
Die Botanik auf Sylt hat es nicht leicht. Zumindest wenn sie hoch hinaus möchte. Zwar hat die Heide ihren Platz in Form von geschützten Zwergsträuchern hier sicher und auch die Heckenrosen sind als Büsche charakteristisch für die Insel und von dort nicht mehr wegzudenken.
Aber wenn es um große, ausgewachsene Laubbäume geht, die höher als ein zweigeschossiges Haus wachsen und auch den Vergleich mit Alleebäumen auf dem Festland nicht scheuen brauchen, dann muss man auf Sylt schon einige Zeit suchen - und wird schließlich in Keitum fündig. Gerade die beeindruckenden Kastanien mit ihren ausladenden Kronen sorgen für ein besonderes Ortsbild im Osten der Insel.
Wenn Axel Börgers auf der Terrasse vor seiner Boutique im Gurtstig 13 im Herzen Keitums sitzt, hat er einen dieser großen Bäume ständig im Blick. Als er vor sechs Jahren auf die Insel kam, hat es ihm besonders Keitum sofort angetan und auch die großen Kastanienbäume haben ihren Beitrag dazu geleistet. „Ich kann es gar nicht genau beschreiben, aber für mich hat dieser Ort etwas Besonderes, Magisches“, sagt Börgers.
Wobei die Rahmenbedingungen, um Keitum zumindest als einen besonderen Ort wahrzunehmen, schon außergewöhnlich und klar zu benennen sind. Da wäre zum einen die Lage und die Natur: Im Nordosten ist es das ruhige Wattenmeer, das Grüne Kliff und ein dazwischen liegender Wanderweg, der zu gemütlichen Spaziergängen einlädt und je nach Richtung am Wasser in die Nachbarorte Munkmarsch und Morsum führt.



Ansonsten ist das Dorf zumeist von weitläufigen Weiden und Wiesen umgeben, die schon den Weg nach Keitum zu einem besonderen Naturerlebnis machen - sei es zu Fuß, mit dem Rad oder einem anderen mobilen Untersatz.
Die Ruhe und Ausgeglichenheit, die man schon vor dem Dorf wahrnehmen kann, endet aber nicht mit dem Ortsschild - ganz im Gegenteil.

Auch wenn es im Sommer mit Fußgängern, Radfahrern und Autos an der einen oder anderen Stelle mal etwas eng werden kann, so laden die Straßen und barrierefreien Fußwege doch zum entspannten Verweilen im Ort ein - und der geräumige Parkplatz am Ortseingang dazu, sein Fahrzeug dort abzustellen.
Was die Gäste in Keitum dann zu sehen bekommen, ist eine weitere Besonderheit, die es so in keinem anderen Ort auf Sylt zu bewundern gibt – die historischen Reetdachhäuser. Erbaut im 18. Jahrhundert lebten hier die Kapitäne, die von Sylt aus zum Walfang aufbrachen, mit ihren Familien.
Im Sylt Museum, dem Altfriesischen Haus seit 1640, oder auch in der, etwas außerhalb gelegenen, Kirche St. Severin haben die Feriengäste auch heute noch die Möglichkeit, in die ursprüngliche, friesische Kultur einzutauchen und Wissenswertes über das Leben anno dazumal zu erfahren.




Die Besinnung auf die eigenen Wurzeln ist aber nur ein Teil, der den Charme Keitums ausmacht. Mit dem, was heutzutage in den Häusern unter Reet angeboten wird, ist der Ort ganz klar im Hier und Jetzt verankert und bietet jedem Besucher etwas - seien es Restaurants oder Cafés, Boutiquen, Kunsthandwerk oder kulturelle Veranstaltungen.
Womit wir zurück sind auf der Terrasse von Afj Keitum. Von hier aus hat man nicht nur den Blick auf die große Kastanie, sondern auch auf die Einheimischen und Geschäftsleute, die hier ihrer Wege gehen. Eine Auswahl von ihnen sind – ohne Anspruch auf Vollständigkeit - als Porträts Teil dieses Artikels. Nicht selten sind sie unterwegs zu einem der Kollegen von nebenan zu einem kurzen Schnack, für einen Plausch mit den Nachbarn. Denn die Keitumer Geschäftsleute reden miteinander und unterstützen sich gegenseitig.




Und dieses Gemeinschaftsgefühl, das sich so unter den Gewerbetreibenden in den letzten Jahren entwickelt hat, geben sie auch an die Gäste weiter. „Natürlich verkaufen wir in Keitum auch Luxusmarken, weil das zu Sylt dazu gehört“, sagt Börgers. „Aber egal, in welches Geschäft du gehst, du wirst mit Freundlichkeit empfangen.
Für die Gäste, die regelmäßig nach Keitum kommen, ist das etwas, worauf sie sich besonders freuen - auf diese herzliche und zugewandte Art der Keitumer. Aber auch, wer Keitum zum ersten Mal besucht, wird hier so behandelt“, beschreibt Axel Börgers das besondere Flair des Dorfes im Osten der Insel.
Text: Armin Struve
Den Ort beleben
„wir Keitum“ heißt es erstmals vom 18. bis 23. August. Dann präsentieren sich unter dem Slogan zahlreiche Geschäfte vorwiegend auf den großen Kreuzungen im Dorf, um gemeinsam den Ort zu beleben und das große Sortiment an Waren und Dienstleistungen zu präsentieren, das Keitum zu bieten hat. Frei nach dem Motto: Jeder macht, was er kann. Und damit alle Besucher die Möglichkeit haben, die Angebote in Ruhe in Augenschein zu nehmen, haben sich die Veranstalter dazu entschlossen, diesen Testballon gleich sechs Tage am Stück fliegen zu lassen.