Träume haben wir alle. Doch den Mut, sie auch zu leben, bringen nur wenige auf. Zu diesen zählen ganz sicher drei junge Menschen, die in Bayern sichere Jobs, Freunde und ihre Häuser zurückgelassen haben, um ihren Traum vom Campingplatz am Meer mit Leben zu füllen. Und das auf der kleinen Insel Amrum mit ihren dunklen und einsamen Wintern. In nur wenigen Jahren ist dem Trio das Kunststück gelungen, zwischen Dünen, Leuchtturm und Strand ganz neue, spannende, naturnahe, nachhaltige und doch luxuriöse Übernachtungsangebote mit viel Komfort zu schaffen. Das Amrumer Dünencamping hat dadurch in der Campingszene in ganz Deutschland für Aufsehen gesorgt. Doch damit nicht genug, erstmals hat mit dem Bella Ciao auf der herrlichen Anlage zwischen Dünen, Heide und Horizont ein Restaurant eröffnet, das auch hohe kulinarische Ansprüche erfüllt. Und zwar mit hochwertigen regionalen Produkten und wunderbaren Crossovern zwischen nordfriesischer und mediterraner Küche. Und das ist sicher nicht das letzte Vorhaben, mit dem die drei Freunde mit so unfassbar viel Elan das Leben von Urlaubern und Amrumern noch schöner machen wollen.
„Unsere Arbeitstage sind oft lang, doch den Schritt nach Amrum haben wir noch keinen Moment bereut. Wir verlieben uns jeden Tag mehr in diese Insel und in das, was wir tun“, sagt Nadine Cloudt, die ihren Job als Projektleiterin in einer Münchner Digitalagentur für das Abenteuer Dünencamping an den Haken gehängt hat. Ebenso wie Ehemann Dominic seinen Arbeitsplatz als Manager einer Gastrokette. „Ich bin seit 35 Jahren, also praktisch von Geburt an leidenschaftlicher Camper, mal einen eigenen Platz am Meer zu haben, war beruflich mein größter Herzenswunsch“, sagt Dominic Cloudt. Als das junge Paar, das bereits einige Jahre einen Wohnmobil-Stellplatz in Andechs geleitet hat, erfährt, dass für den Dünen-Campingplatz auf Amrum neue Betreiber gesucht werden, überlegt es daher nicht lange.




Jeder Tag hier am Meer fühlt sich verdammt gut an.
Im November 2019 reisen sie zur Vorstellung ihres Konzeptes auf die kleine Nordseeinsel. „Es war unser erstes Mal Amrum, es war kalt, grau, stürmisch, nass und dennoch waren wir begeistert. Wenn uns Amrum schon im November bei Nebel und Regen in seinen Bann sieht, muss es für uns der richtige Ort sein“, erinnert sich Nadine. Doch während der Rückfahrt macht sich dann auch ein wenig Respekt vor der eigenen Courage breit. Was machen wir, wenn wir die Ausschreibung gegen 30 Mitbewerber wirklich gewinnen?, fragen sich die beiden Münchner auf der Fähre auf der Nordsee in Richtung Festland. Die Antwort lautet: Umzugskartons packen, in einen Wagen laden, durch ganz Deutschland fahren, nach Amrum ziehen und dort 2021 den Platz in den Dünen übernehmen. Mit im Gepäck die kleine, heute fünf Jahre alte Tochter und der gute, handwerklich vielseitig begabte Freund Kristian Bozic, der als Elektroingenieur in München gearbeitet hat. Selbst an einem rauen, stürmischen Sommertag und gerade mal 15 Grad Lufttemperatur läuft er mit kurzen Hosen und einem ansteckenden Lächeln über den Platz, auf dem von morgens bis abends immer viel zu tun ist. „Jeder Tag hier am Meer ist eine Bestätigung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, das fühlt sich verdammt gut an“, sagt der Mann für alle Fälle auf diesem außergewöhnlichen Campingplatz, auf dem alle auch das ganze Jahr über wohnen. „Es ist ein Geschenk, dass ein Kind hier mitten in der Natur aufwachsen darf“, sagt Nadine. Ausnahmsweise gönnt sich die viel beschäftigte Platzchefin an diesem Vormittag mal einen Kaffee und einen Schnack auf den gemütlichen Loungemöbeln aus Holzpaletten auf der Terrasse vor der Rezeption. Der Blick über die Anlage, auf gut gelaunte Menschen, die vom Duschen kommen oder den Laden mit frischen Brötchen verlassen, oder fröhliche, auf dem Spielplatz herumtollende Kinder zeichnet ein Lächeln in ihr Gesicht, auch die Augen strahlen, wieder so ein Amrumer Glücksmoment.
