Mit Knudt Kloborg konnte man immer ein bisschen klönen. Wer den hochgewachsenen Mann in seiner schmucken blauen Uniform und seinem unvermeidlichen Fahrrad im Schlepp auf den Straßen Wyks traf, der durfte sich freuen. Denn Knudt Kloborg hatte in seinem Fahrradkorb neben den Postkarten, Broschüren, der Spendendose der DGzRS und natürlich seiner Glocke auch immer etwas Zeit im Gepäck. Und reichlich Geschichten. Denn Knudt Kloborg war in seinen jüngeren Jahren zur See gefahren. Er konnte lebendig erzählen aus der fast schon sagenhaften Zeit, als noch Stückgut über die Weltmeere geschippert und noch nicht alles in Container eingepfercht wurde. Sieben lange spannende Jahre sah er, der gebürtige Wyker, sich die Welt an. Schipperte mit Stückgut und Bananen zu fernen Ländern hin und wieder zurück nach Deutschland. Einige Zeit heuerte Knudt Kloborg auch auf einem Hochseeschlepper an. 25 Jahre arbeitete er dann als Decksmann und Schiffskoch auf den Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei. Das hatte natürlich den Vorteil, dass er seiner geliebten Insel Föhr näher sein konnte. Mit 58 Jahren ging er in den Ruhestand, der allerdings ein Unruhestand werden sollte.
Föhrer Klingelmann seit 2009 - Tradition weitergeführt
Denn im Jahr 2009 ließ er die Tradition der Klingelleute auf Föhr wieder aufleben. Eine Tradition, die seit 1979 ruhte, als der damalige Klingelmann verstummte. Die Aufgabe der Klingelleute war, besondere Nachrichten auf der Insel „auszuklingeln“. Von nun an wurde Kundt Kloborg so etwas wie ein Wahrzeichen auf der Insel. Mit einer alten Kapitänsuniform, die er von einem Lotsen vom Nord-Ostsee-Kanal geschenkt bekommen hatte, mit weißem Bart und einer Uniformmütze war er auf den Straßen von Föhr unterwegs. Er klingelte, wenn jemand heiratete, er klingelte den frischen Fisch aus und er klingelte, wenn jemand starb. Die drei Kapitänsstreifen an seiner Uniformjacke klebte der bescheidene Mann so ab, dass daraus die Nordfriesischen Farben wurden. Es stünde ihm nicht zu, als Kapitän herumzulaufen, erklärte er in einem Interview mit unserer Tageszeitung Der Insel-Bote noch im Mai 2023.
Kloborg war ein menschliches Wahrzeichen von Wyk

Im September 2023 wurde der bekannte und beliebte Mann tot aufgefunden. Die letzten zwei Jahre bekam er für seine Klingelei ein kleines Salär von der Föhr Tourismus GmbH (FTG) bezahlt. Und FTG-Geschäftsführer Jochen Gemeinhardt sagt zu Recht, dass Knudt Kloborg alles, was er machte, mit Herz und Witz gemacht habe. Nicht nur die Figur des Klingelmannes sei ein Verlust für die Insel, auch der Mensch Knudt Kloborg werde fehlen. Er nahm sich eben Zeit für seine Mitmenschen. Sein Geschenk an die Gesellschaft war Zeit. Und das ist es vielleicht auch, was ihn so beliebt hat werden lassen. Auf Föhr und weit darüber hinaus. Denn in einer zunehmend beschleunigten und hektischen Welt ist Zeit doch eines der kostbarsten Geschenke. Knudt Kloborg hat gern von seiner Zeit abgegeben. Er war ein großzügiger Mensch. Und sicher auch so etwas, was man ein Original nennt. Auch das erklärt vielleicht die große Trauer, die sich in den diesmal tatsächlich sozialen Netzwerken nach der Nachricht seines Ablebens manifestiert hat. Das Bedürfnis der Menschen nach einer Person, einer Figur, die aus dem Leben mit den üblichen Zwängen und Notwendigkeiten ausbricht. Mit 74 Jahren ist er für immer davon gesegelt. Die Glocke von Föhr ist für immer verstummt. Bleibt nur zu sagen: Adieu Klingelmann. Oder wie der Seefahrer beim Abschied sagt: „Ahoi Knudt“. Jörg Bröke