Weihnachten ist das Fest der Geschenke. Das ist so und das bleibt so. Und Geschenke kauft man bis heute immer noch zu einem großen Teil in den Geschäften des örtlichen Einzelhandels. Deren Vertreter und Mitarbeiter haben über die Jahre in der Vorweihnachtszeit nicht nur viel zu tun, sondern erleben oft auch kuriose Wünsche und erinnern sich an lustige Vorkommnisse. Wir haben uns einmal umgehört.
Weinhändler Harry Ober am Kornmarkt erinnert sich daran, wie er vor vielen Jahren einmal einen Kunden kurz vor dem Fest auf die Schippe genommen hat. Das war kurz nach der Euro-Umstellung. Ein Kunde kam mit einem Gutschein über 100 DM und wollte den einlösen. „Wir haben den Euro, sagte ich ihm. Den können Sie wegschmeißen, der ist nichts mehr wert. Er bekam erst mal Schnappatmung! Am Ende haben wir jedoch alle gelacht und er bekam Wein oder Whisky für 51,13 Euro.“

Etwas gestutzt hat Harry Ober, als mal ein Kunde Heiligabend in den Laden stürmte, 50 Euro auf den Tisch legte und sagte: „Machen Sie irgendwas Schönes!“„Das fand ich schon ein wenig unpersönlich“, sagt Ober heute. „Ich habe dann versucht, rauszubekommen, für wen das Geschenk ist und was diese Person gern mag.“ An Weihnachtsgeschenken verkauft Harry Ober in erster Linie immer noch Wein, vor allem Rotwein.
An einen besonders kuriosen Weihnachtswunsch erinnert sich auch Mitarbeiterin Steffi vom „Bodytempel“ an der Faulstraße. Da kamen einige Kinder und wollten für ihren Papa einen Gutschein für ein Bauchnabelpiercing kaufen, erinnert sie sich und lacht heute immer noch. Einen ähnlichen Wunsch hatten auch die Kollegen eines anderen Mannes, der wohl eine Wette verloren hatte. Ob diese Gutscheine auch eingelöst wurden, kann sie allerdings nicht mehr erinnern.
Kristof Ewert, Inhaber des Fotostudios Sliasthorp am Stadtweg, erinnert sich an den Besuch eines Vaters mit seinen fünf Töchtern in der Vorweihnachtszeit vor einigen Jahren. Er machte einige Fotos, und in den folgenden Tagen kamen von immer anderen Personen aus dieser Gruppe sehr geheime Aufträge für Abzüge und Vergrößerungen, die an bestimmten Tagen abgeholt werden sollten und von denen niemand etwas wissen durfte. „Das war eine ganz schöne logistische Herausforderung für meine Mitarbeiter!“, erinnert er sich schmunzelnd.

Und dann war da noch die Schleswiger Familie, die an Heiligabend Vormittag richtig schön aufgetakelt ins Studio kam und ein Familienfoto wünschte. „Können wir machen“, habe er geantwortet. Fotos aussuchen, Abzüge machen und rahmen - all das müsse er aber auf nach Weihnachten verschieben.„Das wurde dann auch akzeptiert.“
Vor dem Fest der Liebe sei es auch schon mal zu „Zwischenfällen“ beim Foto-Shooting eines Liebespaares gekommen. „Er musste plötzlich austreten, und sie war schon etwas genervt. Dann kam er jedoch mit einem Riesenstrauß Rosen wieder rein, fiel auf die Knie und machte ihr einen Heiratsantrag.“

An ein lustiges Vorkommnis erinnert sich auch Anke Schän, Inhaberin von „Glückskind Schleswig“ am Stadtweg. „Eine ältere Dame suchte sich eine schöne Porzellanschale in Schwarzweiß aus und ließ sie sich als Geschenk verpacken“, erinnert sich Anke Schän. Ein paar Tage später kam sie etwas geknickt zurück. „Das ist ja ein Hunde-Fressnapf!“ Dieses Detail hatte sie beim Kauf übersehen. Natürlich wurde die schicke Schüssel getauscht.
Und wenn gar nichts mehr geht an Heiligabend, dann ist ja immer noch die gute alte Tanke da. Mitten im Stadtzentrum liegt die Tankstelle Nordöl an der Ecke Schubystraße/Moltkestraße. Seit 22 Jahren wird sie von Walter Röpcke betrieben. Der Shop ist so etwas wie ein Tante-Emma-Laden, hier gibt es viel mehr als Dosenbier, Lakritz und Kartoffelchips. An Weihnachten würden immer kurz vor Toreschluss noch Blumen für die Mama oder die Ehefrau nachgefragt, so Röpcke, natürlich auch mal Wein oder Spirituosen. Bockwurst, Senf, Mayonnaise, Brot, Eier - notfalls sind auch Zutaten für ein einfaches Abendessen da. Nur einmal musste er passen. „Da wollte jemand einen Würfel Hefe haben“, erinnert sich Walter Röpcke.
Text: Joachim Pohl