Als Geschenk empfinden auch viele Gäste ihre Zeit auf dem Campingplatz mit einer so ursprünglichen, den Naturelementen so nahen Aura. Sand und Wind bestimmen hier über die rauen Wintermonate, wo im nächsten Frühjahr Campingwagen, Zelte und Wohnmobile aufgebaut und gestellt werden können. „Dieser Platz ist mehr Landschaft als Unterkunft, die Natur bestimmt, wo Mulden für die Parzellen entstehen, der Platz sieht jedes Frühjahr anders aus, auch das macht ihn einzigartig“, schwärmt Nadine. Dazu kommt eine Weitläufigkeit, in der das Durchatmen mit Blick auf die Dünen oder den Leuchtturm leicht fällt. Im Außenbereich fühlt man sich der Natur besonders nah, dort ist das Rauschen der Nordsee die schönste Melodie zum Einschlafen.
Einzigartig ist auch die Vielfalt an Unterkünften, die das in Amrum verliebte Trio in kurzer Zeit geschaffen hat, und zwar auch für diejenigen, die ohne ein fahrbares Ferienhaus oder selbst ohne Zelt anreisen möchten. Schöner als am Fuß des Leuchtturms lassen sich Ferien mitten in der Natur kaum ausprobieren, zumal wenn sich Camping und ein Stück glamouröser Luxus ganz entspannt zum Glamping vereinen, also zum Campen mit ungewöhnlichem Komfort. Zum Beispiel in den Dünenlodges. Einfach gemütlich und unkompliziert lässt es sich in den geräumigen Holzfässern mit behaglichen Queensize-Betten entspannen. Ob romantisch als Paar, als Urlaub unter besten Freunden in der Dünenlodge „Zweisamkeit“ oder bei einem Natururlaub mit einem Hauch von Abenteuer mit der Familie in den Lodges „Family“ mit vier Betten. „Eine wunderschöne, nach Holz duftende Unterkunft, die zur Natur passt“, sagt Nadine. Wie alle Übernachtungsangebote auf dem Dünen-Campingplatz sind auch die Lodges versetzbar, eine wichtige Voraussetzung für das Nächtigen in einem Naturschutzgebiet.
Zum Hineinkuscheln schön sind auch die edlen Glamping-Tipis, große Zelte in den Farben von Strand und Muscheln mit bequemen Betten, kuscheligen Bettdecken, Kissen und Sitzmöbeln. So schick kann Zelten heute sein. Etwas einfacher, dafür aber auch sehr besonders nächtigt es sich im Dachzelte-Dorf. Nicht auf den Dächern von Fahrzeugen, sondern auf eigens gezimmerten, hohen Holzplattformen wurden dort Zelte mit Matratzen aufgeschlagen. Größter Luxus ist der tolle, erhabene Ausblick. Morgens früh kann man dort den ersten Kaffee mit Blick auf den Sonnenaufgang genießen, am späten Abend macht ein Sundowner im Glas auf der Terrasse den Sonnenuntergang zum perfekten Moment. Für den Blick in den Sternenhimmel gebaut zu sein, scheinen die futuristischen hölzernen Dünen Spaces mit Schlaflounge und Kochnische auf Stelzen sowie ihren großen Panoramafenstern. Für einen Urlaub im Einklang mit der Natur werden sie von Green Tiny Houses auf dem Campingplatz mit Blick auf den Leuchtturm angeboten.
Klar gibt es dort auch wunderschöne Plätze für mitgebrachte Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte. Dazu kommen noch einige komplett eingerichtete und bis ins Detail liebevoll ausgestattete Mietwohnwagen, für die man nur mit kleinem Gepäck anreisen braucht. Wohnmobilisten konnten in diesem Jahr erstmals sogar auch in den Wintermonaten auf dem meernahen Platz urlauben.
Im Herzen des Platzes haben die neuen Betreiber zwei weitere Angebote geschaffen, die nicht nur für ihre Gäste ein Gewinn sind: Einen schönen kleinen Einkaufsladen und das Bella Ciao, in dem die Pizza mit Krabben und Queller nur ein kulinarischer Genuss ist, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Alle selbst gemachten Pizzen kommen aus dem Steinofen, vom Herd und Grill dazu noch weitere italienische Köstlichkeiten. Dazu zählt die exzellente Pasta, immer frisch und hausgemacht nach einem traditionellen Rezept aus Süditalien. Groß ist auch die Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten. Wir kochen so oft es geht mit frischen Zutaten von regionalen Anbietern, Tomaten, Kartoffeln und Eier kommen aus der direkten Amrumer Nachbarschaft“, sagt Küchenchef Dominic Cloudt. Wenn viel zu tun ist, packen auch nach einem langen Tag abends auch Ehefrau Nadine und Kristian Bozic in dem Restaurant mit Wintergarten und Piazza gerne mit an. Und es gibt noch weitere neue Angebote, wie ein Lehrtipi als Klassenzimmer in den Dünen für Schulklassen und auch für Firmen.
Die Vielzahl an Projekten zeigt, Nadine und Dominic Cloudt sowie Kristian Bozic sind gekommen, um zu bleiben. „Amrum ist unser Sehnsuchtsort, das Meer und die Natur schenken so viel Energie, entschleunigen selbst an einem Arbeitstag“, sagen alle drei. Nur für wenige Wochen im Jahr verlassen sie die geliebte Insel, um selbst an anderen schönen Orten zu campen.
Infos: www.camping-amrum.de
Text: Anja Werner