Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

In der Weite das große Glück finden

Fotos: Inselwatt

Zu jeder Jahreszeit sind die Drei aus Borgsum im Watt unterwegs

Wenn Tanja Rübeck-Hansen gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthias Hansen und Hund Pai (Hunde bitte nur angeleint im Watt führen!) der aufgehenden Sonne im Watt entgegenläuft, ist für das Trio aus Borgsum die Welt in Ordnung. Viel mehr brauchen die studierte Apothekerin, der Inhaber einer Tischlerei und deren Labrador-Retriever Rüde nicht, um glücklich zu sein.

Die Passion des Wattführers ist Matthias Hansen wohl in die Wiege gelegt worden. Denn bereits sein Vater hat Wattführungen für die Reederei übernommen, nachdem er den Betrieb vor 30 Jahren an Matthias übergeben hat. In den kommenden Jahren möchte dieser auch in Rente gehen und sich dann wohl gänzlich den Führungen widmen. Wir haben im Herbst und Winter immer Hochkonjunktur in der Tischlerei. Oft bis in den Sommer rein. Da kommt schon mal das Empfinden auf, dass der Sommer vorbeifliegt“, resümiert der selbständige Tischlermeister.„Tanja und ich genießen die gemeinsame Zeit schon immer in der Natur. Beim Segeln, Wattwandern oder im Garten. Wir sind echte Naturburschen und können draußen wunderbar abschalten.“ Und was es im Watt, übrigens das ganze Jahr über, zu erleben gibt, vermitteln die beiden zertifizierten Wattführer auf ihren unterschiedlichen Führungen (www.inselwatt.de ). „2022 habe ich mich noch zum Nationalparkwattführer weiterbilden lassen“, erinnert sich Hansen und weist darauf hin, welche große Verantwortung bei der Übernahme einer Gruppe von bis zu 40 Personen besteht.„Die Tour von Föhr nach Dagebüll gehen wir mit 25 Personen und Tanja ist als Begleiterin immer dabei.“

Für Tanja Rübeck-Hansen ist ihre Tätigkeit als Apothekerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie eine hervorragende Basis, von der Gäste der Führungen profitieren.„Ich habe grundsätzlich ein Notversorgungspaket bei Kreislaufschwäche oder Schnittwunden dabei. Vom Müsliriegel bis zum Pflaster“, lacht Tanja, für die ein ganz persönlicher Anknüpfungspunkt ihr zukünftiges Angebot „Watt entspannt (Dich)“ und „Watt für Frauen“ sein wird. „Ganz unter sich sein zu können, nur unter Gleichgesinnten, ist ein Wunsch vieler Frauen“, weiß sie aus anderen beruflichen Erfahrungen.„Und da können wir herrlich wahrnehmen, watt entspannt“, schmunzelt Tanja über die Plattdeutsche Zweideutigkeit dieser Begrifflichkeit.

2020 hat das Ehepaar seinen Probelauf in puncto Wattführung gestartet und dies 2021 professionell aufgezogen.„Durch unsere Affinität zu dieser Beschäftigung und die ganzjährigen Erfahrungen im Watt, haben wir Routine aufgebaut. Aber der WetterThrill bleibt- geht es oder geht es nicht?“ Bis zu acht Wetterdienste werden in Anspruch genommen, bevor es mit Gästen auf Tour geht: „Es ist kein Urlaub, sondern eine große Verantwortung. Wenngleich diese Freiheit großartig ist, nachts aufzustehen und bereits um 9 Uhr wieder Feierabend zu haben“, lachen Beide. Sie haben das Wetter lesen gelernt. Ihre Wasser- und Wettererfahrungen sind optimal für die Anforderungen als Wattführende.

„Ich laufe immer schon gerne mit, hab irgendwann den Wattführerschein beantragt und gehe stetig hinter der Gruppe her. So begleite ich quasi die Fotografierenden und Muschelsuchenden. Sie brauchen mehr Ruhe als der Rest der Truppe. Auf diese Weise entstand die Idee „Watt für Fotografen“ mit kürzeren Touren und anderen Spots anzubieten. Bei den Sonnenaufgang- und Untergangstouren haben wir mehr Zeit im Gepäck. Hier geht es nicht um Strecke machen, sondern um das intensive Naturerlebnis, tolle Gespräche“, schildert Tanja den Grundgedanken ihrer Ideen. Auch Achtsamkeits- und Entspannungstraining lässt sich wunderbar in der Natur praktizieren. Kleine Übungen lassen sich einbauen und laden ein, mit einem anderen Blick auf sich und die Umwelt zurück zu kommen. „Wir laufen auch von Insel zu Insel. Ein besonderes Highlight ist zudem die Tour über die Halligen. Hier erlebt man nochmal eine andere Welt. Der kleine Rundkurs, mit einem Stop am Museum und Besichtigung der Warft, ist nicht nur für Auswärtige ein besonderes Erlebnis.

Wattwandern ist eine Art meditatives Gehen und trotz des Windes ist die„Silence of Watt“ hörbar. „Unsere Gäste sind teilweise hart im Nehmen und würden auch bei widrigsten Bedingungen mitlaufen. Aber unter diesen Voraussetzungen laufen wir ja nicht“, berichtet Matthias aus Erfahrungen.

Angst vor Schlick braucht niemand haben: „Das haben wir hier nicht. Auch vor den Halligen existiert fast ausschließlich Sandwatt. Nur bei der Festlandtour vor Dagebüll ist es ein wenig schlickiger und die Frage: „Komme ich da mit meinen Füßen wieder raus oder bleibe ich hier stecken?“ birgt ein spontanes Abenteuer. Zur Prävention vor Muschelschnitten müssen Gäste solcher Touren Beachies oder geeignetes Schuhwerk mithaben.

„Wir laufen jede Tour mindestens einmal im Vorweg ab, um zu kontrollieren, ob und wie sich etwas verändert hat. Auch im Winter sind wir im Watt unterwegs.“ Warm anziehen, eine Thermoskanne mit Tee dabei- so verbringen die Drei viel Zeit in der großen Weite und Stille des Nationalparks Wattenmeer.„Dort leben wir unsere Gemeinsamkeit aus. Das pure Sein in der Natur schärft das Bewusstsein für die Umwelt ständig.“ Einen speziellen Wunsch haben Tanja und Matthias: „Die Seepferdchen kommen zurück in die Nordsee. Das hängt mit der Regenerierung von Seegraswiesen zusammen, deren Lebensraum sie sind. Wir wünschen uns, dass wir bald eines sehen dürfen.“ Es bleibt wohl allen zu wünschen, dass sich dieses Erleben wieder als Normalität einstellt.

Text: Silke Kurtz

Meine Favoriten:
Alle Orte: