
Recherchieren, anschließend schreiben, zum Schluss gegenlesen. So entsteht ein Artikel. Doch wie konzipiert man ein komplettes Nachrichtenangebot? Unser Reporter Robert Meyer gibt Einblick in einen Arbeitstag bei den Husumer Nachrichten.
8.45 Uhr

Der Frühdienst nimmt seine Arbeit auf. Eine seiner wichtigsten Aufgaben: E-Mails aus den Redaktionspostfächern abarbeiten und prüfen, ob sich daraus neue, spannende Geschichten ergeben. Das kann eine kurze Blaulichtmeldung sein, genauso wie der Ausgangspunkt für eine ausführliche Recherche.
Bei den Husumer Nachrichten arbeiten wir mit einem sogenannten Chef vom Dienst (CvD), das heißt, eine Kollegin oder ein Kollege hat die Tagesproduktion im Blick. Gleich morgens werden von ihm die ersten Artikel auf der Website und in der sh:z-Newsapp veröffentlicht sowie über Facebook verbreitet.
10 Uhr

Sofern nicht bereits die ersten Termine anstehen, treffen alle Reporter zwischen 9 und 10 Uhr in der Redaktion ein und planen ihr Tagewerk, ehe die Redaktionskonferenz beginnt. Auf dieser werden Themen besprochen und geklärt, welche Artikel in der Printausgabe erscheinen sollen. Die Texte werden über ein Online-Tool dem Desk in Büdelsdorf mitgeteilt, wo später die Seiten erstellt werden. Der CvD teilt die Highlights anschließend der sogenannten Content Unit Nord mit. Zu diesem Verbund gehören neben den Husumer Nachrichten, das Nordfriesland Tageblatt, die Sylter Rundschau, Der InselBote, das Flensburger Tageblatt, die Schleswiger Nachrichten und der Schlei-Bote. Dieser redaktionelle Austausch ist auch deshalb wichtig, weil manche Recherchen für andere sh:z-Tageszeitungen interessant sein können.
10.30 Uhr

Nach der Teambesprechung steigen alle Kollegen in die Produktion ein. Am Anfangjedes Textes steht die Recherche. Anlass dafür kann eine Einladung durch die Lokalpolitik oder einen Verein zu einem Termin sein, es melden sich aber genauso Leser, die einen Hinweis oder ein Anliegen haben, aus dem am Ende eine Geschichte entsteht. Redakteure finden auch selbst Anlässe zur Recherche, die sich beispielsweise aus dem landes- oder sogar bundespolitischen Geschehen ergibt. Aber genauso werden Menschen aus der Region porträtiert, die etwas Besonderes geleistet oder ein besonderes Hobby haben. Wichtig: Zu jeder Geschichte braucht es ein Foto. Dank moderner Technik muss nicht immer die Spiegelreflexkamera zum Einsatz kommen. Auch mit dem Smartphone lassen sich druckreife Fotos machen.
12 Uhr

Während die Reporter bei Terminen auf Recherche sind und anschließend ihre Geschichten aufschreiben, behält der CvD alles im Blick. Er schaut nicht nur weiter in die Mailfächer, sondern liest von den Kollegeneingereichte Artikel Korrektur, das kann auch von freien Autoren sein, die für die Husumer Nachrichten arbeiten. Der CvD entscheidet außerdem, wann welche Geschichte auf der Website und in der sh:z-Newsapp veröffentlicht wird und bespielt den Facebook-Auftritt mit neuen Beiträgen.
Alle Alle Artikel Übrigens: werden von den Reportern in einem speziellen Programm als Online-Artikel angelegt. Seit einigen Jahren gilt beim sh:z das Prinzip: Online first! Auch dadurch hat sich das Berufsbild des Reporters gewandelt. Geschichten müssen erzählerisch nicht nur auf den Punkt gebracht werden, ebenso wichtig ist mittlerweile grundlegendes Wissen über Suchmaschinenoptimierung, damit Artikel später von Lesern auch jenseits von shz.de gefunden werden.

Lokaljournalismus heißt, flexibel zu Es sein. kommt vor, dass ein Kollege mitten in einer Recherche steckt und plötzlich etwas Unerwartetes passiert. Nicht jede Geschichte ist planbar, ein Artikel über einen Feuerwehr- oder Polizeieinsatz entsteht spontan. Das heißt Umplanung, aber eben auch immer aktuell zu sein. Wird es besonders hektisch, lesen sich die Kollegen auch schon einmal gegenseitig Korrektur. Ist ein Artikel schließlich online, landet er automatisch beim Desk in Büdelsdorf.
Dort sitzen das Layout und gestaltet die Seiten für die Husumer Nachrichten. Nun sind ein paar Anpassungen nötig: Überschriften werden umformuliert, eine Unterzeile ergänzt, manchmal muss ein Text gekürzt werden. Anders als im Internet ist der Platz auf einer Zeitungsseite begrenzt. Das gilt auch für das Thema Fotos: Das Layout sucht aus, was das passendste Bild für die Zeitungsversion eines Artikels ist.
17 Uhr

Der Spätdienst übernimmt vom CvD das Tagesgeschäft. Laufen am Abend weitere Artikel ein, übernimmt der diensthabende Redakteur das Redigat und veröffentlicht die Texte anschließend. Auch behält er im Blick, ob irgendwo etwas passiert, was tagesaktuell noch vermeldet werden muss. Für alle anderen Kollegen ist meistens noch kein Feierabend: Projekte für die nächsten Tage werden geplant und angeschoben, oft finden Abendtermine statt, zum Beispiel Gemeinderatssitzungen, die Ausgangspunkt für neue Geschichten sind.
Wenn alle Artikel in Büdelsdorf ins Layout eingepasst sind, werden die Seiten ausgedruckt und an eine Wand gehängt. Der jeweilige Editor, der für das Layout einer Lokalausgabe zuständig ist, bespricht alle Seiten mit dem Produktionsleiter Print, dann folgen letzte Justierungen. Zum Schluss folgt der wohl wichtigste Schritt der Printproduktion: Die Tagesausgabe wird an die Druckerei gesendet.
Am nächsten Morgen ist die Print-Zeitung dann bei den Lesern im Briefkasten, das E-Paper steht bereits am Abend parat.