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Zwei Wege zum Genuss

Fotos: Benje Glindmeier. ABBILDUNGEN: STOCK.ADOBE.COM.

Johannes King freut sich auf die kalte Jahreszeit. „Manche Leute sagen: ‚Oh, im November ist es dann ja schon dunkel'. Ich finde das total angenehm, auch die Gemütlichkeit ist dann schöner oder auch mal ein Spaziergang bei Nieselregen am Strand.“ Kulinarisch hat diese Zeit für den 63-Jährigen ebenfalls seine besonderen Reize. „Kerbelknolle, Knollenziest, Topinambur - all das süßherbe Gemüse bekommt dann einen ganz anderen Stellenwert. Oder Eintöpfe. Wenn die Leute durchgefroren reinkommen, dann tut so ein Eintopf richtig gut. Ich finde die Abwechslung der Wintergemüse großartig.“

Für das Gespräch mit dem Inselmagazin ist er in das Bistro von Freund und Kollege Dietmar Priewe gekommen. Das sind für ihn nur ein paar Schritte, denn die beiden sind Nachbarn am Kreisel in Keitum. King hat sich dort mit dem Genuss Shop der Sylter Manufaktur bereits 2013 niedergelassen, Priewe das „Roots“ gleich nebenan im Sommer 2025 eröffnet. „Aber eigentlich waren wir schon immer Nachbarn“, meint King. Denn die gemeinsame Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1992. Damals lernten sich die beiden auf Föhr kennen – Priewe machte dort gerade seine Ausbildung zum Koch. Sein damaliger Chef ist mit King befreundet, der zu dem Zeitpunkt als Küchenchef im Berliner Restaurant Grand Slam wirkte und sich kurz darauf den ersten Michelin-Stern erkochen sollte. Der damals 17-jährige Priewe ist nach dem Treffen „schockverliebt“, wie er es heute formuliert und kennt nur ein Ziel: „Ich will nach Berlin.“

Unternehmen aus der Region

So wurde King zu seinem Mentor und aus der Arbeitsbeziehung eine enge Freundschaft, die auch Bestand hat, nachdem sich die beruflichen Wege wieder trennen. Als King einige Jahre später den Söl'ring Hof in Rantum leitete und die Sansibar einen neuen Küchenchef suchte, empfahl er Priewe für die Stelle. Anfangs wusste der zwar gar nicht, was da auf ihn zukommen würde, aber er machte daraus eine Erfolgsgeschichte und blieb fast 20 Jahre in dem Kultlokal in den Rantumer Dünen.

In einem Interview aus dieser Zeit mit einem Food-Portal antwortete Priewe auf die Frage, was er sich als Henkersmahlzeit wünschen würde, neben einem 10-Gänge-Dessertmenü von Antoine Westermann „Haribo bis zum Abwinken“. Eine Antwort, die er so heute sicherlich nicht mehr geben würde, denn für ihn stand am Ende seiner Zeit in der Sansibar immer weniger der Genuss im Vordergrund und immer mehr die eigene Gesundheit, „weil ich einfach zu fett wurde“, wie Priewe es auf den Punkt bringt. Und so nahm er nicht nur 30 Kilogramm ab, sondern machte auch beruflich eine 180-Grad-Wendung. Er wechselte von der Sansibar an den Lanserhof nach List – von Currywurst und Kaiserschmarrn zu Fastenkuren und Darmgesundheit.

Und während der gebürtige Usedomer so die gesamte Bandbreite der Gastronomie in seinem Lebenslauf vereint, blieb King der gehobenen Gastronomieküche treu und sammelte im Söl'ring Hof seinen zweiten Stern, den das Haus auch behalten hat, nachdem King dort 2021 ausgestiegen ist.

Ihre beiden Wege bis heute zum Keitumer Kreisel verliefen nach einem gemeinsamen Ausgangspunkt zwar in unterschiedlichen Bahnen, dem Thema Genuss sind sie jedoch beide treu geblieben und nähern sich ihm in unterschiedlicher Art und Weise an. Das verdeutlichen schon die Namen ihrer beiden derzeitigen Lokalitäten. Während der Genuss-Shop von King das entscheidende Wort prominent vor sich herträgt, geht Priewe im „Roots“ buchstäblich zurück zu den Wurzeln.

Dass beide nebeneinander existieren können, schreibt King nicht nur den unterschiedlichen Konzepten, sondern auch dem Publikum in Keitum zu:

„Die Gäste, die bei uns ein- und ausgehen, sind gebildete Menschen, die nicht nur den Unterschied zwischen gut und schlecht kennen, sondern auch zwischen: Wie viel darf ich mir Gutes tun oder wo ist weniger die bessere Wahl.“

Seine Aufgabe als Gastgeber sieht er darin, einen Einklang zu finden aus Genuss, Freude, Geselligkeit und Gesundheit. Wie jeder andere Gastronom freut er sich zwar über Stammgäste, die regelmäßig bei ihm einkehren, aber er hat überhaupt kein Problem damit, das „Roots“ für den nächsten Restaurantbesuch zu empfehlen – auch wenn er sich damit regelmäßig verständnislose Blicke seiner Mitarbeiter einhandelt, wie er erzählt.

Dietmar setzt die Produkte und die Gerichte so zusammen, dass sie Nährwerte haben, Ballaststoffe und Vitamine und dass sie gut schmecken. Du hast alles auf einem Teller oder in einem Gericht. Und das eben alles sehr bewusst. Da können wir alle noch viel von lernen“, schwärmt King und klingt dabei fast so, als wäre er jetzt der Schüler und Priewe der Mentor. Dieser vereint im „Roots“ jetzt die seiner Meinung nach besten Dinge aus beiden Welten – aus der Sansibar und dem Lanserhof und verbindet dabei Genuss mit Gesundheit.

Text: Armin Struve


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