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Amrum: Kompetent und charismatisch

Fotos: Silke Kurtz

Jungbauer Oke Martinen führt den Hof in dritter Generation mit 120 Rindern, 650 Legehennen, einen Hofladen mit Fleischspezialitäten, selbstgemachtem Eierlikör, Kartoffeln und anderen Spezialitäten.

Auf Amrum gibt es kein Krankenhaus. Daher ist Oke Martinen nicht sicher, ob er jetzt gebürtiger Föhrer oder gebürtiger Amrumer ist. Seine Heimat, seine Wurzeln und Zuhause ist die kleinere der beiden zauberhaften Inseln. Der heute 26-jährige kann sich ein Leben ohne Tiere und Landwirtschaft nicht vorstellen. „Wir bewirtschaften unseren Hof etwas außerhalb von Nebel, schon seit 1919. Mein Vater hat ihn stückweise erweitert. Ich führe ihn nun in dritter Generation“, erzählt Oke Martinen, während er den VW Amarok über die durch den Regen und hohen Grundwasserspiegel aufgeweichten Wiesen steuert. 

Geboren und aufgewachsen mit der Landwirtschaft, fließt die Leidenschaft für diese durch seine Adern. „Tiere habe ich immer schon geliebt und mit ihnen gelebt. Da gab es keine andere Wahl für mich als die, den Hof meiner Eltern zu übernehmen.“ Seine Grund- und Realschule hat Oke auf Amrum absolviert und sich in jeder freien Minute zwischen Tier, Stall und Feldern aufgehalten. Der direkte Umgang mit der Natur, die Wertschätzung landwirtschaftlicher Produkte und der gesunde Nutzen, welcher sich aus Gemüse und Tieren ziehen lässt, interessierte ihn von Kindesbeinen an. „Zuhause gab es überwiegend Lebensmittel aus unserer eigenen Herstellung. Ich bin mit Kartoffeln, Eiern und Fleisch von unserem Hof großgeworden. Bei uns wurde immer alles selbst zubereitet und bis zum letzten Rest verwertet.“ Dieser Grundphilosophie ist der Betrieb über alle Jahre treu geblieben. „120 Rinder laufen bei uns auf dem Hof. Davon werden im Jahr 40 zum Schlachten auf das Festland gebracht und zerlegt, verpackt und bis auf den letzten verwertbaren Rest wieder zu uns auf die Insel transportiert. Selbst für das Fleisch, welches sich nicht für unseren Hofladen eignet, haben wir hier gastronomische Verwendung“, schildert der staatlich geprüfte Landwirt, welcher mit dem Gedanken spielt, einen Foodtruck auf Amrum zu etablieren. „Auf diese Weise können wir noch mehr unserer Produkte selbständig direkt vermarkten.“ 

650 Legehennen, die in einem luftigen Mobilheim auf der Wiese hinterm Hof leben, sorgen das ganze Jahr über für täglich frische Eier, die im familieneigenen Hofladen neben Fleischspezialitäten, selbstgemachten Eierlikör, Kartoffeln und weiteren Amrumer Spezialitäten vertrieben werden. 

Mit 15 verließ Oke die Realschule. Da er zu diesem Zeitpunkt noch keinen Führerschein hatte, begann er seine landwirtschaftliche Ausbildung in dem Betrieb seiner Eltern. Denn Trecker fahren durfte er noch nicht. „Anschließend bin ich auf einen Milchviehbetrieb bei Rendsburg gegangen. Danach schloss sich ein weiteres Jahr in Münster auf einem Bullenmastbetrieb an“, berichtet Oke Martinen, welcher auf eine vierjährige Ausbildung, plus ein Jahr Praxiserfahrung und die Teilnahme an überbetrieblichen Kursen in Fortbildungseinrichtungen wie Gut Futterkamp oder Haus Düsse zurückblickt. 

Während er in dem Freilauf zwischen 20 Leicomer-Mastschweinen (der Begriff leitet sich aus den DDR-Bezirken Leipzig, Cottbus und Magdeburg ab) steht, welche auffordernd an seiner Hose knabbern und quiekend die Streicheleinheiten des jungen Mannes genießen, lässt er seine Vita wie einen Film ablaufen. 

Nach Abschluss seiner Ausbildung und des Praxisjahrs zuhause, besuchte Oke anschließend ein Jahr die Landwirtschaftschule in Rendsburg. Diese schloss er als staatlich geprüfter Landwirt ab. Derzeit führt er den Hof als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gemeinsam mit seinem Vater. Die Übernahme des Betriebes ist für ihn unstrittig. Der engagierte Mitbegründer der Landjugend Amrum, deren Vorsitzender er ist, und ebenfalls in der Feuerwehr aktive Landwirt, bringt etwas mit, was Hoffnung macht: auf einen bewussten Umgang mit der Natur, einer Transformation der Landwirtschaft, dem Zusammenspiel von Technik, Digitalisierung und Wertschätzung. Zeitgemäße Kompetenz, das Wissen um ureigenste Prozesse, welche ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Ökologie und Innovation spiegeln sich in der Handlungsweise des charismatischen Amrumers wider. Silke Kurtz

Wer sich für den Betrieb auf Amrum interessiert und mehr erfahren möchte, kann sich über die Website www.hof-martinen.de informieren.

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