
Im Vordergrund stehen immer die Bedürfnisse der Teilnehmenden Wichtig ist, was sie mitbringen und worüber sie sprechen möchten“, betont Britta Reimer.„Wir geben lediglich den Rahmen.“ Gemeinsam mit Annette Oellerking leitet die ausgebildete Trauerbegleiterin seit rund einem Jahr die Trauergruppe im Treianer Staudenhof Zwischen acht und zehn Trauernde treffen sich an jedem letzten Dienstag des Monats dort, um sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen. „Wir betreuen hier eine sehr gemischte Gruppe mit unterschiedlichen Hintergründen und Schicksalen“, ergänzt sie.„Und damit fühlen sich auch alle wohl, gleichgültig, welchen Verlust sie beklagen. Trauer wird hier nicht bewertet.“
Wer trauert, der durchlebt das sehr individuell, mit unterschiedlicher Intensität und ganz verschiedenen Bedürfnissen. „Manchem fällt der Einstieg in die Auseinandersetzung mit der Trauer in einem Einzelgespräch leichter als sich direkt in einer Gruppe zu öffnen“, weiß Anja Tewes. Was zu wem passt, lotet die leitende Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Schleswig gemeinsam mit ihrem Team und mit jedem Betroffenen individuell aus. Dabei stößt sie immer wieder an ihre Grenzen des Machbaren, denn deutlich ist zu spüren, dass dem wachsenden Bedarf viel zu wenige Angebote gegenüberstehen. Die Kapazitäten sind bei Institutionen und Therapeuten erschöpft. Gerade Trauernde benötigen aber sofort Unterstützung und können nicht wochenlang auf einen Gesprächstermin warten. „Ich kann doch niemanden abweisen, der mir weinend am Telefon seine Geschichte erzählt“, sagt sie. „Wir finden immer eine Lösung.“
Zu den Trauerbegleitern gehört ein großer Pool ehrenamtlicher Helfer. Sie sind fachlich geschult und werden kontinuierlich weitergebildet. „Im Sommer werden wir einige an drei Wochenenden theoretisch und praktisch anleiten und damit ihre Kompetenzen gerade in Bezug auf niedrigschwellige Trauerbegleitung erweitern“, erklärt Anja Tewes. Trauerbegleitung wird - im Gegensatz zur Sterbebegleitung - nicht refinanziert, sondern ist allein spendenfinanziert. Das gilt auch für Schulungen und Weiterbildungen der Trauerbegleiter. Umso mehr freuen sich Anja Tewes und Britta Reimer über 2.000 Euro, die sie von den Klangträumern bekamen. Das Gesangsensemble hatte während ihrer Weihnachtskonzerte für den Ambulanten Hospizdienst gesammelt. „Unser Mitsänger Frank hat seine letzte Zeit im Hospiz verbracht. Wir haben hautnah mitbekommen, welche hervorragende Arbeit dort geleistet wird“, betont Jörg Bilet. „Und wir erleben den Ambulanten Hospizdienst hier im Staudenhof. Dieses Engagement für die Trauernden möchten wir unterstützen und so etwas zurückgeben“, Silke Thomsen.
Die Trauergruppe im Staudenhof ist offen. Man kann jederzeit einsteigen, auch ohne Anmeldung. „Und natürlich gibt es keine Verpflichtung zu erscheinen“, erklärt Britta Reimer. „Nicht immer steht einem ja der Sinn nach Gesellschaft. Die Tagesform entscheidet.“ Man kann auch eine Pause einlegen und später wieder einsteigen. Zwei Stunden lang ist Zeit für Trauer, Zeit für Gespräche, Zeit allmählig aus dem Schneckenhaus zu kriechen und sich ein Netzwerk aus Menschen aufzubauen, die verstehen, was man durchlebt. „Verständnis haben viele“, weiß Britta Reimer. „Aber die Situation verstehen ist etwas ganz anderes. Hier ist ein sicherer Ort, an dem man sich trauen kann, seine Geschichte zu erzählen.“
ckb
Info
Der Ambulante Hospizdienst bietet ein umfassendes Angebot für Trauernde. Es reicht vom Einzelgespräch über Gesprächsgruppen für Kinder, Jugendliche, verwaiste Eltern, Betroffene nach Suizid bis zum Lichtblick-Café. Alle Informationen und Ansprechpartner sind auf der Website zu finden: www.hospizdienst-schleswig.de