Seit dem Eigentümerwechsel im Jahr 2019 hat sich die Fläche der früheren Marinewaffenschule in Kappeln-Ellenberg drastisch verändert. Das Wohngebiet Schleiterrassen wächst – wenn auch nicht ganz ohne Hürden.
Das Ostseeresort Olpenitz mag zwar die größere Strahlkraft haben. Kappelns zweites Großprojekt auf der östlichen Seite der Stadt allerdings verdient nicht eben weniger Aufmerksamkeit - allein schon deshalb, weil dort, auf den Schleiterrassen, kein oder jedenfalls nur sehr geringes Ferienwohnen erlaubt ist. Die Bewohner der Schleiterrassen also dürften andere Ambitionen, andere Wünsche und Hoffnungen mit Kappeln verknüpfen, als die Urlauber, die regelmäßig nur wenig Zeit im Resort und damit in Kappeln verbringen. Die Schleiterrassen haben - genau wie das Ostseeresort schon einen Eigentümerwechsel hinter sich. In diesem Fall allerdings war keine Insolvenz ausschlaggebend. Aber: Als das Projekt Ende 2019 den Eigentümer wechselte, wurde damit auch ein deutlich ambitionierter Zeitplan ausgerufen. Gestiegene Bauzinsen und Materialkosten lassen das Projekt in Kappeln zwar auch nicht kalt - die Zuversicht aber bleibt. Was ist seitdem passiert? Zunächst mal haben sich, nachdem der Kieler Projektentwickler Günter Busch die Eigentümer-GmbH AMA Marina Schleiterrassen GmbH und damit die Schleiterrassen gekauft hat, die Zahlen verändert. Aus von seinen Vorgänger geplanten 220 Wohneinheiten sind 75 Einfamilienhäuser, 75 Doppelhäuser und 350 Einheiten im Wohngeschossbau geworden. Der angekündigte Wasserblick von möglichst jeder Stelle, den der terrassenartige Geländeaufbau gewährleisten sollte, wird inzwischen jedoch schwieriger.




So müssen sich Erstbewohner der Schleiterrassen, die eine Doppelhaushälfte nahe der Einfahrt zum Wohngebiet erworben haben, auf ihrer Dachterrasse inzwischen ganz schön weit zur Seite lehnen, um noch einen Blick auf die Schlei zu erhaschen. Trotzdem: Das Wohngebiet scheint beliebt zu sein. Unter den Bewohnern im Reetdachhaus-Quartier seien einige, die das Haus ursprünglich als Zweitwohnsitz nutzen und eigentlich nur ein paar Mal im Jahr kommen wollten, berichtet jemand, der es wissen muss. Mittlerweile aber seien diese Eigentümer fast jedes Wochenende hier. Vielleicht auch deshalb, damit sie dem mitunter immer noch etwas orientierungslosen dunkelblauen Amazon-Transporter den Weg durch all die neuen Straßen weisen können. Für die Popularität der Schleiterrassen sprechen auch die Preise: Die erwähnte Doppelhaushälfte kostete anfangs 470.000 Euro. Zuletzt war der identische Haustyp in gleicher Lage in einem bekannten Online-Immobilienportal für 599.000 Euro zu haben. Seit diesem Frühsommer ist auch der Yachthafen der Schleiterrassen fertig. Entstanden sind Liegeplätze für 124 Boote. Weil die Schlei allerdings nicht ausgebaggert werden durfte, beträgt die Wassertiefe in Ufernähe gerade mal 1,30 Meter - das lässt an der Stelle nur Motorboote oder kleine Segelboote mit eingefaltetem Kiel zu. Weiter draußen bei einer Wassertiefe von etwa zwei Metern und mehr ist größerer Spielraum. Insgesamt ist der nördliche Teil der Schleiterrassen der weiter fortgeschrittene Abschnitt. Dort sollen die Straßen absehbar asphaltiert und weiteres Grün gepflanzt werden. Im Frühjahr soll sich dann der südliche Teil anschließen.
Und über die Wintermonate will man den Grünstreifen vom Eingangsbereich des Geländes in Richtung Schlei fertigstellen. Vollständig fertig sollen die Schleiterrassen in drei Jahren sein. Insgesamt hätte die AMA Marina Schleiterrassen GmbH dann rund sieben Jahre gebraucht. Und spätestens dann wird der dunkelblaue Amazon-Transporter nicht mehr ganz so ziellos durch die Straßen fahren. Rebecca Nordmann