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Tierschutzzentrum Weidefeld: Ein Refugium für geschundene Tiere

Kragenbärin Malvina lebt seit zwei Jahren in Weidefeld.

Tierschutz und Natur: Das Tierschutzzentrum Weidefeld bei Kappeln ist eine bundesweit beachtete Einrichtung

Malvina“ liegt gut versteckt im hohen Gras hinter einem herunterhängenden Ast und ist kaum zu sehen. Natürlich hat die Kragenbärin die beiden Zweibeiner längst entdeckt, die sich langsam nähern und dann auf die Aussichtsplattform auf dem Bunkerdach steigen. Von hier kann man gut in die Bären-Gehege blicken, und schon zeigen sich zwei auffällig helle Braunbären - voller Hoffnung, dass die Zweibeiner etwas zum Fressen mitbringen.

Katrin Umlauf
Katrin Umlauf

Die Bären haben ihre mehrfach gesicherten Flächen mit Hügeln, Bäumen und Gewässern ganz hinten im weitläufigen Areal des Tierschutzzentrums Weidenfeld, wie es meist kurz genannt wird. Eigentlich heißt es Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld. Die Bären sind zwar das Highlight in Weidefeld, aber bei weitem nicht die einzigen Tiere. Die Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes ist Heimat und Gnadenhof, Rettungshafen und Päppelstation für etliche Tiere diverser Gattungen und Größenordnungen.

Im Hundehaus leben einige Härtefälle Hunde, die schwer oder gar nicht zu vermitteln sind, die schon mal zugebissen haben oder, wie es Dr. Katrin Umlauf sagt, „die einfach immer gern diskutieren.“ Die Leiterin des Tierschutzzentrums ist selbst Hunde-Expertin, hat zu Hause drei Hunde, von denen zwei auch schon mal mit zur Arbeit dürfen. Sie begrüßen Frauchen stürmisch, als sie von einer Runde durch das Gelände zurückkommt.

Der Deutsche Tierschutzbund, Träger der Einrichtung ganz in der Nähe der Ostsee, hatte im Jahr 1995 das frühere Munitionslager der Bundeswehr übernommen. Katrin Umlauf kam im Jahr 2000 zum Deutschen Tierschutzbund, wo sie zunächst als Referentin im Heimtierbereich tätig war und 2003 die Leitung des Tierschutzzentrums Weidefeld übernahm. Die frühere Nutzung erkennt man vor allem an den ehemaligen Munitionsbunkern, die heute als Lager- und Geräteräume genutzt werden, aber auch vielen Tieren als wärmender oder kühlender Unterschlupf dienen.

Besonders warm ist es im Reptilienhaus, wo rund 200 Reptilien leben, darunter auch einige stattliche Pythons. Die größte von ihnen heißt Norman und ist eine Netzpython, die so stark ist, dass man sie mit vier Personen händeln muss. Ein Bengalen-Waran lebt hier ebenfalls, er sei als blinder Passagier auf einem Schiff nach Deutschland gekommen, sagt Katrin Umlauf. Reptilien kommen häufig hierher, weil ihren früheren Besitzern die Energiekosten zu hoch geworden sind. Natürlich lehnt Katrin Umlauf die Haltung exotischer Tiere zu Hause ab.

Das Tierschutzzentrum, das in seiner Art einmalig in Deutschland ist, ist mit der Zeit gewachsen. Heute arbeiten hier 20 Personen, darunter allein zehn Tierpfleger. Seit 2002 wird hier ausgebildet, auch in diesem Jahr kommen vier neue Auszubildende hinzu. „Unsere Absolventen gehören häufig zu den besten“, freut sich die Leiterin.

Die beiden Rhesus-Affen im Affenhaus, Vater und Sohn, sind häufig übel gelaunt, warnt sie vor Betreten des Affenhauses. Recht hat sie: Der neue Besucher wird fauchend begrüßt und streng fixiert. Katrin Umlauf vermutet, dass es etwas mit ihrer früheren Behandlung zu tun hat. Außerdem dürfen sie heute nicht raus, weil das Außengehege einen neuen Bodenbelag bekommt.

