"Alles, was sich bewegt, kann sich auch mal festsetzen, verdrehen und abnutzen", so Gesundheitsexperte Gunnar Wegner. In seiner Praxis für Osteopathie und Chiropraktik in Flensburg begegnen ihm Gelenkproblematiken jeden Tag. Für Wegner ist das kein Zufall, sondern oft auch eine Folge moderner Lebensweisen: zu wenig Bewegung, zu viel Sitzen, physiologisch ungünstigen Haltungen - und dazu Faktoren wie ungesunde Ernährung und Stress. Sein Therapiekonzept verbindet dabei zwei Ansätze, die bisher meist getrennt betrachtet wurden: Osteopathie und Chiropraktik. Die Grundidee: Verändern sich Gelenkstrukturen, kann anliegendes Nervengewebe gereizt oder komprimiert werden, wodurch Funktionen im Körper beeinträchtigt werden können. Wird die Blockade gelöst, sollen die Selbstregulationskräfte des Körpers wieder greifen.

Viele Beschwerden, die Patienten als einzelne "Baustellen" wahrnehmen - etwa Schmerz im Knie oder im Nacken - seien oft Ausdruck von Kompensation. Der Körper versucht, eine Störung auszugleichen. Das führt in einen Kreislauf: Eine Fehlstellung oder Dysfunktion an einer Stelle zieht über Muskelketten und Faszien an anderen Strukturen und irgendwann entstehen Symptome dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Gerade im Bereich des Beckens und der unteren Wirbelsäule, so Wegner, zeigt sich das deutlich. Das Kreuzbein, sagt er, sei "das Fundament des Hauses". Wenn dieses Fundament schief steht - durch Fehlhaltung, innere Spannungen oder durch Traumata wie Unfälle-, dann setzt sich die Veränderung über die Statik fort. Im Körper entstehen Beschwerden: Verspannungen, Kribbeln, Missempfindungen, Bewegungseinschränkungen und mehr.
Dass Gelenke so häufig Probleme machen, hat aus Wegners Sicht auch mit unserem Lebensstil zu tun. Weniger Bewegung bedeute nicht nur schwächere Muskulatur, sondern auch weniger "Pflege“ der Gelenke: Dazu kommen Fehlhaltungen, die den Körper in Muster zwingen, die langfristig Zug über Gewebe erzeugen. Wegner spricht von Dysbalancen, bei denen Bänder, Faszien und Muskeln nicht mehr in einer moderaten, gesunden Spannung arbeiten, sondern dauerhaft ziehen. Und auch die Ernährung spiele, eine größere Rolle, als viele erwarten. Eine sehr zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung könne Entzündungsprozesse fördern, den Magen-Darm-Trakt belasten und über fasziale Verbindungen Spannungen weitergeben. Ein weiteres Feld ist Stress als messbarer Faktor für Körperhaltung und Muskeltonus. Wer Gelenkbeschwerden nur als lokales Problem betrachtet, lande schnell in einer Schleife aus kurzfristiger Linderung und Rückfall. "Ohne aktive Veränderung im Alltag bleibt vieles Stückwerk", so der Fachmann.
Text + Fotos: Julia Voigt