Sie schützt uns vor Kälte, Sonne, Krankheitserregern und kann so vieles mehr. Unsere Haut ist zweifellos ein Multitalent. Kommt sie allerdings aus dem Gleichgewicht, kann das unter Umständen schwerwiegende Folgen haben. Unsere Redakteurin Julia Voigt hat bei Prof. Dr. Evelyn Gaffal, Direktorin für Dermatologie, Allergologie und Venerologie am UKSH Campus Lübeck nachgefragt.
Es heißt, die Haut ist der Spiegel der Seele. Wenn ein Patient zu Ihnen in die Klinik kommt, können Sie manchmal schon auf den ersten Blick die Erkrankung „ablesen“?
Ja, das ist häufiger der Fall. Man erkennt zum Beispiel schnell, wenn jemand viel Sonne abbekommen hat, weil solche Personen häufig Hautrötungen und Pigmentverschiebungen aufweisen, die unter Umständen auf Krebsvorstufen hinweisen könnten. Auch der seelische Zustand eines Menschen kann sich auf der Haut zeigen. So sehen wir häufig, dass Patienten nach extremen emotionalen Belastungen plötzlich chronischen Juckreiz entwickeln. Stresssituationen können beispielsweise auch zu Nesselsucht führen und hormonelle Schübe zum Beispiel Akne befördern.
Mit welchen Hauterkrankungen sind Sie in der Klinik besonders oft beschäftigt?
Leider beobachten wir eine massive Zunahme an Hautkrebsfällen. Über 50 Prozent der Patienten kommen wegen Hautkrebsvorstufen oder Hautkrebs in unsere Sprechstunden. Diese Erkrankung kann tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.
Was sind Gründe für den Anstieg der Hautkrebsfälle?
Die Ursachen hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert, weil sich der Lebensstil und das Schönheitsideal gewandelt haben. Bräune zum Beispiel gilt heute als attraktiv, was zu vermehrter Sonnenexposition führt. Zudem werden wir alle älter, und Hautkrebs tritt häufiger bei älteren Menschen auf und dann kommen auch genetische Veranlagungen mit dazu. Wichtig bei Hautkrebs ist die Aufklärung und Prävention. Vor allem bei Kindern ist der Hautschutz wichtig, denn jeder Sonnenbrand kann sich noch Jahre später auswirken.


Welche Hautkrebsarten kommen am häufigsten vor und wie können wir sie erkennen?
Am häufigsten ist der weiße Hautkrebs, der zumeist gut behandelbar ist. Gefährlicher ist das Melanom, der schwarze Hautkrebs, denn obwohl er seltener ist, ist er häufiger für Todesfälle verantwortlich, da der schwarze Hautkrebs Metastasen in die Organe streut. Laien können Vorzeichen durch die ABCDE-Regel erkennen: A steht für Asymmetrie, B für Begrenzung, C für Farbe (Colour) D für Durchmesser und E für Erhabenheit, also wie viel sich das Muttermal vom Hautniveau abhebt. Wichtig ist zu bedenken, dass Hautkrebs auch an außergewöhnlichen Stellen auftreten kann, wie zum Beispiel in der Mund- oder Nasenschleimhaut, im Genitalbereich oder sogar im Auge können Melanome entstehen. Ein wichtiges Werkzeug für uns Hautärzte ist das Dermatoskop. Das ist im Grunde eine Lupe mit integriertem Licht, die uns erlaubt, Hautveränderungen sehr detailliert zu betrachten. Viele Patienten sorgen sich, wenn ein Muttermal sehr dunkel wird. Das ist jedoch nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis. Im Sommer, wenn wir mehr Sonne abbekommen, wird die Haut pigmentierter, und Muttermale können dadurch dunkler werden, was sich nach einiger Zeit wieder zurückbilden kann. Es ist wichtig zu wissen, dass dunkle Farbe nicht automatisch bedenklich ist. Außerdem gibt es auch unpigmentierte oder nur bräunliche Melanome.
Wie hoch sind die Heilungschancen einer Hautkrebserkrankung?
Wenn wir Hautkrebs vollständig chirurgisch entfernen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass an derselben Stelle erneut etwas auftritt, sehr gering. Beim schwarzen Hautkrebs hingegen hängt die Prognose davon ab, wie groß er ist und wie weit er bereits in die Haut eingedrungen ist. Wenn der Krebs eine bestimmte Tiefe erreicht hat, müssen wir auch prüfen, ob bereits Metastasen in den Lymphknoten vorhanden sind. Natürlich gibt es auch kleinere Melanome, die Metastasen bilden können, aber die Mehrheit der frühzeitig erkannten Fälle hat eine hundertprozentige Überlebenschance. Dank neuer Therapien leben heute über 50 Prozent der Patienten mit Metastasen auch noch nach fünf Jahren. Das ist im Vergleich zu Anfang der 2000-Jahre ein großer Fortschritt, als noch weniger als zehn Prozent diese Fünf-Jahres-Marke überlebt haben.
