
Wenn Maja Makowka von ihrer Mama erzählt, dann sieht man der 21-Jährigen deutlich an, dass sie stolz auf ihre Mutter ist. Maja ist die älteste von drei Kindern und studiert an der Europa-Universität Flensburg Biologie und Sport. Hin und wieder läuft ihr ihre Mutter auf dem Campus oder in der Mensa über den Weg, oder sie sitzt mit ihr zusammen in einer Prüfung. Denn Iris Makowka studiert mittlerweile im fünften Semester an derselben Uni wie ihre Tochter. Das Ziel der 49-Jährigen: Grundschullehrerin. „Meine Kinder sind fast groß und ich kann mir das Unterrichten so gut vorstellen,“ sagt die ehemalige Leistungsschwimmerin. Zweimal hat sie nach dem Abi ein Studium „erfolgreich hingeworfen“. Auch zwei Ausbildungen nimmt sie sich in dieser Zeit vor und schließt beide mit sehr gutem Erfolg ab. „Wer erkennt, dass das Studium doch nicht das Richtige ist, darf abbrechen“, sagt Iris mit Überzeugung in der Stimme. Ein Mädchen und zwei Jungs bekommt sie mit ihrem Mann Mike, einem Profihandballspieler. Für den Beruf zieht die Familie oft um. Spanien, Italien und quer durch Deutschland geht der Weg.
Iris verdient als Schwimmtrainerin etwas dazu, arbeitet bis heute als Übungsleiterin für einen Flensburger Sportverein und übernimmt eine Zeit lang das Marketing in einem Immobilienunternehmen. Doch die Idee zu studieren, wird sie nie ganz loslassen. „Eigentlich hätte ich gern Sport gewählt“, sagt sie. Doch als der Entschluss gefasst ist, kommt die Pandemie dazwischen und der Eignungstest für den Studiengang wird ausgesetzt. „Super spontan“ entscheidet sie sich für die Fächer evangelische Theologie und Sachunterricht. Wie es sich anfühlt, mit knapp Fünfzig noch zu studieren? „Es ist Lebendigkeit und einfach ganz viel Freude“, sagt die angehende Lehrerin. Am Anfang wird sie von ihren Kommilitonen oft noch für eine Dozentin gehalten, doch bald schon ist die 49-Jährige mittendrin. „Ich gehöre als Stammesälteste komplett dazu und wir gehen auch mal zusammen feiern. Ich merke nur die 30 Jahre Unterschied, wenn ich in den Spiegel gucke“, lacht Iris.
„Es ist Lebendigkeit und einfach ganz viel Freude“
In einem halben Jahr wird sie anfangen, ihre Bachelorarbeit zu schreiben und bisher bringt sie nur Bestnoten nach Hause. „Mama ist megaschlau“, sagt Maja. Trotz Job, Haus, Familie, Hund, Hühner und Kater Moritz weiß sich Iris zu organisieren. Finanzielle Unterstützung wie Bafög bekommt sie nicht. Um zu lernen, steht sie oft schon um vier Uhr morgens auf. Sorge, dass sie vielleicht nach ihrem Abschluss keinen Job findet, hat sie nicht. „Ich bin gelassener als die Jüngeren und bringe Lebenserfahrung mit“, sagt die dreifache Mutter selbstbewusst. Eine Beamtenlaufbahn wird es wahrscheinlich für Iris nicht mehr werden, denn die Altersobergrenze für eine Beamtung hat sie überschritten. Doch Iris Makowka ist nicht die einzige ältere Studierende an der Uni Flensburg. „Da ist zum Beispiel Leoni, meine Freundin. Wir sind die Ü30-Fraktion. Sie rockt unser Studium mit zwei jüngeren Kindern und pendelt jeden Tag von Eckernförde nach Flensburg.“ So lädt Iris auch Freunde und Bekannte immer wieder dazu ein, sich als Gasthörer einzuschreiben. „Was gibt es Besseres als lebenslanges Lernen und ein Ziel vor Augen zu haben?“, so die sportliche Flensburgerin. Auch ihr Mann Mike unterstützt sie dabei. „Jetzt war genau der richtige Zeitpunkt dafür.“
Julia Voigt
Info
Studieren Ü50
Der Weg an die Hochschulen steht allen Menschen offen, die über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen. Auch wenn es keine bundesweite Regelung über eine Altersbegrenzung für die Aufnahme eines Studiums gibt, haben einige Hochschulen diese bei 55 Jahren angesetzt. Abgesehen davon haben ältere Studienbewerber die gleichen Rechte wie ihre jüngeren Kommilitonen; sie dürfen zum Beispiel auch am Losverfahren für freie Studienplätze teilnehmen. Rentner beispielsweise können sich als Gasthörer immatrikulieren, das heißt regulär einschreiben - laut Statistischem Bundesamt sind regelmäßig rund die Hälfte der Gasthörer über 60 Jahre alt.
Die Zulassungsvoraussetzungen variieren. Manche Hochschulen setzen das Abitur oder mindestens die Mittlere Reife voraus. Der Begriff „Seniorenstudium“ bezeichnet keinen speziellen Studiengang. Er fasst vielmehr Studienprogramme zusammen, die deutschlandweit von vielen Hochschulen angeboten werden. Im Gegensatz zu einem klassischen Studium schließt ein Seniorenstudium nicht mit einem akademischen Abschluss ab. Diese Art der Weiterbildung dient lediglich der Erweiterung des wissenschaftlichen Horizonts. Im Zentrum stehen das fachliche Interesse des Studierenden an Theologie, Germanistik, Philosophie oder anderen Fachrichtungen.