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Sonderausstellung „Genuss zum Mittel“ im Museum Eckernförde

Was hier aussieht wie die Reste vom Umtrunk am Silvesterabend, ist hintersinnige Kunst: Dr. Dorothee Bieske, Leiterin des Museums Eckernförde, mit dem Werk „Meine hundert besten Freunde“ (2020) von Thomas Judisch. Fotos: Birte Sieland

„Genuss zum Mittel“ zeigt die Arbeiten von Thomas Judisch, der Alltagsgegenstände in humorvolle Kunstwerke verwandelt. Besucher entdecken das Gläser-Ensemble „Meine hundert besten Freunde“ und mehr.

Ja, was ist denn das? Wurde nach der letzten Vernissage im Museum Eckernförde etwa nicht richtig aufgeräumt? Auf dem Bistrotisch stehen noch Sektgläser, zum Teil nicht ganz ausgetrunken, dafür aber hier und da mit Lippenstift verziert. Oder feiert Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske hier heimlich Partys?

„Nein, nein“, wiegelt sie lächelnd ab. „Das ist Kunst!“ Kein Umtrunk habe hier stattgefunden, und es sei auch kein abgestandener Schaumwein in den Gläsern. Stattdessen ist es ein Werk der aktuellen Sonderausstellung „Genuss zum Mittel“, bei dem Gelwachs das alkoholische Getränk täuschend echt ersetzt.

Der Künstler Thomas Judisch greift in seinen Arbeiten Alltagswelten auf und hinterfragt sie humorvoll, hebt vermeintlich Belangloses in neue Dimensionen und erschafft mit wenigen Zutaten kleine Geschichten. Zum Beispiel mit dem Gläser-Ensemble auf dem hohen Tisch: Das Werk heißt „Meine hundert besten Freunde“. „Es sind aber nur 14 Gläser“, verweist Dorothee Bieske augenzwinkernd auf die übersichtliche Anzahl. „Jetzt kann man sich fragen, wieso.“

Einkaufslisten als hochwertige Kunst

Ob Sektgläser, Kekse oder ein Spaziergang durch raschelndes Laub: Die Ausstellung ist zwar unabhängig von den Jahreszeiten, trotzdem finden Besucher in Festtagsstimmung immer wieder Bezüge zu Weihnachten und Silvester. Zum Beispiel beim Werk „Schokolade für Plätzchen“: Eigentlich ist das nur der oberste Punkt auf einer Einkaufsliste, doch Thomas Judisch erhebt diese mit Tinte auf Leinwand großformatig zum Kunstwerk. Einen riesigen Schritt weiter ist er bei den Arbeiten „Tabs“ und „Toil. Papier“ gegangen: Diese „Einkaufslisten“ wurden in Indien aus neuseeländischer Wolle zu Teppichen geknüpft, jeweils einen Quadratmeter groß. Was sonst zerknüllt in den Müll geworfen wird, bleibt hier als hochwertige Handwerkskunst erhalten. Apropos Müll: Auch die Abfallsäcke in Hellblau und Rosa, die in der Ausstellung stehen, sind nicht die Reste vom Feste, sondern wurden aus Buntglas gefertigt; wie zugebundene Plastikzipfel wirken ihre zerbrechlichen Deckel. „Time of my life“ heißen diese Spiegelbilder der Wohlstandsgesellschaft, die immer etwas wegzuwerfen hat. Bei diesen Säcken würde es aber kaum jemand wagen.

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Festgeschraubtes Fischbrötchen

Es gibt viel zu entdecken bei der Sonderausstellung, und zwar nicht nur in den beiden dafür vorgesehenen Räumen. „Sie nimmt auch Bezüge zu Dauerausstellung“, unserer verweist die Museumsleiterin auf andere Abteilungen, wo Thomas Judisch seine Spuren hinterlassen hat. Zum Beispiel mit dem bronzenen Fischbrötchen, das gemeinsam mit einem „Plastikbecher“ aus dem gleichen Material bescheiden auf einem Stapel Holzpaletten in der Fischereiabteilung thront. Hier besteht zwar keine Verwechslungsgefahr mit dem Original, aber vorsichtshalber wurde es dennoch festgeschraubt. In anderen Räumen haben die Arbeiten des Künstlers sogar schon beim Reinigungspersonal für Irritation gesorgt. Wer sich nach der Entdeckungsreise durchs Museum nach Natur sehnt, findet sie in hintersinniger Form bei der Bodeninstallation „Deutscher Wald“. Was genau es ist, wird hier nicht verraten - nur so viel: Hier lässt es sich wetterunabhängig Schlendern, auch nach einem üppigen Festschmaus am Zweiten Weihnachtstag (siehe Öffnungszeiten am Textende).
Birte Sieland

Museum Eckernförde, Rathausmarkt 8; die Sonderausstellung „Genuss zum Mittel“ läuft bis zum 11. Januar; Öffnungszeiten im Museum: Di. bis Fr. 14.30 bis 17 Uhr, Sa. + So. 11 bis 17 Uhr, feiertags 14.30 bis 17 Uhr; geschlossen an Heiligabend, am Ersten Weihnachtstag, Silvester und Neujahr.


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