Im vergangenen Jahr ist zu ihrem diesjährigen 45. Betriebsbestehen ein Interview mit Inge Haferkorn geführt worden, welches hier in kleinsten Auszügen zu lesen ist. Auch nach ihrem Tod im Dezember 2023, ist und bleibt die Föhrerin eine Institution, die in ganz Deutschland ihre Handschrift hinterlassen hat. Viele Feriengäste und Stammkunden des Geschäfts in Oldsum kommen und freuen sich, dass ihr Herzensprojekt auch weiterhin bestehen bleibt.
Zur Geschäftsidee
„Auf einer Station während unserer Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg quer durch Deutschland, haben wir einmal Räumlichkeiten zugewiesen bekommen. Dort stand eine Nähmaschine. Ich habe mich rangesetzt und einfach mal ausprobiert. Offensichtlich hatte ich Talent und so begann meine Entwicklung als Schneiderin. Mit späteren Freundschaften haben sich folglich Ideen entwickelt. Zu Stoffen habe ich Borten kreiert, gesucht und auch fertigen lassen. Das Nähen und Entwerfen von Röcken konnte ich so weit ausbauen, dass ein renommiertes Trachtengeschäft schließlich Kunde von mir wurde. Um die Aufträge abwickeln zu können, habe ich weiter Näherinnen eingestellt und die, Fabrik im Schrank', so wurde die Näherei bei uns im Haus genannt, geführt. Die Redewendung gründete darauf, dass die Tür zum Dachboden, auf dem wir zum Nähen saßen, eine Schranktür war“, berichtete Inge Haferkorn. „Überall in der Republik haben wir Kunden beliefert. Bei einer Kreuzfahrt auf dem Nil habe ich eine Dame mit einem Rock aus meiner Herstellung getroffen und auch bei internationalen Empfängen wurden meine Kollektionen getragen. Irgendwann habe ich vor der Entscheidung gestanden, Kinder oder Karriere. Ich entschied mich für Familie und das Geschäft hier auf Föhr und wir konnten diesen Laden eröffnen.“


Mode und Geschichten
Ihre Kooperationspartner hatte Haferkorn auf Messen und in Irland selbst gefunden. Im Sortiment findet sich unter anderem die Gmundner Keramik. „Ich hatte sie schon vor der Eröffnung meines Ladens und mir vorgenommen, wenn ich mal ein Geschäft habe, dann verkaufe ich das Gmundner Streublümchen.“ Sie hatte viele kreative Ideen. So auch den von ihr entworfenen Oldsumer Topf aus dem Elsaß, in dem Inge ihr legendäres Brot backte. Oder ihre Bücher, die sie gemeinsam mit Maggy Fischer entworfen hat: „Geschrieben habe ich schon immer. Meine Phantasie war so groß, dass meine Mutter meinte, ich solle erzählen, ich hätte diese Geschichten geträumt und dann niedergeschrieben. Sonst würde man mir womöglich nicht glauben.“ Inge lachte ihr tiefes, klangvolles Lachen, als sie diesen Teil ihres Lebens skizzierte. Hatte sie einen lyrischen Gedanken, so wurde dieser auf irgendein Papier geschrieben und fand seinen Platz in ihrem Haus.
Ein Trio macht weiter
Seit 25 Jahren fest an ihrer Seite und auch jetzt noch im Laden eine wahre Persönlichkeit ist Antje Ley. Die Wykerin hat mit Inge sowohl die ehemaligen Filialen in Wyk als auch in Nieblum betreut. Auch jetzt steht die mittlerweile 85-jährige an drei Tagen in der Woche in dem Firmensitz Oldsum und berät mit ihrer zugewandt herzlichen und sehr humorvollen Art. Vor zehn Jahren kam Regina Ketelsen ins Team. Da sie selbst in Oldsum wohnhaft ist, konnte sie auch schnell mal einspringen, wenn die Situation im Geschäft es erforderte. Beide Verkäuferinnen sind wichtige Ansprechpartnerinnen für die Kunden, welche teilweise schon seit Jahrzehnten die Treue halten. Auch sie ist in Zukunft fest an Bord. Denn: „Natürlich geht es weiter mit unserem Laden“, heißt es unisono. Inge hätte es nicht anders gewollt, als dass ihre „Golden Girls“ das Geschäft mit dem symbolträchtigen Apfel in ihrem Sinne weiterführen.
Text: Silke Kurtz