Weinliebhaber kommen seit einigen Jahren auf Föhr und Amrum auf ihre Kosten. Auch Bier wird inzwischen auf beiden Inseln produziert. Und wer es etwas hochprozentiger mag, ist in Dunsum auf Föhr gut aufgehoben. Auf Hinrichsens' Farm wird Whisky produziert. Vom Anbau des Getreides über das aufwändige Verfahren des Mälzens, wenn die Gerstel zum Keimen gebracht wird, bis zum fertigen Whisky in der Flasche, macht Familie Hinrichsen alles selbst. In Deutschland sei das einmalig und weltweit sehr selten, berichtet Jan Hinrichsen, Vater der fünfköpfigen Familie. „Es gibt maximal zehn Destillen weltweit, die alles selber machen.“



Ende August an einem windigen, kühlen Sommertag kommen 13 Urlauber auf den Hof, um sich von Jan Hinrichsen die Whisky Brennerei zeigen und erklären zu lassen. Und natürlich, um zu probieren. Oder besser gesagt, um zu „tasten“. Rund um Whisky wird es englisch. Der Rundgang durch die Distillery beginnt auf dem Scheunenboden. Früher lagerten hier Stroh- und Heuballen, heute sind es Whiskyfässer. Die Fässer aus Eichenholz kommen aus Spanien oder Portugal. Bevor der Whisky darin reift, dienten sie schon zur Lagerung von Sherry oder Wermut. Manche der Fässer sind etwas heller. Sie kommen aus Amerika. Amerikanische Fässer werden von innen angekohlt. Die verschiedenartigen Fässer bestimmen maßgeblich die Farbe des Whiskys. Rund 450 Euro kostet ein Fass. All das erzählt Jan Hinrichsen munter, ausführlich und die Neugier auf den Whiskey weckend.
Als Jan Hinrichsen ein Fass öffnet und für jeden Besucher ein Glas befüllt, wird es ganz still. Alle stecken ihre Nasen in ihr Glas- Nosing genannt - um den Geruch des Whiskys aufzunehmen. Anschließend wird das Glas geschwenkt, um die Farbe zu begutachten und zu schauen, ob der Whisky Schlieren im Glas hinterlässt. Dann erst folgt ein kleiner, vorsichtiger Schluck. An diesem Punkt wird es sehr persönlich. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Ich hatte zuerst einen weichen, würzigen Geschmack wahrgenommen, der dann aber doch recht scharf-pfeffrig heißt das dann im Abgang war. Kurz darauf verspürte ich eine wohlige Wärme im ganzen Körper. Sehr angenehm an diesem kühlen Nordseetag.
Aber nicht nur die Geschmacksnerven wurden hier oben auf dem ehemaligen Heuboden angeregt. Auch die Fantasie seiner Besucher spricht Jan Hinrichsen an. Durch die Poren der geschlossenen Fässer verdunstet ein geringer Anteil des Whiskys im Fass. Das sei der sogenannte „Angels' share“, erzählt er. „Engelsanteil“ oder „Schluck des Engels“ auf Deutsch. Meine Vorstellungskraft ist geweckt. Whisky trinken in Gesellschaft von göttlichen Boten finde ich wunderbar.
Nach so viel Sinnesanregung führt uns Jan Hinrichsen zurück ins Erdgeschoss. Hier wird in großen Tanks gegärt und im Brennapparat anschließend destilliert.„ Die Brandanlage ist individuell konfiguriert“, sagt Jan Hinrichsen. Sie kommt aus Oberkirch im Schwarzwald. Zwei weitere Whiskys werden zum Abschluss im Hofcafé angeboten. Der „Somerinj“ und der „Wonter“, der Sommer und der Winter als Whisky. Der „Somerinj“ kostet im Onlineshop in der 0,5 Liter Flasche 79,90 Euro und der „,Wonter“ 123 Euro. „Wir liegen im Mittelmaß“, sagt Jan Hinrichsen zu den Preisen.„Die Produktionskosten seien dreimal so hoch wie in der industriellen Herstellung.“ Für den „Wonter“ scheint sich der Preis zu lohnen. Er findet die Anerkennung eines Besuchers aus Schottland. „Der Winterliche schmeckt vollmundig. Man kann das Sherry Fass schmecken.“
Info
Whisky leitet sich ab von dem schottisch gälischen Wort „uisge beatha“ und bedeutet „Wasser des Lebens“
www.hinrichsens-whisky.de