Man verlässt die B 199 bei Lehbek und biegt bei Tranbüll links ab, um dann zunächst nach Stangheck zu gelangen. Dann kommt auch schon die Gemeinde Schörderup, die zu Gulde gehört, das wiederum ein Ortsteil von Stoltebüll ist. Die Straße wird immer schmaler, die Fahrzeuge immer weniger, und dann liegt sie plötzlich links: die Weltbrauerei. Was man vielleicht in Hamburg, Berlin oder im nordfriesischen Welt auf Eiderstedt vermuten würde, liegt tatsächlich im tiefsten Nordangeln, auf dem Bauernhof der Familie Frank.
Hier wurden im vergangenen Jahr 52.000 Liter Bier gebraut und abgefüllt, in diesem Jahr werden es voraussichtlich rund 60.000 Liter sein. In diesen Größenordnungen darf man noch von Litern sprechen, die Hektoliter bleiben der Brau-Industrie vorbehalten. Der Brauerei-Chef ist erst 28 und heißt Hannes Frank. Die Weltbrauerei hat er schon vor sieben Jahren übernommen und dürfte damals mit 21 der jüngste Brauerei-Besitzer Deutschlands gewesen sein. Seitdem hat Frank eine kleine Erfolgsgeschichte geschrieben - und schreibt sie immer weiter.
Nach ihrem Umzug von Taarstedt bei Schleswig, wo die Brauerei 2012 gegründet wurde, nach Schörderup hat sie Platz in einer früheren Scheune mit schmucker Backstein-Fassade gefunden. Die nagelneuen Edelstahl-Tanks und das Sudwerk verströmen eine Atmosphäre von Hightech und bilden einen Kontrast zum ländlichen Umfeld. Durch die offenen Türen und die Fenster fällt der Blick auf ein Weizenfeld, draußen herrscht eine himmlische Ruhe.
Im Stall nebenan leben die Schweine; Vater Frank betreibt hier eine Ferkel-Aufzucht. „Nicht mein Ding“, sagt Hannes, der ebenso wie seine Schwestern diese Art der Landwirtschaft nicht übernehmen wollte. Nur noch wenige Jahre geht es weiter, bis Vater Frank aufs Altenteil geht. „Und dann herrscht hier Massenbierhaltung statt Massentierhaltung“, sagt Sohn Hannes und grinst. Schon heute helfen die Mama und die Schwester in der Weltbrauerei, zum Beispiel beim Werksverkauf.


Hannes Frank hatte bei Diebels in Issum Brauer und Mälzer gelernt. 2016 besuchte er mit der Familie ein Brauereifest der Weltbrauerei in Taarstedt und kam mit den damaligen Eigentümern ins Gespräch. „Ich sprach Arne Eggert an, dachte mir, dass es da vielleicht einen Job für mich gibt.“ Einen Job gab es nicht, dafür zwei Wochen später das Angebot, die ganze Brauerei zu kaufen. Er ging zu seinem Vater. „Was grinst du denn so?“, fragte der. Er erzählte ihm von dem Angebot. „Und dann grinste er auch.“ Der Deal wurde vollzogen.
Nach seiner Ausbildung wollte Hannes zurück in die Heimat, die große Brauerei vor Ort hatte keinen Job für ihn. Also kaufte er sich einfach eine Brauerei. „Die hatte einen Kundenstamm, eine Homepage, eine starke Marke mit viel Potenzial.“ Aber nur wenig Platz, ganze 70 Quadratmeter in Taarstedt. Jetzt hat er 240, ein dreimal so großes Sudwerk und 18.000 Liter Lagerkapazität statt vorher 5000. Im Jahr 2022 wurden 36.000 Liter braut und abgesetzt, 2023 waren es schon 52.000 Liter. Frank schätzt, dass die Anlagen mindestens eine Verdoppelung ermöglichen. Doch er plant ein langsames, behutsames Wachstum. Nach dem Umzug hat Hannes Frank kräftig investiert und fast alles neu gekauft. Nur die Abfüllanlage hat er übernommen. Die alten Geräte hat er „an Kumpels“ verkauft, die tut jetzt Dienst in NRW.
Apropos Liter: Hannes steht auf die Marke „Angeliter“. Wieder grinst er breit. Angeln und Liter in einem Wort. Tatsächlich gibt es das Bier der Weltbrauerei nur aus dem Zapfhahn oder in der Literflasche. Wie das? Da ist zunächst mal die Marke: der Liter aus Angeln. Die Flasche sei ein Alleinstellungsmerkmal und habe einen Wiedererkennungswert. Noch wichtiger jedoch: Die winzige Abfüllanlage erfordert viel Handarbeit. Sie wird insgesamt acht bis zehn Mal in die Hand genommen, bis sie im Verkaufsregal steht. Diese Arbeit würde sich bei Halbliterflaschen verdoppeln. Im Handel kostet der Liter Pils oder Dunkel sechs Euro plus 1,50 Euro Pfand. Vom Fass gibt es das Angeliter unter anderem in Kappeln, Gelting und Lindaunis.
In einem kleinen Extraraum lagert das Malz, das Hannes Frank aus Hadersleben bezieht. In einer kleinen Maschine wird es geschrotet und dann über ein Rohrsystem ins Sudwerk befördert, wo es mit dem aufbereiteten Wasser aus der örtlichen Versorgung gemischt wird. Der Hopfen kommt aus dem bayerischen Hallertau, dem großen Hopfen-Anbaugebiet der Welt. Aber nicht zu 100 Prozent. Ganz hinten auf dem Grundstück des Hofs, hinter einer Halle, hat Hannes einen kleinen Hopfengarten angelegt. So richtig zufrieden ist er mit dem Wachstum bisher noch nicht, der Regen Ende Mai hat dem Hopfen zugesetzt. Doch im September dürfte er soweit sein. Dann wird er damit das SchöPi veredeln, das Schörderuper Pils. „Das hat ein leicht fruchtiggrasiges Aroma. Ein sehr besonderes Bier!“ Dafür wird der Hopfen frisch gepflückt und sofort verbraut.
Das Bier gibt es im Einzelhandel, die Liste der Verkaufsstellen findet sich auf der Homepage. Regelmäßig werden Brauerei-Führungen angeboten. Ein großer Raum für Verkostungen ist vorhanden und muss noch schick gemacht werden. Hinten auf dem Grundstück stehen der Lieferwagen und der Bierwagen für größere Feste oder Veranstaltungen. Zapfanlagen kann man leihen, auch gibt es ein Zehn-Liter-Fass, aus dem man den Gerstensaft auch ohne Anlage zapfen kann. „Dann muss man das Fass aber auch leer trinken“, gibt Hannes zu bedenken. Das sollte bei bierdurstigen Angelitern aber kein Problem sein. pop
Joachim Pohl