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Dr. Issifi Djibey: Ein Rendsburger will König in Afrika werden

FOTO: AXEL HEIMKEN

Vom Chefarzt zum König: Dr. Issifi Djibey auf dem Weg zur Krone im Niger

Vor einem halben Jahrtausend gab es in Westafrika ein Land, das so groß war wie halb Europa. Das Reich der Songhai reichte im 15. und 16. Jahrhundert vom Atlantik bis in den Tschad. Auf dem Höhepunkt seiner Macht wurde es von Kaiser Mohammed Askia I. regiert. Doch die Nachbarn neideten dem Land seinen Reichtum. Söldner aus Marokko fielen ein, 1591 zerfiel das Reich. Die Prinzen flüchteten in den heutigen Niger, den sie unter sich aufteilten. Jeder wurde König in seinem eigenen Land.

Unternehmen aus der Region

433 Jahre nach dem Untergang des Songhaireiches lebt in Rendsburg ein Mann, der in direkter Linie von König Mohammed Askia I. abstammt. Sein Name lautet Dr. Issifi Djibey (74). Bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 2014 war er Chefarzt für Gefäß- und Thoraxchirurgie an der Imland-Klinik (heute Schön-Klinik). Mit seiner Frau Angela bewohnt er ein gepflegtes Einfamilienhaus mit Garten am Stadtrand. Nach einem herausfordernden Arbeitsleben als Mediziner hat er sich hier zur Ruhe gesetzt. Doch mit der Beschaulichkeit könnte es bald vorbei sein. Djibey hat einen Ruf aus dem Niger erhalten, dem Land, in dem er geboren worden ist.

14 BEWERBER UM DIE KÖNIGSWÜRDE

Issifi Djibey soll König von Kokorou werden. Der Landstrich im Westen des Niger ist so groß wie das Saarland und hat mehr als 150.000 Einwohner. Ihr Herrscher ist im Frühjahr 2023 nach 52-jähriger Amtszeit verstorben. Er war von der Regierung eingesetzt worden, obwohl er einer Linie des Clans angehörte, die zuvor nie den König gestellt hatte. Nun will man die alte Ordnung wieder herstellen. Ein direkter Nachfahre der früheren Könige soll die Macht übernehmen. Djibey gehörte zum Kreis derer, die in Frage kommen. Doch die Verwandschaft ist zahlreich und die Königswürde begehrt. Mit Djibey sind es 14 Kandidaten, die König werden wollen.

Unternehmen aus der Region

Über die Wahl des Herrschers entscheiden die Vorsteher der 72 Dörfer und Gemeinden in der Region. Der König von Kokorou besitzt weder die absolute Macht noch ist er rein repräsentativen Aufgaben verpflichtet. Er ist Bindeglied zwischen der Regierung in der Hauptstadt Niamey und dem Volk in den Städten und Dörfern seiner Region. Er treibt die Steuern ein und darf einen Teil davon für sich behalten, er fungiert als Richter – und er entwickelt sein Reich, wie er es möchte. „Der alte König hat gar nichts getan, er war sehr konservativ“, sagt Issifi Djibey.

DER HOFFNUNGSTRÄGER AUS DEUTSCHLAND

Der Kandidat aus Deutschland gilt als Favorit, als Hoffnungsträger. Er hat sich viel vorgenommen für den Fall, dass er gewählt werden sollte. Auf seiner Agenda steht, die Landwirtschaft zu modernisieren und die Infrastruktur zu verbessern. Die meisten Straßen in Kokorou sind unbefestigt. In der Regenzeit versinken die Autos im Schlamm. „Aber ein Handy hat jeder“, sagt Djibey. Die Menschen wüssten daher, was draußen vor sich geht. Und sie wüssten auch, wie rückständig ihre Region im Vergleich zu anderen ist. Der Wunsch nach Veränderung wird immer größer, zumal die Ausgangsbasis nicht die schlechteste ist. In der Region Kokorou gibt es Goldminen und wichtige Mineralien.

