Das Leben bringt aktuell herausfordernde Zeiten mit sich. Fühlen wir uns angesichts der äußeren Ereignisse oft macht- und wirkungslos, so haben wir doch Einfluss darauf, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Wo könnte es besser gelingen, sich positiv auszurichten, als auf Föhr oder Amrum? Schon die Anreise lässt ein bisschen freier atmen, wenn sich die Nordsee zwischen das Leben auf dem Festland und die in der Ferne auftauchenden Inseln schiebt. Auf dem Oberdeck der Fähre, ein Getränk in der Hand, Ausschau nach Seehunden oder Kegelrobben halten; mit sehr viel Glück lässt sich Richtung Amrum schonmal ein Schweinswal entdecken - ein magischer Moment, wenn sich eines dieser delfinartig anmutenden Geschöpfe zeigt. Das Gebiet westlich von Amrum und Sylt wird im Sommer von ihnen als Nahrungs-, Kalbungs- sowie Aufzuchtgebiet genutzt.
Schon auf dem Schiff lassen sich dank umfangreichen Infomaterials Ausflüge planen. Die nicht eingedeichten und pro Jahr häufig überfluteten Halligen Langeneß, Hooge, Gröde und Oland oder die Hochseeinsel Helgoland lassen sich per Ausflugsschiff erreichen. Auch Sylt ist einen Tagesausflug wert - fernab von Schickimicki oder Massentourismus hat die dritte der Schwestern viel zu bieten. Mit anderen Reisenden ins Gespräch zu kommen, ist auf jeder dieser Touren ein Leichtes. Vielleicht möchte sich ja auf Hooge jemand gemeinsam ein Tandem leihen?
Unterkünfte sind auf beiden Inseln zahlreich vorhanden. Wer keine Ferienwohnung möchte, kann sich etwa für ein kleines, familiengeführtes Hotel entscheiden. Beispielsweise „Landhaus Danner“ in Oevenum „Waastwinj“ in Utersum oder das „Inselhotel Arfsten“ in Wrixum auf Föhr, um nur einige zu nennen. Auf Amrum laden beispielsweise das „Haus Amanda“ oder „Mein Inselhotel“ in Norddorf ein. Das„Hotel Südstrand“ in Wittdün ist nur eine Treppe vom Kniep entfernt. Ein Tipp für kontaktfreudige Alleinreisende ist in Norddorf die „Urlaubs-WG“, wo es sich nach allein verbrachtem Tag abends beim gemeinsamen Kochen klönen lässt.
Wer es unkonventioneller mag, oder ein kleineres Budget zur Verfügung hat, ist auf dem Zeltplatz „Dünencamping Amrum“ in Wittdün gut aufgehoben. Naturliebhabenden geht hier, inmitten der Dünen, das Herz auf. Live-Musik und Veranstaltungen während des Sommers inklusive. Als„ Bonbon“ können die Gäste des „Dünencamping Amrum“ im „eilunfit“ Norddorf kostenlos trainieren oder in der Sauna entspannen - gut zu wissen für kühle Tage. Als Pendant gibt es auf Föhr in Utersum, nur etwa acht Kilometer entfernt von Amrum, einen Wohnmobilstellplatz. Extra hier: Sonnenuntergang mit Blick nach Amrum und Sylt.
Lässt die Gesundheit dies zu, sollte man am besten die Inseln zu Fuß oder mit dem Rad erkunden und dabei tief durchatmen. Fahrradverleihe auf Föhr unter anderem „Föhrrad“, „Deichgraf“, "FÖHR BIKE“. Auf Amrum gibt es „Stefans Fahrradverleih“, „Eldorado“ oder „NordZeit“. Denn nichts ist vergleichbar mit dem Duft des Sommers. Unbedingt unterwegs mal die Nase in eine Rosa rugosa (Kartoffel-/Apfelrose) halten!
Bei Nutzung der Wirtschaftswege bitte beachten: Dies sind keine öffentlichen Radwege und landwirtschaftliche Fahrzeuge haben Vorrang! Die wenigen noch verbliebenen Landwirte sind dankbar für freie Fahrt. Besonders schöne Strecken sind der „Katastrophenweg“ auf der Deichaußenseite ab Seglerhafen in Wyk sowie auf Amrum von Wittdün durch den Wald am Leuchtturm vorbei nach Norddorf. Oder man folgt einfach dem inneren Kompass und staunt, wo man landet.




