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VAMED Rehaklinik Schönhagen: „Andere möchten einfach nur hier sein“

Die Rehaklinik gehört zu den größten onkologischen Rehakliniken Deutschlands. In direkter Lage an der Ostsee erhalten Menschen nach einer Krebserkrankung umfassende körperliche und seelische Unterstützung

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Prof. Dr. Stöhlmacher, morgen ist Ihr erster Tag als Chefarzt in der VAMED Rehaklinik Schönhagen. Wie fühlen Sie sich?

Ich würde es als positive Nervosität beschreiben. Es ist meine erste Chefarztstelle, ich sehe ihr mit einer gewissen Gelassenheit, aber auch mit Respekt entgegen. Ich komme aus Rostock, habe hier im Norden studiert und in Hamburg und Kiel gearbeitet. Es fühlt sich für mich wie nach Hause kommen an.

Ihre Reise in die Medizin begann schon früh. Was führte Sie letztlich zur Onkologie?

Interesse für die Medizin hatte ich schon in jungen Jahren. 1991 begann ich mein Studium in Rostock, also kurz nach der Wende. Meine Faszination für die Krebsbehandlung festigte sich während meines praktischen Jahres in Kiel auf einer onkologischen Station. Ich durfte zudem eine Zeit lang als Stipendiat der Mildred Scheel Stiftung der Deutschen Krebshilfe in Los Angeles in der Forschung arbeiten. Für unseren Fachbereich sollte man Empathie mitbringen, die „sprechende Medizin“, nah am Menschen zu sein, steht im Vordergrund. Ich versuche die Patienten in ihrer Situation abzuholen und dann gemeinsam einen Weg zu entwickeln. Dass sich in den letzten Jahren durch die Krebsforschung so viele neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt haben, macht dieses Fach so spannend.

Reha für Krebspatienten - was darf man darunter konkret verstehen? Was leistet die Rehaklinik Schönhagen?

Unsere Klinik gehört zu den größten onkologischen Rehakliniken in Deutschland und verfolgt einen multimodalen Ansatz. Es geht darum, die körperlichen und seelischen Folgen der Krebserkrankung selbst, aber auch solche von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung gezielt anzugehen. Wir bieten umfassende physische und psychische Betreuung, sowohl für als geheilt geltende als auch noch erkrankte Menschen, auch direkt nach der Entlassung aus der Akutklinik. Das Angebot reicht von Physio-, Ergo- und Sporttherapie über psychologische Unterstützung, spezielle pflegerische Versorgung und Stressbewältigungsseminaren bis zu Sozial- und Ernährungsberatung. Ein besonderer Aspekt unserer onkologischen Klinik ist, dass wir auch Altersrentner aufnehmen - etwas, das in Rehabilitationseinrichtungen anderer Fachrichtungen nicht üblich ist. Die vielfältigen Therapien werden bei uns individuell angepasst, um unseren Patienten die Rückkehr in ihren Lebensalltag zu ermöglichen. Dazu kommt der Austausch untereinander. Menschen mit ähnlichen Schicksalen begegnen sich hier. Viele unserer Patienten bleiben auch nach ihrer Reha in Kontakt. Andere möchten einfach nur hier sein und neu Kraft schöpfen.

Mit welchen Herausforderungen sehen sich Patienten nach einer Krebserkrankung konfrontiert?

Nach einer Krebserkrankung müssen viele Patienten erst lernen, ihre Erkrankung und ihre Nachwirkungen zu akzeptieren. Die körperlichen Aspekte sind nur ein Teil davon. Psychische Belastungen, finanzielle Sorgen und der Wiedereinstieg ins Berufsleben können ebenfalls große Hürden sein. Unsere Aufgabe ist es, die Patienten hierbei zu unterstützen und ihnen den Neustart so leicht wie möglich zu machen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die soziale Reintegration, denn viele Patienten haben das Gefühl, nach einer Erkrankung ihre Rolle in ihrem sozialen Umfeld neu finden zu müssen. Die tägliche Lebensgestaltung kann in verschiedenen Bereichen wesentlich verändert sein, dazu zählt manchmal auch ein verändertes Sexualleben. Da neben Ärzten auch Psychologen, Sozialarbeiter und weitere Berufsgruppen bei uns Hand-in-Hand arbeiten, können wir bei diesen Problemen wirklich unterstützen.

In welchem Bereich der Krebsforschung und -therapie erhoffen Sie sich vor allem Fortschritte?

Mein größter Wunsch für die Zukunft der Krebsforschung ist die Entwicklung von Therapien mit geringen Nebenwirkungen. Der Mensch sollte die Behandlung so wenig wie möglich als Belastung empfinden. Auch im Bereich der Früherkennung gibt es noch viel Potenzial.

Gibt es außer den Klassikern wie „nicht rauchen“ und einer gesunden Lebensweise noch andere Möglichkeiten zur Krebsprävention?

Auch meine erste Antwort ist ein gesunder Lebensstil. Darüber hinaus ist es wichtig, die vorhandenen Angebote zur Krebsvorsorge konsequent zu nutzen. Während der Corona-Zeit hat sich gezeigt, was passiert, wenn die Vorsorge unterbrochen wird. Untersuchungen belegen, dass beispielsweise die Vorsorge bei Dermatologen um 20 Prozent zurückgegangen war, was zu zahlreichen zusätzlichen Erkrankungen geführt hat, weil die Menschen eben nicht mehr zur Früherkennung gegangen sind. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Nachsorge. Wenn jemand ein Magenkarzinom hatte und operiert wurde, besteht innerhalb der ersten fünf Jahre ein erhöhtes Rückfallrisiko. Daher ist es wichtig, die Nachfolgeuntersuchungen wahrzunehmen, die regelmäßig stattfinden. Ein Drittel der Menschen geht jedoch nicht zur Nachsorge, was problematisch ist. Es gibt weiter spezielle Risiken, wie Expositionen gegenüber Gefahrstoffen, und genetische Dispositionen, die das Risiko einer Krebserkrankung erhöhen können.

Eine ganz persönliche Frage: Ihre beiden Brüder sind an Krebs gestorben. Hat es Ihre Arbeit maßgeblich beeinflusst?

Ja, auf jeden Fall. Es war schon sehr schwierig, als Experte hilflos danebenzustehen. Der Tod meiner beiden Brüder hat mich dazu veranlasst, meine beruflichen Ziele zu hinterfragen und ich habe erst einmal eine Auszeit genommen. In dieser Zeit ist mein Buch entstanden, in dem ich meine persönlichen Erfahrungen und die von Patienten aufgeschrieben habe. Einmal auf der anderen Seite stehend, ist die Patienten-Arzt-Kommunikation für mich ein Herzensthema geworden. Meine Erlebnisse haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, kleine Gesten zu setzen und den Austausch von Emotionen nicht zu übergehen, selbst wenn die Zeit begrenzt ist. Und wenn es nur das Reichen eines Taschentuches ist. Ich habe gelernt, die Angehörigen besser einzubeziehen und den Patienten Raum für ihre Gefühle zu geben. Weil ich selbst schlechte Erfahrungen damit machen musste, war es mir wichtig, die Patienten und ihre Angehörige zu motivieren, aktiv zu werden und nicht alles einfach hinzunehmen. Meinen Medizinstudenten an der Universität Dresden versuche ich die Bedeutung einer empathischen Kommunikation zu vermitteln.
// Interview: Julia Voigt


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Information

Damit Vertrauen im Sprechzimmer gelingt - Ein persönlicher Wegweiser für Patienten und ihre Angehörigen

ISBN 978-3-86867-602-0 KVM Verlag

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