Auf dem langen Asphaltweg steht ein Pferd unschlüssig herum. „Ein Tarpan“, erklärt Katrin Umlauf. Es ist eine Art Urpferd, im 18. und 19. Jahrhundert ausgerottet und später zurückgezüchtet. „Sie sucht die anderen beiden“, sagt Katrin Umlauf. Die Tarpane sind fast noch länger hier als sie selbst, sie müssten über 20 Jahre alt sein. Auf dem Asphalt können sie sich gut die Hufe ablaufen. Als eines der wenigen Tiere dürfen sie hin und wieder frei herumlaufen - so wie die Pfauen.

Was gibt es noch im Tierparadies Weidefeld? Hühner, die hier wieder lernen, wie normale Hühner zu leben, „Schnappi“, das hier kein Krokodil ist, sondern eine Schnappschildkröte, Ziegen, Schafe, einen indischen Uhu und weitere Greifvögel, eine Bentheimer Sau in rosa-grau, die Siesta im Staub hält, Papageien, von denen einer ziemlich gerupft aussieht, aber mit gutem Appetit das gesunde Essen vertilgt, und noch einige weitere Tiere.

Und natürlich die Bären, von den die ersten 2019 kamen. Neben den drei Kragenbären „Malvina“, „Balou“ und „Serenus“ leben hier noch die Braunbärinnen „Maya“, „Mascha“ und „Ronja“. Sie sind die große Attraktion des Tierschutzzentrums und scheinen ihr neues Zuhause zu mögen.

Die Nähe zur Ostsee wurde einigen Tieren bei der Oktober-Sturmflut 2023 fast zum Verhängnis. Das Wasser sei nicht mehr weit weg gewesen, erinnert sich die aus Husum stammende Leiterin. Die Hühner hatte man schon auf den Dachboden evakuiert. Die Bären hätte man in die Bunker verräumen müssen, für die es einen Hochwasserschutz gibt. „Wir haben hier richtig gezittert.“ Gebangt wird zudem um die ebenfalls vom Tierschutzbund betriebene Einrichtung in Odessa am Schwarzen Meer, das immer wieder von russischen Raketen angegriffen wird. Kurz nach Beginn des Krieges hat man deshalb neun Hunde von dort nach Weidefeld gebracht. Auch Bärin „Malvina“ stammt aus der Ukraine. Katrin Umlauf ist mehrere Male dort gewesen.

Für Jugendgruppen, Schulklassen und Kindergartengruppen gibt es altersgerechte Führungen und Projekte zu Tier- und Naturschutzthemen. Doch auch für interessierte Besucher werden Führungen angeboten. Außerdem kann man hier sein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren.

Wer sich das weitläufige Tierschutzzentrum mit all seinen Häusern und Freigehegen anschaut, der ahnt, dass hier jedes Jahr viel Geld hinfließt. Doch es sind keine Steuergelder. Finanziert wird Weidefeld vom Deutschen sich Tierschutzbund, der wiederum vor allem aus Spenden finanziert.

Joachim Pohl


Zusammen sind wir stärker

Campingplätze an der Küste haben Folgen der Sturmflut fast bewältigt

Die Tourismus-Saison 2024 nimmt langsam Fahrt auf. Trotz des Ostseehochwassers Ende Oktober vergangenen Jahres an den Küsten rund um Eckernförde und auf Schwansen kommen die Urlauber. Den gesamten Winter wurde angepackt, zugepackt und aufgeräumt. Da die schwere Sturmflut an vielen Küstenabschnitten große Mengen Strandsand weggespült hatte, war viel zu tun. Wie sind die Campingplatz-Betreiber mit diesen besonderen Herausforderungen umgegangen? Auf was müssen sich Urlaubende einstellen?

„Alles klar“, sagt Klaus Dröger, Platzwart auf dem Campingplatz Gut Ludwigsburg. „Wir haben relativ viel Glück gehabt“, beschreibt er die Situation im vergangenen Herbst. Die Schäden seien von geringem Ausmaß. „Wir liegen höher als andere Campingplätze in der Eckernförder Bucht.“

Im Ostseecamp Lehmberg ist ebenfalls alles wieder aufgebaut, wenngleich dort erst einen Monat später als üblicherweise geöffnet werden konnte. „Es wurde den gesamten Winter gearbeitet.

