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„Mittendrin“: Eine bunte Gesellschaft vieler Möglichkeiten

„Mittendrin“ - der Treffpunkt in Eckernförde für Zugewanderte, Ehrenamtliche und alle am gemeinsamen Miteinander Interessierten. Foto: UTS

Verein UTS bietet in Eckernförde das Begegnungsangebot „Mittendrin“ für alle Menschen an

Harise Nabkiyeh - schon mal probiert? Harise ist ein syrischer Grieẞkuchen, der mit Zuckersirup getränkt und dessen Teig mit Ghee, angesetzt ist. Er muss vor dem Backen mindestens zwölf Stunden geruht haben. Für diesen Kuchen muss kein Delikatessen-Fachgeschäft aufgesucht werden.

Den backen ehrenamtlich tätige Syrerinnen zu besonderen Anlässen bei „Mittendrin“dem Treffpunkt, in Eckernförde für Zugewanderte, Ehrenamtliche und alle am gemeinsamen Miteinander Interessierten.„Mittendrin“ führt das Willkommens-Cafe fort, mit dem, zu Beginn der „Flüchtlingskrise“ und später des Krieges in der Ukraine, die Geflüchteten hier begrüßt worden sind.

Jeden ersten Donnerstag im Monat wird von 17 bis 18.30 Uhr in der Bürgerbegegnungsstätte, am Rathausmarkt 3, in den Räumlichkeiten der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) eine lockere Möglichkeit zum Austausch und Informieren angeboten. Zunächst beginnen die Treffen mit einem kleinen Fachvortrag zu Themen, die relevant für Zuwanderung, Jobsuche und andere Bereiche sind.

Die Veranstaltung erfolgt bei Bedarf mehrsprachig (ukrainisch, arabisch, oder weitere). Eine Kinderbetreuung ist auf Nachfrage möglich. Doch Kernstück der Nachmittage sind die lebendigen Begegnungen von Mensch zu Mensch. Sie tauschen sich aus, unterstützen und informieren sich und lernen die jeweilige andere Kultur besser kennen.

Zur Kultur gehört eben auch Essen. So erfahren Besucherinnen und Besucher, dass die Stadt Nabek in Syrien für die Harise bekannt ist. So sehr, dass es für viele einfach Harise Nabkiyeh heißt. Übersetzt: Harise aus dem Nabek.

Der Krieg in der Ukraine dauert inzwischen drei Jahre. Die Menschen, die einst vor ihm geflohen sind und Hoffnung hatten, bald zurückkehren wieder zu können, sind noch immer hier. Für sie braucht es Lebensperspektiven, Unterstützung beim schulischen Betrieb oder auf den Ausbildungswegen. Manche Kinder sind schon hier geboren. Für sie alle braucht es Begleitung, damit sie sich in ihrem Bleiben wohlfühlen und entwickeln können.

So ist aus der Willkommenskultur eine „Bleibe-Kultur“ geworden. Seit 1992 kümmert sich UTS darum, der Verein Umwelt Technik Soziales. Er ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Rendsburg und Geschäftsstelle in Eckernförde. Seit 1992 engagiert er sich in vielen Projekten für die gesellschaftliche Integration und soziale Teilhabe Benachteiligter durch Bildung, Beschäftigung und Beratung. Der Großteil seiner Arbeit findet im Kreis Rendsburg-Eckernförde statt - über verschiedene Netzwerke und Angebote ist er aber auch in ganz Schleswig-Holstein tätig. UTS ist seit mehr als 25 Jahren Mitglied im Paritätischen Schleswig-Holstein.

„Unsere Aufgaben und Arbeitsfelder sind nahezu in all den Jahren gleichgeblieben. Allerdings ist die Nachfrage nach unseren Angeboten extrem angestiegen“, hat Wyonne Ulrich, Geschäftsführerin UTS, beobachtet. Gefördert wird mit Migrationsberatung und - begleitung, mit Arbeitsmarktberatung und -unterstützung sowie mit Sprachförderung. Vor allem letztere ist enorm wichtig und speziell für diesen Bereich werden auch immer wieder ehrenamtlich tätige Lehrkräfte gesucht. Ob für Nachhilfe, Zusatzunterricht oder auch einfach zum gemeinsamen„Sprechen üben“.

„Für eine gelingende Integration sind Sprachkenntnisse wichtig“, sagt Wyonne Ulrich. Doch nicht nur Satzbau und Grammatik hilft, sondern auch eine Menge Mut und das Wissen darüber, wie sind die Menschen, mit dem anderen kulturellen Hintergrund, wie ticken sie. Wem ist was wichtig und warum?

Viele junge Menschen kommen auch über internationale Ausbildungsprojekte, Fachkräftezuwanderung oder den Freiwilligendienst aus dem Ausland nach Deutschland. Oft bereichern sie die ambulante oder stationäre Altenhilfe oder sind in anderen pflegerischen oder medizinischen Bereichen aktiv. „Fest steht, dass eine bunte Gesellschaft für alle Beteiligten einen Mehrwert hat“, ist sich die UTS Geschäftsführerin sicher, „in anderen Ländern gibt es soviel Fachwissen, weil sie beispielsweise im Ingenieurwesen weiter entwickelt sind, als hierzulande. Es ist doch ein Schatz, den es zu heben lohnt, wenn wir uns austauschen, wenn wir voneinander lernen.“

Im Jahr 2022 hatten etwa 25 Prozent aller Pflegefachkräfte in Deutschland einen Migrationshintergrund. Bei UTS selbst sind 50 Prozent der Mitarbeitenden, Honorarkräfte und Ehrenamtlichen mit Migrationshintergrund, teilweise auch mit eigener Fluchterfahrung. Die Hilfesuchenden selbst kommen aus allen Herren Ländern. Würden für sie Fähnchen gesteckt, käme ein bunt gespickter Globus dabei raus. „Ich finde es unfassbar, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, die sich daraus ergeben!“

Sabine von Varendorff

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