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Ein Hauch von Hollywood in Jahrsdorf

Kampf „Gut gegen Böse“: Max Redmann (von links), Merle Peng und „Hexe“ Peggy Sonntag spielen die Hauptrollen. Foto: Hans-Jürgen Kühl

„Die Spinnenfrau“: Kulturverein dreht Mittelalter-Film in der Gemeinde - mit der Hilfe eines Profis

Jahrsdorf im Mittelalter. Eine Hexe verflucht in einem Rundumschlag die komplette Dorfbewohnerschaft und entführt ein kleines Mädchen. So beginnt der 20-minütige Kurzfilm „Die Spinnenfrau“, den 17 Mitglieder des Jahrsdorfer Kulturvereins unter der Anleitung eines Regieprofis drehen. Ob es ein Happy-End gibt, kann man beim Scheunenkino am Freitag, 27. Mai, erfahren.

Smartphone-Filmprojekt stößt auf wenig Resonanz

Jahrsdorf wurde im Herbst 2020 zusammen mit Sehestedt und Kosel zu den drei Pilotgemeinden gekürt, die als erste von der neuen Kreis-Kultur-Initiative gefördert werden. Anfang Juli 2021 wurde in Jahrsdorf eine Kulturwerkstatt veranstaltet (wir berichteten), bei der schon ein erstes Ergebnis der neuen Kulturförderung präsentiert wurde: eine Rezeptsammlung mit 66 Kochtipps unter dem Motto „So kocht Jahrsdorf“.

Bei der Kulturwerkstatt konnten die Dorfbewohner Vorschläge für Kulturprojekte vortragen, und ganz oben auf der Wunschliste stand an Ende ein Open-Air-Kinoabend mit einem Kinohit als Hauptfilm und gesammelten Smartphone-Videos der Dorfjugend als Vorfilm. „Wir haben uns in der Gruppe für dies Kinoprojekt entschieden, weil das in Anbetracht  der Fördermittel eine einmalige Chance für unsere Gemeinde ist“, befand die 1. Vorsitzende des Jahrsdorfer Kulturvereins, Sandra Schrader.

Zwei Monate nach der Kulturwerkstatt gab es ein erstes Treffer mit dem von den Jahrsdorfern ausgewählten und von der Kreis-Kultur engagierten Filmregisseur und Medienpädagogen: Claus Oppermann aus Bosau, zu dessen Werken unter anderem der Dokumentarfilm „Schnee von gestern“ (2008) über den schleswig-holsteinischen Katastrophenwinter 1978/79 zählt. Schon beim Auftakttreffen wurde der ursprüngliche Vorfilm-Plan revidiert: „Unser Aufruf zum Selberfilmen von Handyvideos stieß leider auf wenig Resonanz, und so haben wir beschlossen, als Gruppe einen Film zu drehen, und da war es dann der Wunsch der Kinder, dass dieser Film im Mittelalter spielt“, erklärt Sandra Schrader.

Wegen der fortdauernden Covid-19-Pandemie musste der Drehbeginn mehrmals verschoben werden. Beim Drehbuchschreiben ging es in Jahrsdorf zu wie in Hollywood. „Sechs Mal haben wir das Drehbuch nun schon geändert“, berichtet Sandra Schrader. Die laufende Verbesserung des Filmplots ist ein Beleg für den Lernerfolg. „Die erste Drehbuchfassung hatte keinen richtigen Helden und auch keinerlei Spannung“, räumt Sandra Schrader selbstkritisch ein und lobt die Hilfestellungen durch Film-Profi Oppermann: „Wir haben uns seit November alle zwei Wochen getroffen und gelernt, was man bei der Produktion eines Films alles beachten muss.“ 

Nach der theoretischen Unterricht steht nun seit dem Drehbeginn Ende April die Praxis auf der Programm. „Jeder von uns lernt alle Bereiche des Filmens kennen; wir wechseln uns an der Kamera, am Mikrofon und an der Klappe ab“, erläutert Sandra Schrader. Claus Oppermann ist begeistert von seiner Laien-Filmcrew: „Dass wir eine gemischte Gruppe aus allen Generationen mit Teilnehmern von zehn bis über 60 Jahren haben, die alle am Entwicklungsprozess des Films beteiligt sind, ist einzigartig! Das ist ein tolles Team, das sich von Mal zu Mal steigert.“

„Das ist echt cool, wie hier alle Generationen gemeinsam ein Projekt verwirklichen“, meint auch Jorid Höffken, die den Film nicht nur als Kreis-Kultur-Prozessbegleiterin betreut, sondern kurzerhand auch noch die Filmrolle einer auf Krawall gebürsteten Dorfmagd übernommen hat.

Ton-Expertin Merle Peng (zehn Jahre) berichtet der weil von den Schwierigkeiten, im Jahre 2022 einen Mittelalter Film zu drehen: „Immer wenn man im Hirtergrund ein Auto, ein Flugzeug, eine Motorsäge, einen Rasenmäher oder ein Handy hört, müssen wir eine Drehpause machen.“

Premiere mit Otto-Film „Catweazle“

Der etwa 20-minütige „Spinnenfrau“-Film der Projektgruppe feiert seine Premiere beim Scheunenkino am Freitag, 27. Mai (19 Uhr). In der Scheune der Familie Groth-Jansen in der Dorfstraße 4 wird auch das „Schauburg“-Team aus Rendsburg zu Gast sein, um nach der „Spinnenfrau“ den aktuellen Otto-Waalkes-Kinofilm „Catweazle“ zu zeigen. Der Jahrsdorfer Kulturverein sorgt für Popcorn, Zuckerwatte, Grillwurst und Getränke. Der Eintritt ist frei.  Hans-Jürgen Kühl

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