskop zu nutzen, lohne sich, sagt Hübner. Bis zu 700-fach könne das Gerät die Objekte am Himmel vergrößern. „Entscheidend ist aber, dass es ein 2590-mal größeres Gesichtsfeld hat als das menschliche Auge“, erklärt Hübner. „Jeder weiß dass der Saturn Ringe hat. Aber wenn man sie das erste Mal sieht, ist es wow!“
Mit einer neuen Astro-Kamera im Wert von 3000 Euro, die die Aktivregion gesponsert hat, können die Sternenfreunde bald sogar noch mehr sichtbar machen. Während das menschliche Auge nachts nur Grautöne erkennen kann, könne diese Kamera etwa roten Nebel abbilden, erklärt Hübner. Auch sehr lichtschwache Objekte könne man auf den Bildern dann sehen.
Michaela Eschke
► Die nächsten Tornescher Astronächte beginnen am Donnerstag, 6. März, um 20 Uhr, am Donnerstag, 3. April um 20 Uhr, am Donnerstag, 1. Mai, um 21 Uhr und am Donnerstag, 5. Juni, um 21 Uhr. Treffpunkt ist jeweils einige Minuten vorher vor dem Haupteingang der KGST, Klaus-Groth-Straße 11. Der Eintritt ist frei.