AIte Landmaschinen in neuem Glanz: Die Mitglieder des Oldtimer-Clubs Föhr lassen ihre Schätze nicht in der Garage verstauben. Egal ob Trecker, Offroad-Fahrzeug oder Lastwagen bei gemeinsamen Ausflügen werden sie stolz über die Insel gefahren.
Sie lieben alles, was alt ist und es macht ihnen nichts aus, wenn's laut wird, rumpelt oder stinkt: Die Mitglieder des Oldtimer-Clubs Föhr haben ihre Herzen an knatternde Trecker, schlecht gefederte Offroad-Fahrzeuge oder Lastwagen mit Retro-Charme verloren. Und weil all diese Schätzchen nicht zum Stehen in der Garage gemacht sind, sondern gefahren werden wollen, geht's alle paar Wochen beim gemeinsamen Ausflug quer über die Insel.
Stefan Junker aus Utersum ist vermutlich mit Benzin im Blut geboren: „Ich bin als Kind auf Trecker geklettert, nicht auf Bäume“, sagt der 62-Jährige, dessen Großvater einen Landmaschinenbetrieb hatte. Sein ganzer Stolz ist heute ein curry-farbener Land Rover aus dem Jahr 1975. Wieso der - und warum ausgerechnet diese etwas gewöhnungsbedürftige Farbe? In der amerikanischen Vorabendserie Daktari“ hat der damals 7oder 8-jährige Junker das Auto entdeckt und seit damals stand sein Entschluss: „Genau den wollte ich“, sagt er heute. Oldtimer-Fan Junker fährt seinen „Landy“ auch im Alltag. Was der denn so verbraucht, wollen Passanten oft von ihm wissen. Die Antwort muss er schuldig bleiben: „Ich tanke, wenn er leer ist“. Liebe hört an der Tanksäule offenbar nicht auf.


Ein Hingucker in knallrot
Knallrot und die Chromteile auf Hochglanz poliert: Momme Carstensens Hürlimann-Trecker von 1963 ist ein echter Hingucker. „Ich wollte einen, den nicht jeder hat“, sagt der 76-Jährige. Das ist ihm gelungen nur von einem weiteren dieser Schweizer Traktoren in der Nähe von Pinneberg weiß Carstensen. Drei Jahre lang hat er an dem Prachtexemplar geschraubt, jetzt glänzt der wie frisch aus der Ausstellungshalle. Ersatzteile für den rollenden Eidgenossen gibt es nur aus der Schweiz und das kostet: Geld und vor allem eine ganze Menge Zeit. Für Ehefrau Bärbel kein Problem. „Ich bin Profi im Mitfahren“, lacht sie. Und das erst recht, seit Momme ihr extra einen Anhänger gebaut hat gemütlich wie ein Sofa und sogar mit rutschsicherer Abstellmöglichkeit für ein Getränk.
Mit 70 Stundenkilometern über die Autobahn
Unter einem glücklichen Stern scheint auch die Ehe von Ute und Hark Quedens zu stehen: Mit ihrem Mercedes-Lastwagen 334 von 1961 sind sie nicht nur an diesem Tag gemeinsam unterwegs. In Oberhausen hatten sie sich auf Schlag in den großen Blauen verliebt - am Tag nach der ersten Besichtigung waren sie sich einig: „Der soll es sein“. „Mit 70 Stundenkilometern sind wir dann über die Autobahn“, erzählt Ute Quedens - und das am heißesten Tag des Sommers. Wie viel der Oldie schon auf der Uhr hat? Hark Quedens zuckt mit den Schultern.„Der hat sicher irgendwann mal einen neuen Tacho gekriegt“, meint der Insulaner. Da macht eine Schätzung keinen Sinn.



Unimogs werden heute noch gebaut wäre das Fahren mit einem „Neuen“ nicht bequemer?„Das sind für mich keine Unimogs mehr“, sagt Otto Paulsen entschieden. Er ist nicht nur mit den Föhrer Oldtimerfreunden unterwegs, sondern macht jedes Jahr eine richtig große Tour. Diesmal geht's erst zum Unimog-Treffen am Niederrhein, dann Richtung Bodensee und über Tschechien nach Dresden und Berlin. Und die Erbfolge ist auch geregelt: Enkel Julian wird mit dem Unimog schon vom Kindergarten abgeholt.„Wenn Du groß bist, ist das Deiner“, hat Paulsen ihm versprochen. Um den Nachwuchs brauchen sich die Föhrer Oldtimerfreunde also keine Sorgen zu machen. Auch der 6-jährige Jonne ist schon vom Trecker-Fieber infiziert. Beim Zwischenstopp am Deich in Dunsum kriegt er statt Kaffee und Sahnetorte ein Eis am Stiel. Besonders gesprächig ist er heute nicht. Bei wem fährt er mit? „Opa“. Und, wie gefällt ihm dieser Ausflug? „Gut.“ Opa hat einen 1970er Jahre-Trecker, der gegen die Landmaschinen der heutigen Generation nahezu zierlich wirkt unter den Fahrzeugen an diesem Tag aber der größte ist. Das gefällt Jonne natürlich besonders.
Verdeck schließen erfordert Körpereinsatz
Kurz vor Ende der Tour werden Anita und Werner Siewertsen in ihrem roten MG Roadster unruhig. Die Sonne hat sich verzogen, erste Regentropfen fallen. Höchste Zeit, das Verdeck des Cabrios zu schließen. Aber was in der modernen Version nur ein Knopfdruck ist, bedeutet für Fahrer und Beifahrerin hier körperlichen Einsatz: Zuerst das Gestänge in die Halterung, dann die Verdeck-Plane aufziehen. Die Zwei sind nass, bevor das Dach steht. Sie nehmen's mit Humor und trocknen erstmal das Auto. Damit die alte Liebe nicht rostet.
Text und Fotos: Susan Müller-Paulsen