Liebe Leserinnen und Leser,
im Jahr 1234 wurde das Kloster Uetersen gegründet. Dieses Zisterzienserinnenkloster besaß umfangreiche Ländereien, sogar auf der anderen Elbseite, im Kehdinger Land. Damals fuhr man mit Booten über den Fluss. Daran hat sich bis heute, fast 800 Jahre später, nichts geändert. Wir fahren immer noch mit (zugegebenermaßen größeren) Booten, wenn wir nach Kehdingen wollen. In gewisser Weise sind wir hier im Mittelalter stehen geblieben.
Doch es gibt Hoffnung auf den Anbruch der Neuzeit: Die Planfeststellungsbeschlüsse für den Tunnel der A 20 bei Glückstadt liegen vor, ebenso der Beschluss für das Kreuz Kehdingen, wo die A 20 auf die A 26 trifft. Das Gesamtprojekt nimmt Fahrt auf. In Schleswig-Holstein müssen wir nun nachziehen und insbesondere für den Abschnitt zwischen der A 23 und Glückstadt eine entsprechende Genehmigung erwirken.
Ein solcher Planfeststellungsbeschluss muss auch für eine klare Finanzierungszusage des Bundes stehen, damit die Umsetzung nicht erneut ins Stocken gerät. Dem Vernehmen nach sind mehrere Abschnitte des A 20-Neubaus in Schleswig-Holstein im sog. Finanzierungs- und Realisierungsplan enthalten, für den das Bundesverkehrsministerium verantwortlich ist. In diesem Plan werden alle Investitionen in die Bundesautobahnen abgebildet. Allerdings muss der Bundestag dem noch zustimmen.
Die Haltung der Wirtschaft ist klar: Wir brauchen die A 20, wir brauchen die Zustimmung des Bundestags für die Finanzierung. Die Industrie- und Handelskammern appellieren an alle Beteiligten, die Bedeutung dieser Verbindung für die Region und die gesamte deutsche Wirtschaft zu berücksichtigen. Jede weitere Verzögerung durch erneute Klagen vor Gericht würde unnötig Zeit und Geld kosten.
Denn: Die Wirtschaftsregionen links und rechts der Unterelbe sind sich in ihrer Struktur sehr ähnlich. Es wäre nur konsequent, aus diesen beiden noch getrennten Regionen eine zu machen. Einen ähnlichen Gedanken hat die Metropolregion Hamburg im Dreieck Bremerhaven - Heide - Elmshorn, wo sie unter dem Konzept „Deltastadt“ eine verstärkte länderübergreifende Zusammenarbeit im Hochtechnologiebereich anstrebt. So oder so: Um die Westküste zu einer Zukunftsregion zu machen, brauchen wir deutliche Investitionen in leistungsfähige Infrastruktur.
Mit der Deltastadt blicken wir schon in das 22. Jahrhundert. Eine zeitgemäße Infrastruktur ist längst überfällig - für die Gegenwart und die Zukunft. Es ist an der Zeit, das Mittelalter hinter uns zu lassen. Es ist Zeit für die A 20.
Dr. Paul Raab, IHK zu Kiel, Leiter der Geschäftsstelle Elmshorn