Einen Quantensprung in Sachen Berufs- und Lebenswechsel hat die einstige Fachfrau für Marketing und Vertrieb nach 25 Jahren in einem Büro vollzogen. „30 Jahre lang war ich Pferdebesitzerin und habe die Reiterei nach dem Tod meines letzten Pferdes aufgegeben“, resümiert Jasmin Keuchel, die seit 2017 auf Föhr lebt. „Ich bin der Liebe wegen hierher gekommen. Aber nicht der Liebe zu einem Mann, sondern zu meiner Hündin Snow, die ich im Tierschutz kennen und lieben gelernt habe.“ Schon immer wollte die engagierte Wahl-Föhrerin in den Tierschutz gehen. Denn das Wohl jeder Kreatur liegt ihr bereits von Kindesbeinen an am Herzen.„Bereits seit meinem sechzehnten Lebensjahr bin ich Vegetarierin und habe mich Tieren gegenüber immer sehr sensibel gezeigt. Wenn ich im Sommer aus der Schule kam, habe ich erstmal Fliegen und Bienchen aus dem Gartenpool gerettet.“„Jasmin und die Tiere“ war ein geflügelter Begriff ihrer Vergangenheit.„Mich haben Tier-Schicksale immer schon berührt, jedes Tier hat ein Recht auf Leben und seine Sinnhaftigkeit im Biokreislauf.“
Nach sechs Wochen in Irland, wo sie zwischen Mooren und Felsen Kühe gehütet hatte, fand sie dort den Weg zu sich zurück. Wieder in Deutschland folgte eine Zeit auf dem Emhof in der Lüneburger Heide.„Dort habe ich meine Hündin Snow gefunden und mich in sie verliebt. Irgendwann kamen wir nach Föhr und sind geblieben. Denn Snow liebte diese Ruhe und Abgeschiedenheit. Sie hat sich für unser Leben hier entschieden.“
Seit 10 Jahren lebt Jasmin nun vegan und bemerkte den erheblichen Angebotsunterschied an veganen Produkten zwischen Hamburg und Föhr.„Das hat mich inspiriert, auf Föhr Impulse zu setzen und meine Botschaft hier zu leben“, merkt die jetzige Mitbetreiberin des Café/ Restaurants „Am Flugplatz“ in Wyk an.



„Im Restaurant hier bin ich durch Zufall gelandet. Zuvor habe ich das Marketing für eine Flugfirma gemacht und saß im Büro neben der Gastronomie hier. Nebenbei habe ich noch in einem Café gearbeitet und daher die Küche kennengelernt. Als in dem Restaurant die Geschäftspartnerin von Peter ausstieg, hat er mich gefragt, ob ich nicht einsteigen wolle. Einzige Bedingung war, dass ich backen könnte“, lacht die quirlige Föhrerin.„Ich habe im Winter backen geübt und zu meiner Gegenbedingung gemacht, dass ich nur vegan backe. Nun experimentiere ich ständig und sehe es als Herausforderung, nicht vegan lebende Menschen zu inspirieren und sie spüren zu lassen, dass pflanzenbasierte Ernährung gesünder ist, fitter macht, mehr Lebensfreude schenken kann und richtig lecker ist.“ Den Unterschied schmecke man nicht, so die Rückmeldung vieler begeisterter Kunden.
„Meine Art des Backens ist eher amerikanisch. Cup-Cakes, üppig verzierte, sehr bunte Torten - auch gerne mehrstöckig - zu allen Anlässen. Und je filigraner und schnörkeliger es wird, umso mehr Ehrgeiz entwickle ich“, berichtet Keuchel. Mittlerweile ist das vegane Sortiment an Backzutaten erheblich gewachsen und mit veganer Nussnougat-Creme, Sahne auf Pflanzenbasis, veganer Schokolade und weiteren Produkten, entstehen rein pflanzliche, essbare Kunstwerke.
Steht sie nicht in der Küche oder im Restaurant, so findet man Jasmin in der Natur. Beim Wandern im Wrixumer Forst beispielsweise. „Vogelgesang liebe ich oder den Strand in Richtung Nieblum. Beim Weingut Waalem haben meine kürzlich verstorbene Hündin Snow und ich immer Kaninchen-TV geschaut.“ Die Hündin fehlt ihr sehr, gesteht Keuchel ein.
Eine Botschaft liegt ihr noch am Herzen: „Luxusgüter sind nicht wichtig, die Schönheit des Kleinen ist es. Im Leben zählt das Glück des Augenblicks und nicht des Materials.“
Text & Fotos: Silke Kurtz