

Bei der altersbedingten Makuladegeneration wird der zentrale Bereich der Netzhaut geschädigt. Betroffene verlieren dadurch die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, zu lesen oder Details scharf zu sehen.
Das neue Implantat setzt genau hier an. Vereinfacht erklärt funktioniert die Netzhaut wie der Film einer Kamera: Sie wandelt Licht in elektrische Signale um, die das Gehirn als Bilder interpretiert. Bei fortgeschrittener AMD ist dieser Prozess stark gestört. Das Implantat übernimmt einen Teil dieser Aufgabe. In einer hochspezialisierten Operation wird ein winziger Chip unter die Netzhaut eingesetzt. Eine spezielle Brille nimmt Bilder aus der Umgebung auf und projiziert sie auf den Chip. Dieser stimuliert die noch vorhandenen Nervenzellen der Netzhaut, sodass visuelle Eindrücke wieder wahrgenommen werden können.
Der Eingriff zählt zu den anspruchsvollsten in der Augenchirurgie und kann weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Die Studienergebnisse sind ermutigend: Bei den meisten Teilnehmenden verbesserte sich das Sehvermögen spürbar. „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt für Patientinnen und Patienten, für die es bislang kaum Behandlungsmöglichkeiten gab“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Salvatore Grisanti. „Auch wenn die Operation und die anschließende Nachsorge sehr aufwendig sind, zeigt die Studie eindrucksvoll das Potenzial dieser neuen Technologie.“ Die Weiterentwicklung des Netzhautimplantats wird am UKSH, Campus Lübeck, in enger Zusammenarbeit mit der Universität zu Lübeck weiter begleitet. Sollte das Implantat in Zukunft zugelassen und in der medizinischen Versorgung etabliert werden, plant das UKSH, diese Therapie auch betroffenen Patientinnen und Patienten in Norddeutschland anzubieten.

Die Klinik für Augenheilkunde am Campus Lübeck zählt zu den führenden Zentren für Netzhauterkrankungen in Norddeutschland und wendet zur Behandlung der AMD innovative Therapienan. Aktuell ist die Klinik das erste Zentrum in Deutschland für eine Gentherapie zur Behandlung der feuchten AMD. Die Therapie zielt darauf ab, durch eine einmalige gentherapeutische Intervention die krankhafte Gefäßneubildung an der Netzhaut nachhaltig zu kontrollieren. Damit eröffnet sich eine neue therapeutische Perspektive für Patientinnen und Patienten, die bislang auf regelmäßige intravitreale Injektionen angewiesen sind.
Die Gentherapie wird im Rahmen einer internationalen klinischen Studie durchgeführt. Patientinnen und Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich direkt an die Klinik wenden:
0451 500-43913
studien.augenklinik.luebeck@uksh.de
Weitere Informationen:
www.uksh.de/augenklinik-luebeck
Text: UKSH Fotos: Science Corporation, UKSH