Djibey ist der einzige unter den 14 Kandidaten, der sich in einem hochangesehenen Beruf etablieren konnte und die Welt bereist hat. Seine Mitbewerber sind fast ausschließlich Bauern, die ihr Land nie verlassen haben. Für sie ist die Königswürde die einzige Chance, um zu Reichtum und Ansehen zu kommen. Sie kämpfen gegeneinander um die Macht und gemeinsam gegen den Bewerber aus dem fernen Deutschland. Denn sie wissen um Djibeys Favoritenrolle. Drohungen wurden ausgesprochen.

Unternehmen aus der Region

Der 74-Jährige ahnt, was als König auf ihn zukommen würde - und dass er noch viel lernen müsste. Er hat in seinem Berufsleben als Chirurg zwar komplizierteste Operationen ausgeführt, war aber frei davon, politische Entscheidungen treffen zu müssen. Als König müsste er vom ersten Tag an vermitteln und regieren. Das Rentnerdasein, das er zehn Jahre genossen hat, wäre für immer vorbei. Und doch fühlt er sich verpflichtet: „Meine Familie aus dem Niger hat mir gesagt, ich kann mich jetzt nicht mehr in Deutschland verstecken, man würde es mir sehr übel nehmen, wenn ich nicht kandidieren würde.“

INFO

Eines der ärmsten Länder der Welt
Der Niger ist erst seit 1960 unabhängig. Zuvor war das Land eine französische Kolonie. 26,2 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von fast 1,27 Millionen Quadratkilometern (zum Vergleich: Deutschland ist knapp 360.000 Quadratkilometer groß). Die Einwohnerdichte des Niger liegt bei 21 Einwohnern pro Quadratkilometer (Deutschland: 237 Einwohner).
Der Niger gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Allerdings besitzt das Land auch Bodenschätze wie Gold, Uran, Erdöl und Kohle. Zwar konnte der Niger sein Bruttosozialprodukt in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verzehnfachen, allerdings wurde dies durch ein hohes Bevölkerungswachstum wieder kompensiert. Jede Frau bekommt durchschnittlich 6,7 Kinder.
Das Land wird von einer Militärregierung verwaltet. Ein großes Problem ist der Terrorismus. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in den Niger. In zahlreichen Regionen besteht ein hohes Risiko, Opfer einer Gewalttat zu werden. Vor allem Entführungen sind an der Tagesordnung. Laut Auswärtigem Amt dürfen Ausländer im ganzen Land außerhalb der Städte nur mit einer bewaffneten Eskorte reisen.

DORFÄLTESTE ENTSCHEIDEN DIE KÖNIGSWAHL

Voraussichtlich Anfang 2025 ist die Wahl, eine einfache Mehrheit würde Issifi Djibey zum König machen. Dazu muss er sich vorher seiner Unterstützer vergewissern, die Dorfältesten besuchen, ihnen Geschenke machen. Das kostet Geld, wie viel genau allerdings will Djibey nicht verraten. Wie der britische Monarch hat auch der Herrscher von Kokorou ein Zepter, allerdings trägt er keine Krone, sondern einen edlen Turban, und es wird ihm ein ein schwarz-goldener Mantel aus Samt und. Seide umgelegt. Zu den Insignien zählen zudem zwei konservierte Löwenherzen.

Auf jeden Fall wird der neue König feierlich inthronisiert, „beinahe wie bei Charles“, sagt Djibev und lächelt.

Wie oft müsste er im Niger sein, um das Königsamt auszuüben? „Es gibt keine Pflicht, vor Ort zu sein“, erklärt der Arzt. Er könnte einen seiner Brüder zum Statthalter machen und - theoretisch - in Deutschland bleiben. Doch Issifi Djibey möchte verändern, Neues schaffen, die Region voranbringen. Das gehe nur, wenn man vor Ort ist, sagt er. Seine Frau begleitet ihn. „Zwei Drittel des Jahres würden wir wohl in Afrika sein.“ // Dirk Jennert


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