Erholsame Ruhe bietet heute ein Spaziergang durch den schönen Amrumer Mischwald. Doch vor allem rund um den kleinen See taten sich früher Dinge, vor denen sich einige Insulaner auch gruselten. Die Schwarzkiefer ist seit jeher der für Amrum prägendste Baum. Ihre Stämme ragen weit in den Himmel, die vielen Tannenzapfen auf dem Boden und der Duft ihrer Kiefernnadeln prägen die wohlige Atmosphäre eines Ausflugs in den Amrumer Forst. Schwarz, dunkel und mystisch ist auch ein Teil der Geschichte des zu früheren Zeiten deutlich kleineren Waldes. Besonders Kinder trauten sich damals - oft noch verstärkt durch die Spökenkiekerei ihrer Großmütter - kaum in den Wald. Allein oder gar bei Dunkelheit durch den Wald zu gehen, galt als Mutprobe.
Der Grund dafür sind vor allem die ehemaligen Fanganlagen für Wildenten, die heute ganz idyllisch Vogelkoje heißen und ein Naturmuseum sind. Früher waren sie eine wichtige Nahrungs- und Wirtschaftsquelle für die Amrumer.
Um wilde Enten und Gänse zu fangen, wandten die Amrumer eine listige Taktik an. Ein ruhiger und umwaldeter See, auf dem zahme Enten als Lockvögel schwammen, war für die Wildvögel auf ihrem Vogelzug geradezu eine Einladung für eine Rast. Wenn sich diese Vögel dann in die Seitenarme der Anlage, in die sogenannten Pfeifen, vorwagten, landeten sie schnell und ohne eine Chance auf Rückkehr in den reusenähnlichen Fangkörben. Den gefangenen Enten wurde der Hals umgedreht. Sie wurden gerupft und danach zu Fleisch sowie haltbarer Pastete und Pökelfleisch verarbeitet. Für die Instandhaltung der Anlage war der Kojen-Mann verantwortlich, für viele damals eine düstere Gestalt. Er scheuchte die zugeflogenen Enten jeden Tag in die Reusen, leerte die Fangzäune, zählte die Enten und verteilte auch den Fang...
Text: Anja Werner
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