Wattwanderungen mit erfahrenen Wattführern laden dazu ein, Inselhopping per pedes auf die jeweilige Nachbarinsel zu machen. Nur nicht auf eigene Faust losgehen. Regelmäßige Busverbindungen bringen einen ebenfalls an das gewünschte Ziel; geführte Inselrundfahrten versorgen auf beiden Inseln mit Wissenswertem sowie Gesellschaft. Lohnenswerte Stationen sind auf Amrum z. B. das bronzezeitliche Haus oder das Amrumer Heimatmuseum „Öömrang Hüs“ in Nebel. Gute Gespräche ergeben sich auch während einer dreistündigen, kulinarischen Stadtführung in kleinen Gruppen auf Föhr („Rummelpott“). Wer sportbegeistert ist, möchte vielleicht einen SUP- oder Surfkurs besuchen. Zahlreiche Veranstaltungen bieten Kulturbegeisterten Input - so etwa das alljährliche Föhrer„Südstrand OpenAir“ oder „Jazz goes Föhr“. Auf Amrum erfüllen dieses Bedürfnis diverse, teils bekannte Künstler in Form von Musik oder Lesungen. Termine bitte den Veranstaltungskalendern entnehmen. Auch die Inselkirchen bieten viele Konzerte (wie beispielsweise mit dem Föhrer Gospelchor „Unföhrgettable“, der bereits mit "Bosse“ auf der Bühne stand).
Regenwetter lässt sich wunderbar mit einem guten Buch und Stück Kuchen überbrücken. Das Angebot in den Läden und Bäckereien der Inseln ist groß. Auch die Stadtbücherei in Wyk ist einen Besuch wert. Ob im Kino („Filmtheater am Sandwall“ oder „Lichtblick“ in Norddorf) einen Filmmarathon absolvieren oder internationale Kunst im Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr genießen: langweilig wird es nicht. Das „Carl Häberlin Friesenmuseum“ in Wyk am besten bei „gutem“ Wetter besuchen, so informiert es sich entspannt.
Statt Tischreservierung in einem der zahlreichen Restaurants: Abendliches Picknick im regengeschützten Pavillon an der „Meere“ (dem Ententeich) in Nieblum oder bei schönem Wetter auf der Borgsumer „Lembecksburg“ mit Proviant aus den vielen Hofläden der Insel Föhr. Auf Amrum lässt sich dies zum Beispiel am Quermarkenfeuer in Norddorf machen.
Wer es lieber kontemplativ mag, ist auf Föhr und besonders auf Amrum mit seinem größten Badestrand Europas genau richtig. Sich schweigend als Teil der Natur wahrnehmen, den Flutsaum entlanglaufen, baden, durch den Wald und über die Bohlenwege streunen, von den Aussichtsdünen aus, die vorherige Froschperspektive verlassen. Bei sich sein und außerhalb der Zeit mit allen Sinnen wahrnehmen. Haben Sie schon einmal meditiert? Ein Tagebuch geschrieben? Geführte Meditationen können helfen, gewohnte, immer gleiche Abläufe, die mit immer gleichen Gedanken und Gefühlen verbunden sind und bestimmte Reaktionen unseres Körpers hervorrufen können, zu verändern. Wie sieht Ihr bestes Leben aus? Trauen Sie sich, es aufzuschreiben, größer zu denken, als Sie sich fühlen. Und nehmen Sie diese Erkenntnisse mit nach Hause. Das Gefühl der Weite und Ruhe lässt sich mit in den Alltag nehmen - und vielleicht lassen sich auch ein paar neue Routinen finden.
Text und Fotos: Annette Keisat
Buchtipps
„Amrum“ - ein poetischer Roman von Hark Bohm
„Rise up and shine“ Journal von Laura Marina Seiler
„Schöpfer der Wirklichkeit - der Mensch und sein Gehirn, Wunderwerk der Evolution“ von Dr. Joe Dispenza
Tipp
4711-Atmung bei innerer Unruhe
Vier Sekunden durch die Nase tief in den Bauch einatmen - sieben Sekunden durch den Mund ausatmen. Elfmal wiederholen.