Bastian Fröhlig
Der zehnjährige Colin macht aus seiner Leidenschaft keinen Hehl: „Ich mag es laut und schnell.“ Vor gut zwei Wochen erhielt er seinen bisher größten Pokal: Er ist Deutscher Meister in der 13-PS-Klasse im Rasenmäherrennen. Wenn er den Motor startet, geht es kurz darauf mit bis zu 38 Kilometern pro Stunde (km/h) über den Acker.
Die Leidenschaft hat Colin von seinem Vater Mark Rohmann, der früher Rallye gefahren ist. „Rasenmäherrennen sind Rennsport für den kleinen Geldbeutel“, sagt der Holmer, der selbst in der offenen Klasse fährt. “Colins Vorteil ist allein schon sein Gewicht“, weiß der erfahrene Rennfahrer. Colins Mutter Miriam Herz ist bei den Rennen dabei, räumt aber ein, dass sie vom Tempo, mit dem ihr Sohn über die Äcker rast, nicht immer begeistert ist: „Das wurde mir scheibchenweise serviert. Zum Glück ist nie etwas passiert.“
Rund 500 Euro kostet eine Rennsaison - ohne Anfahrt und Übernachtungen. Darin sind Startgelder, aber auch Reparaturen an den Aufsitzmähern enthalten. „Die sind nicht auf dauerhafte Maximalgeschwindigkeit ausgelegt“, sagt Rohmann. Die Drehzahlbegrenzung wurde ohnehin entfernt. Sie liegt eigentlich bei 3000 Umdrehungen, für die Rennen bei 5500 bis 6000. „Das macht kein Motor lange mit“, weiß auch Colin mittlerweile.
Rund 1,5 Stunden wird an Renntagen aktiv gefahren. Benzinverbrauch: fünf bis sechs Liter. „Das ist überschaubar. Im Rallyesport ist man auch mal bei einem Liter pro Kilometer“, sagt Rohmann. Seinem Sohn war das aber zu viel: „Bei einem Rennen habe ich überlegt, wie viel Benzin ich verbrauche, und dass es nicht gut für die Umwelt ist“, sagt er. Er habe sich Gedanken gemacht, wie er das ausgleichen könne. „Das Thema kam von ihm, und er hat es mit mir diskutiert“, berichtet Rohmann. Miriam Herz ergänzt: „Bei mir war es auch Thema. Das hat ihn sehr beschäftigt.“ Colin beschloss daher, Spenden zu sammeln, um davon Bäume zu kaufen. Zusammen mit seinem Opa bastelte er ein Spendenschild, das beim ersten Rennen dem Regen zum Opfer fiel. Also fasste sich Colin ein Herz und bat den Moderator der Veranstaltung, sein Projekt vorzustellen. Und hatte Erfolg: „Ich habe bei einem Rennen 186 Euro gesammelt. Das war das erfolgreichste Rennen.“
Normalerweise steht sein Schild im Fahrerlager, das je nach Rennen für Besucher offen ist, neben seinem Renntrecker. „Einige werfen einen oder zwei Euro in die Spendenbox, auch Fahrer“, berichtet Rohmann. Colin hakt ein: „Da sind teilweise auch 20-Euro-Scheine dabei.“
Insgesamt hat der Zehnjährige bei den sechs Rennen 286 Euro gesammelt. „Im Fahrerlager kommt das gut an. Einige interessiert es gar nicht, andere finden es gut, dass Colin sich Gedanken macht“, berichtet Rohmann. Die hat sich die Holmer Familie auch über die Bäume gemacht. Denn schnell war laut Miriam Herz klar: „Im Garten ist zu wenig Platz.“ Also fasste sich Colin erneut ein Herz, vereinbarte einen Termin mit Holms Bürgermeister Uwe Hüttner (CDU). Der war von der Aktion direkt begeistert. „Die Gemeinde muss für den Baseballplatz eine Ausgleichsfläche schaffen“, zeigt sich Colin rechtssicher. „Der Bürgermeister hat mir angeboten, eine große Eiche zu kaufen oder eine Streuobstwiese zu pflanzen. Ich habe mich für die Streuobstwiese entschieden.“
Rasenmäherrennfahrer
Sie soll in den Holmer Sandbergen entstehen. „Ich habe zugesagt, werde das Thema in die Politik bringen, die entscheiden muss. Aber so viel Engagement muss man unterstützten“, findet Hüttner.
Colin ist überzeugt: „Es ist etwas für viele Menschen, hilft der Umwelt, Tieren und Insekten.“ Daher will er auch weiterhin bei den Rennen Spenden sammeln. Davon ist Miriam Herz begeisterter als vom eigentlichen Renn-Hobby ihres Sohnes: „Man muss nicht nur dagegen sein, sondern etwas tun.“
„Inspiration“: Kunst in der Kommunalen Halle
BARMSTEDT Gabriele Hackländer präsentiert von heute an neue Werke in der Kommunalen Halle des Barmstedter Rathauses. Die Künstlerin hat als Titel der Ausstellung „Inspiration“ gewählt – und das aus gutem Grund. So werden die Auslöser für ein Bild aufgezeigt und mit dem Kunstwerk - zusammen gezeigt. Hackländer ist seit mehr als einer Dekade als Hobbykünstlerin tätig. Sie hat bereits mehrfach ausgestellt und gehört den Barmstedter Kunstfreunden an. Die Vernissage beginnt heute um 11 Uhr. Anschließend sind die Bilder und plastischen Objekte bis Weihnachten während der regulären Öffnungszeiten der Verwaltung zu bestaunen: werktags von 8 bis 12.30 Uhr sowie zusätzlich am Montag und Donnerstag von 13.30 bis 16 Uhr sowie am Dienstag von 13.30 bis 18 Uhr. Mittwochs ist das Rathaus geschlossen. mbu