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Sunke Schmidtko: „Der Ozean ist das Herz im Klimasystem Erde“

FOTOS: SUNKE SCHMITDKO (2), ADOBESTOCK (1)

Schleswig-Holsteiner Meeresforscher und Klimawissenschaftler am GEOMAR auf Spurensuche im Ozean für die Zukunft des Planeten und die Klimaforschung

Der Schleswig-Holsteiner Sunke Schmidtko ist von Berufs wegen Forscher des Meeres und des Klimas. Am GEOMAR in Kiel macht er sich auf Spurensuche, um herauszufinden, wie und warum sich unsere Ozeane verändern. Die Redaktion hat ihn in seinem Büro mit Blick auf die Förde besucht.

Fragt man Sunke Schmidtko nach seiner genauen Berufsbezeichnung, muss der 48-Jährige jedes Mal wieder überlegen. „Ich glaube, es heißt Diplom-physikalischer Ozeanograf.“ Doch für den dreifachen Familienvater mit dem freundlichen Blick und der ruhigen Stimme ist er einfach „Meeresforscher“. Seit ein paar Jahren schon arbeitet er im GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. „Ich beobachte, welche Trends und Veränderungen im Meer passieren,“ fasst er seine Aufgabe mit einem Satz zusammen. Für Sunke Schmidtko heißt das unter anderem historische Daten sammeln, statistische Analysen erstellen, Programme schreiben, dekadische Schwankungen untersuchen, wissenschaftliche Publikationen verfassen und viel Zeit auf See zu verbringen.

Geboren auf einer kleinen Insel in Ostfriesland, hatte das Meer von Kindheit an eine besondere Bedeutung für ihn. „Es hat etwas Beruhigendes, aber gleichzeitig auch Unberechenbares.“ In der Schule war er eher die „faule Socke“, wie er selbst zugibt. Nur in den Fächern Mathematik und Physik wurden immer gute Noten nach Hause gebracht. Der Vater hätte gern gehabt, dass der Sohn etwas Bodenständiges lernt und eine Banklehre macht. „Aber Schlips und Hemd, das bin ich nicht“, sagt Schmidtko. Etwas mit Naturwissenschaften sollte es sein und der Friesenjung beginnt ein Physikstudium. 

Doch schon bald wird ihm klar, dass das nicht das Richtige ist. Im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur wälzt sich Sunke Schmidtko durch Aktenordner und bleibt beim Wort „Geophysik“ hängen. Vor allem, weil in der Beschreibung „Reisen“ steht. Er schreibt sich für die Ozeanografie an der Uni Kiel ein. Wann und wo entsteht ein Tsunami? Warum ist auf Sylt und Hamburg nicht zur gleichen Zeit Ebbe und Flut? „Auf einmal konnte ich mir die Welt, wie ich sie sehe, viel besser erklären“, erzählt er. Direkt an das Studium schließt Sunke Schmidtko seine Doktorarbeit an und wird zur gleichen Zeit Vater von Zwillingen.

Den Doktortitel in der Tasche geht es für ihn und seine Familie für Forschungsarbeiten zwei Jahre in die USA, an das NOAA Pacific Marine Environmental Laboratory in Seattle. Dort vertieft er sein Wissen über große Datenmengen und deren Analyse, für das „große ganze Bild“. „Die Zeit in den USA war unglaublich spannend“, erzählt Schmidtko. „Aber es gab auch Herausforderungen. Die politischen Kämpfe und Haushaltssperren machten unsere Arbeit oft schwierig.“ Letztlich musste die Familie die USA verlassen und für weitere zwei Jahre ging es dann weiter nach England ins Norwich in Norfolk.

Warum ist der vergangene Sommer besonders kalt gewesen? Warum ist das Wasser wärmer geworden? Warum gibt es in bestimmten Zonen im Meer kaum noch Sauerstoff? Wie wirkt sich das auf unsere Lebensbedingungen in Zukunft aus? All diesen Fragen geht Sunke Schmidtko auf den Grund. „Ich sehe mir die Datensätze genau an und suche nach Korrelationen und Verbindungen. Das ist für mich jedes Mal wie ein superspannender Krimi.“ Zu seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Erkenntnissen gehören die Erforschung von Erwärmungsprozessen des Wassers rund um die Antarktis und die Ausbreitung von Sauerstoffminimumzonen, auch bekannt als „Todeszonen“. 

Beide Phänomene haben erhebliche Auswirkungen auf die globale Klimaforschung und auf die Artenvielfalt in den Meeren. „Diese Zonen sind lebensfeindlich für viele Fische, aber einige Lebewesen wie Tintenfische können dort gut überleben“, erklärt der Forscher. Während seiner mehrwöchigen Expeditionen sammelt er zusammen mit einem Team Unmengen an Informationen aus den Tiefen der Ozeane. „Es ist wie ein riesiges Puzzle, das wir Stück für Stück zusammensetzen. Durch die Analyse kann man Zusammenhänge und Muster erkennen, die uns helfen, die großen Fragen des Klimawandels zu beantworten.“

Wenn Sunke Schmidtko nicht gerade irgendwo auf der Welt unterwegs ist, unterrichtet er Studenten, betreut Arbeiten, hält Vorlesungen und Seminare. Eine Herzensangelegenheit für den Meeresforscher ist die Aufklärungsarbeit und so ist er oft an Schulen, bei Verbänden und Vereinen vor Ort. „Der Ozean ist ein riesengroßer Wärmespeicher und er nimmt für uns ganz viel Wärme auf und macht dadurch das Leben auf der Erde erst möglich. Ich möchte meine Begeisterung für den Ozean weitergeben und erhoffe mir dadurch auch mehr Achtsamkeit und Wertschätzung für das Wasser. Der Ozean ist das Herz im Klimasystem Erde, das sollten wir uns alle immer wieder bewusst machen.“

Heute ist Sunke Schmidtko's Arbeit vielfältig und interdisziplinär. Er verbindet physikalische, biologische und chemische Aspekte der Ozeanografie und arbeitet eng mit Biologen, Chemikern und anderen Klimaforschern zusammen. Neben seiner Forschung und Lehre ist er auch an zahlreichen Projekten beteiligt, die Brücken zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bauen sollen. Eines dieser Projekte ist „SOOP - Shaping an Ocean of Opportunities“. Ziel dieses Projekts ist es, innovative Messmethoden zu entwickeln und den Zugang zu Daten zu erleichtern. „Wir wollen die Möglichkeiten der Forschung erweitern und sie für jeden zugänglich machen“, erklärt er.

Auch eine wissenschaftliche Karriere ist kurvenreich und nicht hundertprozentig planbar. Doch Sunke Schmidtko bleibt immer zielgerichtet und vor allem neugierig. „Ich habe nie bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Der Ozean gibt mir so viel und ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit etwas davon zurückgeben kann.“
//Julia Voigt

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