Selbst bei Regen oder Schnee“, erzählt Inhaber Matthias Thomsen. Eines der Ergebnisse: der Schutzwall steht wieder und ist sogar 50 Zentimeter höher als vorher. Doch mehr als 2.80 Meter Höhe sind nicht zulässig. „Mit solchen Naturgewalten wie im Herbst konnte niemand rechnen. Und planen, dass sowas nicht wieder kommt, kann auch niemand.“ So tun alle ihr Bestes. „Seitens der Gutsverwaltung hatten wir große Unterstützung. Sie haben mit schweren Maschinen geholfen.“ Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Thomsen. So wurde auch hier Sand zurück an Land geschoben. Noch sind nicht alle Wege wieder gerichtet. Auch die Zufahrt zum Platz wird noch aufgebessert. Hauptsache aber: „Unsere Gäste sind sehr froh, dass es weiter geht.“

Auch auf dem Campingplatz Hemmelmark steht einer guten Saison nichts im Weg. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagt Martina Schulte, in der Rezeption zuständig für die Buchungen. Es sei nur ein Stück von einem Spazierweg weggebrochen. Außerdem sei tatsächlich im Lauf der Monate ein ganzes Stück Strand aufgespült worden, so dass er jetzt sogar breiter als vorher ist. Da zum Saisonende Ende September die Camper alles abbauten, habe keine Gefahr für Hab und Gut bestanden. Da hat es andere Campingplätze nach Norden hoch schwerer getroffen. Zum Teil sind 15 Plätze in der ersten Reihe, der direkte Strand Zugang und Vorbauten verloren gegangen. Der langanhaltende Oststurm, hat überall dort, wo er mit direkter Wucht auf die Küste traf, rasiermesserscharf abgeschnitten, was ihm im Weg war. Hinzu kamen Wasserstände mit einem Meter und mehr u ber dem mittleren Wasserstand mit sehr langer Verweildauer. Steilwände sackten ab, Erdrutsche drückten auf die Strände.

In Kleinwaabs sackte ein Teil der Straße vorne an der Küste weg und die Stahltreppe zum Strand schwamm in der Ostsee. Die Gemeinde hat deren Reparatur bereits beauftragt. Denn schon allein zur Sicherung der Rettungsmöglichkeiten, wenn am Strand etwas passiert, ist es wichtig, dass die Treppe so schnell wie möglich wieder benutzbar ist.

Auch der Ostsee Campingplatz Familie Heide hat mit fachlicher Kompetenz seitens des Wasserbau-Architekten Martin Zülsdorff den Strandzustand wieder so hergestellt, wie es zulässig ist. Auch Camping Hökholz ist gut für die Saison aufgestellt, denn die Sturmflut hat überschaubare Schäden verursacht. Allerorten haben die Menschen Hand in Hand gearbeitet. „Da jeder irgendwie betroffen war, bestand die gegenseitige Unterstützung besonders im Austausch von Ideen, Erfahrungen und Kontakten“, berichtet Philipp Hoff, Inhaber Ostseecamping-Gut Karlsminde. Rechtzeitig zu Ostern konnte der Platz die Tore öffnen. Die letzten Urlauberplätze waren bis Himmelfahrt wieder hergerichtet. „Die Unterstützung aus der Landwirtschaft war riesig. Unglaublich viele Landwirte haben uns ihre Ackerfeldsteine zur Verfügung gestellt, mit denen wir die Durchbruchstelle des wieder Küstenschutzes schließen konnten“, sagt er. Ein Landwirt aus Dithmarschen habe sogar seine mobil einsetzbare zapfwellen getriebene Pumpe nach Karlsminde gebracht. „Mit der konnten wir 1000 Kubikmeter Wasser pro Stunde zurück in die Ostsee pumpen.“ Norddeutsche „Musketiere“: alle füreinander, damit es gut wird.

Sabine von Varendorff

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