Es gibt also deutliche Fortschritte in der Therapie?
Absolut. Die innovativen Therapien der letzten zehn Jahre haben die Prognose für viele Patienten erheblich verbessert. Sie sind zwar nicht ohne Nebenwirkungen, aber der Fortschritt ist bemerkenswert.
Wie sehr beeinflusst die Genetik Hautkrebserkrankungen?
Genetische Faktoren, wie ein heller Hauttyp, erhöhen das Risiko. Es gibt auch genetische Prädispositionen in bestimmten Familien. Die Umwelt spielt ebenfalls eine Rolle, da Sonneneinstrahlung ein wichtiger Faktor ist. Menschen mit heller Haut haben weniger natürlichen Sonnenschutz, was das Risiko erhöht.
Welchen Einfluss haben der Klimawandel und Umwelteinflüsse auf die Hautgesundheit?
Der Klimawandel sorgt für mehr Sonnentage und intensivere Sonneneinstrahlung, was das Risiko erhöht. Auch die Luftverschmutzung belastet die Haut, besonders bei Allergikern, da sie zu einer Zunahme von Pollen führt. Die Hitze in den Sommermonaten ist auch für Patienten mit entzündlichen Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, häufig eine starke Belastung. Die Häufigkeit von Allergien und Unverträglichkeiten nimmt leider auch stetig zu.


Welche Ursachen sind häufig für Allergien verantwortlich?
Der Missbrauch von Kosmetika und Überpflegung der Haut begünstigen Allergien, insbesondere bei jungen Menschen. Dazu kommen Umweltfaktoren und veränderte Ernährungsweisen, die die Sensibilisierung der Haut verstärken.
Welche Rolle spielen neue Technologien wie KI und 3D-Druck in der Dermatologie?
Neue Technologien wie smarte Wearables, wie Fitnessarmbänder, und Apps für das Gesundheitsmonitoring sind bahnbrechend. Jeden Tag können Patienten alle Daten in ein Logbuch eintragen. Diese Apps helfen uns, die Krankheitsverläufe detaillierter zu dokumentieren. Zum Beispiel können Melanompatienten durch Apps ihre Therapien überwachen und frühzeitig Nebenwirkungen identifizieren. Gerade bei Juckreiz, entzündlicher Dermatose, aber auch Nebenwirkungen, z.B. bei der Krebstherapie, können Apps ein gutes Tool sein. Weiter werden unter anderem in Bayern bereits spezielle Körperscanner eingesetzt, die einen Teil der Diagnoseleistung übernehmen. Der Körper wird komplett gescannt und die KI erkennt und dokumentiert entsprechend auffällige Läsionen. Die KI hat Studien zufolge eine hohe Treffsicherheit.
Wie steht es um die Telemedizin im Bereich der Hautgesundheit?
Während der COVID19-Pandemie war Telemedizin ein Hoffnungsträger. Doch technische und datenschutzrechtliche Herausforderungen machen eine reibungslose Kommunikation schwierig. Obwohl es viel Potenzial gibt, haperte es bisher am praktischen Einsatz. Die Telemedizin kann nützlich sein, ist aber eher eine Ergänzung zur klassischen Diagnose.
Wie ist Ihre Meinung zu Tattoo-Farben?
Grundsätzlich ist das eine persönliche Entscheidung. Allergische Reaktionen, vornehmlich auf gewisse Farbstoffe, können jedoch problematisch sein. Deshalb sollte man sicherstellen, dass die Tätowierungen professionell gemacht werden und die verwendeten Farben sicher sind.
Was liegt Ihnen zum Thema Hautgesundheit besonders am Herzen?
Die Haut ist unser größtes Organ und hat viele Funktionen. Es ist wichtig, sie pfleglich und umsichtig zu behandeln. Weniger ist allerdings oft mehr. Eine moderate Pflege und effektiver Sonnenschutz sind essenziell, um die Haut langfristig gesund zu halten und vorzeitige Alterung zu vermeiden.
Interview: Julia Voigt
Das Gleitsichtbrillen-Geheimnis
Als einziger Augenoptiker im Raum Pinneberg und in Rissen ist Mott Optik als ZEISS Vision Partner zertifiziert. Beide Betriebe in Pinneberg, Rübekamp 3, und Rissen, Wedeler Landstraße 24, können deshalb extrem präzise Gläser anbieten, die individuell mit der ZEISS-i.Scription-Technologie gefertigt werden. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: deutlich brillanteres Sehen - auch in der Dämmerung und sogar nachts. Ebenso verlässt sich Mott Optik auf Hightech von ZEISS, wenn es um die gerade bei Gleitsichtbrillen so wichtige Glas-Zentrierung geht. „Damit erreichen wir eine Präzision von einem Zehntel Millimeter und sichern so einen optimalen Sehkomfort“, erläutert erläutert Florian Mott, „innovative Technik bieten wir natürlich auch bei Kontaktlinsen und vergrößernden Sehhilfen.“ baf
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